New views on history – Geschichtslehrkräfte aus Russland, Belarus, der Ukraine und Deutschland erarbeiten Unterrichtsentwürfe zum NS-Vernichtungskrieg

Laufzeit des Projekts: 01.10.2019-31.03.2021

Hintergrund des Projekts

Geschichtsunterricht und Geschichtslehrbücher sind für die Vermittlung von gesellschaftlichen und politischen Werten von zentraler Bedeutung. Der Zweite Weltkrieg ist dabei bis heute eines der schmerzlichsten und konfliktreichsten Kapitel in der Erinnerung der europäischen Gesellschaften. In den letzten Jahren haben sich NGOs und Lehrkräfte aus Deutschland, Russland, Belarus und Ukraine mehrfach an den Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI gewandt. Sie sind auf der Suche nach geeigneten Quellen, um ihren Schüler*Innen das Leben der Bevölkerung unter der NS-Besatzung von 1941 bis 1944 aus einer alltagsgeschichtlichen Perspektive zu vermitteln. Vor dem Hintergrund des aktuell zunehmenden Rechtsextremismus, Populismus und Nationalismus in ganz Europa gewinnt in der Bundesrepublik Deutschland die Geschichtsvermittlung zurzeit der Nationalsozialismus wieder verstärkt an Bedeutung. Zudem weisen Geschichtslehrer*Innen in Deutschland häufiger darauf hin, dass der NS-Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion in Lehrplänen und Schulbüchern mehr Raum einnehmen sollte.

Das Projektvorhaben

Der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI verfügt seinerseits über ein knapp 8000 Dokumente umfassendes Archiv von Zeitzeugenberichten des Vernichtungskriegs in Form von Briefen ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener, Überlebender der verbrannten Dörfer in Belarus und Überlebende von Ghettos in der Ukraine. Ein Teil dieser Briefe werden im Museum Berlin-Karlshorst aufbewahrt.

Im Rahmen des Projektes werden Zeitzeugenberichte aus dem KONTAKTE-KOHTAKTbI-Archiv und Exponate zum Vernichtungskrieg des Museums Berlin-Karlshorst für Geschichtslehrer*Innen aus den vier Ländern – Deutschland, Ukraine, Russland und Belarus – zur Verfügung gestellt, damit sie gemeinsam im Rahmen von Geschichtswerkstätten ergänzende Unterrichtsentwürfe und Materialien zum Thema NS-Vernichtungskrieg in der Sowjetunion entwickeln.

Anschließend werden diese über die Webseite des Museums sowie über die Netzwerke der Projektbeteiligten in den vier Ländern weiteren interessierten Geschichtslehrer*innen zum Einsatz im Unterricht angeboten.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms zum Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland aus Mitteln des Auswärtigen Amts finanziert. Im Land Brandenburg unterstützt das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport das Projekt in der Ausschreibungs- und Bewerbungsphase.

Teilnehmende und Partner

Am Projekt nehmen je fünf Geschichtslehrkräfte aus den oben genannten Ländern statt. Das Projekt möchte die Begegnung von Lehrerkräfte jenseits der Hauptstädte ermöglichen und ihre Vernetzung fördern. Neben dem Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI und dem Museum Berlin-Karlshorst sind am Projekt drei zivilgesellschaftliche Organisationen in den Partnerländern beteiligt:

  • NGO für non-formale Bildung und interkulturelle Kommunikation „Interra“, Krasnojarsk, Russland – interrasibir.ru
  • Internationale Gesellschaftliche Vereinigung „Verständigung“, Minsk, Belarus – www.moov.by
  • Jugend-Organisation „STAN“, Ivano-Frankivsk , Ukraine – stan.org.ua

Diese werden die Auswahl der Geschichtslehrer*Innen und die Betreuung der Teilnehmenden in den Partnerländern übernehmen. Auf diese Weise soll die Zusammenarbeit zwischen Akteuren der Zivilgesellschaft und Lehrer*Innen gestärkt werden. Ferner möchte das Projekt die Kooperation zwischen den obengenannten NGOs und dem Museum festigen und gute Rahmenbedingungen für Schulkooperationen zwischen den Partnerländern und Deutschland schaffen.

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