{"id":5042,"date":"2023-03-17T10:48:49","date_gmt":"2023-03-17T09:48:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=5042"},"modified":"2023-03-27T10:50:25","modified_gmt":"2023-03-27T08:50:25","slug":"marija-demjanowna-b-freitagsbrief-227","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/marija-demjanowna-b-freitagsbrief-227\/","title":{"rendered":"Marija Demjanowna B. \u2013 Freitagsbrief Nr. 227"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Belarus, Gebiet Mogiljow<\/strong><br>Februar 2023<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag allen Mitgliedern und dem Vorstand des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin die Tochter von Marija Demjanovna B. (geborene A.), geboren im Jahr 1928 im Dorf O., Bezirk Klitschewsk, Gebiet Mogiljow.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute haben wir einen Brief von Ihnen erhalten, und vor einem Monat erhielten wir von der Stiftung \u201eVerst\u00e4ndigung\u201c 300 Euro als \u00dcberlebende der verbrannten D\u00f6rfer. Wir danken der Stiftung nat\u00fcrlich daf\u00fcr, dass sie die Menschen, die die H\u00f6lle des Krieges \u00fcberlebt haben, nicht vergisst und sich an sie erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter ist am 16. Januar 95 Jahre alt geworden. Sie erinnert sich nat\u00fcrlich nicht an viel, aber an das, was sie und ihre Familie durchgemacht haben, und an alle ihre Mitbewohner im Dorf erinnert sie sich und erz\u00e4hlt es bis zum heutigen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Krieges war meine Mutter 13 Jahre alt. Zu dieser Zeit waren das Dorf und die ganze Umgebung von den Deutschen besetzt, und die Gr\u00e4ueltaten, die die Nazis ver\u00fcbten, geschahen vor den Augen der Kinder. Meine Mutter erinnert sich, wie die erschossen wurden, die sich dem Regime nicht unterwarfen, das die Nazis errichtet hatten. Wie diejenigen gequ\u00e4lt wurden, aus deren Familie jemand bei den Partisanen war, und wie die Menschen sich verstecken mussten, wenn Strafkommandos ins Dorf kamen. und wie sie, die Kinder, in den Wald fl\u00fcchteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erinnert sich, wie sie und ihr j\u00fcngerer Bruder (leider lebt er nicht mehr) einmal durch die Felder in den Wald liefen, als die Deutschen auf sie schossen, und ihr Bruder schwer verwundet wurde (er war damals erst 8 Jahre alt).<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Deutschen die Jugendlichen zur Zwangsarbeit nach Deutschland brachten, versteckten sich meine Mutter und zwei Nachbarsm\u00e4dchen in einer Grube, die mein Vater gegraben hatte. Sie blieben dort einen ganzen Tag lang, bis es still wurde, und sie erstickten fast. Als sie aus dem Loch herauskamen, konnten sie sich nicht einmal mehr auf den Beinen halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter erinnert sich daran, wie ihr Heimatdorf niedergebrannt wurde, es war ganz furchtbar. Alle H\u00e4user wurden zur selben Zeit in Brand gesteckt, alles stand in Flammen, und sie rannten in den Wald, um sich zu retten. Sie schliefen im Wald unter freiem Himmel. Es war sehr kalt, und nach 24 Stunden kehrten sie in das ausgebrannte Dorf zur\u00fcck. Dort fanden sie keinen Platz mehr zum Schlafen (und es war M\u00e4rz, drau\u00dfen lag noch Schnee und es war eiskalt). Dann gruben sie Unterst\u00e4nde; die Kinder halfen den Erwachsenen (das waren im Wesentlichen Frauen und alte M\u00e4nner). Mehrere Familien lebten in diesen Unterst\u00e4nden zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutschen zwangen uns, Stra\u00dfen zu bauen und Baumst\u00e4mme zu tragen, Kartoffeln zu s\u00e4ubern und zu sch\u00e4len, damit die Nazis f\u00fcr sich selbst kochen konnten, w\u00e4hrend den Kindern vor Hunger die B\u00e4uche aufquollen. Meine Mutter erinnert sich daran, dass die Deutschen jemanden daf\u00fcr erschie\u00dfen konnten, dass er Kartoffelschalen mit nach Hause nahm. Sie erschossen auch die an Typhus Erkrankten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Mutter hat zwei Br\u00fcder, einen Onkel und einen Gro\u00dfvater verloren, die in dem nahegelegenen Dorf lebendig verbrannt wurden. Meine Mutter betet die ganze Zeit, dass die Schrecken, die sie erleiden mussten, nie wieder \u00fcber die Menschen kommen. Es ist sehr schwer, die Traumata und die Erinnerungen an diese schreckliche Zeit loszuwerden.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter gestattet die Ver\u00f6ffentlichung dieser Erinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frieden gedeiht dort, wo Menschen einander verstehen, auch \u00fcber Grenzen hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe an alle von Maria Dem\u2018yanovna B. und von mir, ihrer Tochter Valentina Sergeyevna Kh. . &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Russischen: Karin Ruppelt und Igor Makarov<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus, Gebiet MogiljowFebruar 2023 Guten Tag Guten Tag allen Mitgliedern und dem Vorstand des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI. Ich bin die Tochter von Marija Demjanovna B. 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