{"id":5053,"date":"2023-04-14T12:17:46","date_gmt":"2023-04-14T10:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=5053"},"modified":"2023-04-14T12:17:49","modified_gmt":"2023-04-14T10:17:49","slug":"raisa-romanovna-t-freitagsbrief-nr-229","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/raisa-romanovna-t-freitagsbrief-nr-229\/","title":{"rendered":"Raisa Romanovna T. \u2013 Freitagsbrief Nr. 229"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Cherson, Ukraine<\/strong><br>Juni 2022<\/p>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzte Vereinigung &#8220;Allukrainische Vereinigung ehemaliger KZ- und Ghetto-H\u00e4ftlinge&#8221;, KONTAKTE &#8211; KOHTAKTbI<\/p>\n\n\n\n<p>Danke f\u00fcr Ihre Hilfe, die ich wirklich brauche. Danke, dass Sie uns, die Kinder des Krieges, die die Besatzung \u00fcberlebt haben, nicht vergessen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F\u00fchrer und Kommunisten wurden jenseits der Wolga evakuiert, w\u00e4hrend wir Zivilisten der \u201eGnade\u201c der Invasoren ausgeliefert waren. Vor dem Krieg wurde mein Vater an die Front eingezogen, w\u00e4hrend meine Mutter und ich alle Schrecken des Alltags durchlebten. Meine Mutter wurde als W\u00e4scherin und Putzfrau im B\u00fcro eingesetzt, und nachts machte sie Schnaps. Meine Mutter wusste nicht, wo sie mich lassen sollte, also band sie mich im Winter mit einem Schal auf dem Ofen (gro\u00dfen Kachelofen mit Sitzbank \/ d. \u00dcbers.) an irgendetwas fest, und im Sommer an ein Tischbein, und legte mir irgendwelchen alten Krempel hin. Die Bedingung der Deutschen war, Kinder nicht mit zur Arbeit zu nehmen, und wenn sie weinten und im Weg waren, wurden sie einfach erschossen, als w\u00e4ren sie Zielscheiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden Jahr gab es schwere Repressionen, und die Menschen verstreuten sich nachts in den W\u00e4ldern, S\u00fcmpfen und verlassenen Bauernh\u00f6fen der umliegenden D\u00f6rfer. Vor unserer Abreise vergruben wir alle unsere Habseligkeiten und Dokumente in einem Fass im Wald in der N\u00e4he unseres Hauses, und als wir zur\u00fcckkamen, war unsere Bleibe abgebrannt, und wir versteckten uns in Bombenkratern, Gruben und Kellern. Unsere Sachen hatte jemand ausgegraben und von unseren Habseligkeiten war nichts mehr \u00fcbrig: weder unsere Sachen, noch unsere Dokumente.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren Illegale (ohne Dokumente). Wieder mussten wir durch D\u00f6rfer, W\u00e4lder und S\u00fcmpfe herumziehen. Wir trafen auf andere Fl\u00fcchtlinge, gruben Unterst\u00e4nde. Wir &#8220;ern\u00e4hrten&#8221; uns von dem, was wir stahlen: Kartoffeln und Roggen\u00e4hren von den Feldern, aus den G\u00e4rten H\u00fchnereier und junge K\u00fcken, und wir sammelten Gras. Wir a\u00dfen alles, was essbar war: junge Kieferntriebe, Eicheln, Beeren, Pilze. Einmal, so erinnere ich mich, wurden wir in einem Dorf von den Deutschen verfolgt. Unsere Nachbarn und wir versteckten uns im Keller; ich sah einen K\u00e4fer an der Wand, bekam Angst und schrie laut auf. Man hielt mir den Mund zu und ich w\u00e4re fast erstickt, und es gab F\u00e4lle, in denen Kinder erstickten, aber die Anderen wurden gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Wald fanden uns die Sp\u00e4her der Einheit des Kommandanten Wershigora und nahmen uns mit. Wir verbrachten den Winter in Unterst\u00e4nden bei den Partisanen. Die Frauen k\u00fcmmerten sich um die Verwundeten, wuschen die W\u00e4sche und kochten Essen. Im Fr\u00fchjahr machten sich die Partisanen mit all ihren Habseligkeiten auf den Weg in den Westen, und wir kehrten nach Hause zur\u00fcck. Wir konnten nirgendwo wohnen, wir lebten bei unseren Nachbarn. Papa kam nach dem Krieg nach Hause, mit einem Schock durch schwere Prellungen und Quetschungen und krank. Mama erkannte ihn anfangs nicht einmal. Meine Mutter hat mir noch viele Geschichten erz\u00e4hlt, aber das ist schon lange her, und im Laufe der Jahre habe ich viel vergessen und wir haben versucht, uns nicht daran zu erinnern und unser Leben weiter zu leben. Aber es ist unvergesslich.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal danke ich Ihnen f\u00fcr Ihre Hilfe. Ich habe 3.100 Griwna an Geld erhalten. Ich bin allein und habe niemanden, der mir hilft. Ich habe keine Kinder und meine Eltern sind vor langer Zeit gestorben. Ich bin durch Krankheit behindert.&nbsp; Ich wurde 1940 geboren. Die Hesed (j\u00fcdische Organisation\/ die \u00dcbers.) k\u00fcmmert sich um meine allgemeine und medizinische Versorgung; ich bin nicht in der Lage, mich selbst zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung Karin Ruppelt und Igor Makarow<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cherson, UkraineJuni 2022 Gesch\u00e4tzte Vereinigung &#8220;Allukrainische Vereinigung ehemaliger KZ- und Ghetto-H\u00e4ftlinge&#8221;, KONTAKTE &#8211; KOHTAKTbI Danke f\u00fcr Ihre Hilfe, die ich wirklich brauche. Danke, dass Sie uns, die Kinder des Krieges, die die Besatzung \u00fcberlebt haben, nicht vergessen haben. 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