{"id":4699,"date":"2022-06-02T12:10:01","date_gmt":"2022-06-02T10:10:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4699"},"modified":"2022-06-02T12:10:03","modified_gmt":"2022-06-02T10:10:03","slug":"jewgenija-moissejewna-t-freitagsbrief-nr-209","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/jewgenija-moissejewna-t-freitagsbrief-nr-209\/","title":{"rendered":"Jewgenija Moissejewna T. \u2013 Freitagsbrief Nr. 209"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Odessa, <strong>Ukraine<\/strong><\/strong><br>Februar 2019<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Krieg begann, wohnte unsere Gro\u00dffamilie in der Chersonskajastra\u00dfe. Das waren meine Gro\u00dfmutter Ksenija Polikarpowna O. und ihre drei T\u00f6chter. Die zwei S\u00f6hne und ein Schwiegersohn waren an der Front.<\/p>\n\n\n\n<p>[Die T\u00f6chter waren:] Meine Mutter Ljudmila, geb. 1912, Tatjana, geb. 1922, und Tamara, geb. 1925.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserem Haus lebten mehrere j\u00fcdische Familien, Tanja und Tamara waren mit den M\u00e4dchen befreundet. Also beschlossen die Familien, gemeinsam zu fliehen. Aber am Tag vor der Abreise wurde die j\u00fcngste, Tamara, sehr krank, sie bekam 40\u00b0 Fieber, war im Delirium. Also beschloss meine Gro\u00dfmutter zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00e4dchen gingen in den Hafen, ihre Freundinnen verabschieden. Als das Schiff \u201eLenin\u201c ablegte, wurde es bombardiert und versank.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hausmeister in unserem Haus war ein S\u00e4ufer. Er drohte meiner Oma: &#8220;Ich wei\u00df, von wem du deine Enkelin hast.&#8221; Meine Mutter musste sich mit mir versteckt halten, wir durften nicht mehr aus dem Haus. Ich durfte nicht rennen, weinen oder lachen. Nachts stellte mich meine Mutter ans Fenster, damit ich frische Luft bekam. So ging das etwa ein Jahr lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages wurde der Hausmeister im Suff von einem Auto \u00fcberfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Stadt gab es oft Razzien. Die Menschen wurden zusammengetrieben und mussten sich ansehen, wie Partisanen erh\u00e4ngt und erschossen wurden. Manchmal gingen wir nach Slobodka, Verwandte besuchen, und mussten uns vor den Bomben verstecken. In einem Garten auf der Komsomolskaja wurden gerade Partisanen erh\u00e4ngt. Ich verstand nicht, was da vor sich ging. Meine Mutter versteckte mich, schirmte mich ab, damit ich nicht hinsah. Aber ich verstand nicht, was los war, und schaute zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht das einzige Mal. Sie wurden erh\u00e4ngt und erschossen. Ich sah es immer wieder in Alptr\u00e4umen, bis ich elf oder vielleicht dreizehn Jahre alt war.<\/p>\n\n\n\n<p>T. Jewgenija Moissejewna<\/p>\n\n\n\n<p>geb. 9. Mai 1938<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Russischen von Jennie Seitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Odessa, UkraineFebruar 2019 Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg Als der Krieg begann, wohnte unsere Gro\u00dffamilie in der Chersonskajastra\u00dfe. Das waren meine Gro\u00dfmutter Ksenija Polikarpowna O. und ihre drei T\u00f6chter. Die zwei S\u00f6hne und ein Schwiegersohn waren an der Front. 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