{"id":4661,"date":"2022-03-25T10:17:22","date_gmt":"2022-03-25T09:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4661"},"modified":"2022-03-29T20:19:01","modified_gmt":"2022-03-29T18:19:01","slug":"lyubov-maksimowna-ch-freitagsbrief-nr-205","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/lyubov-maksimowna-ch-freitagsbrief-nr-205\/","title":{"rendered":"Lyubov Maksimowna Ch. \u2013 Freitagsbrief Nr. 205"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gebiet Poltawa, Ukraine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hei\u00dfe Nataliya K., ich bin die Enkelin von Lubov&nbsp; Kh.. Ich will Ihnen auch danken. Diese Geschichte hilft allen Menschen in allen L\u00e4ndern zu verstehen wie schrecklich der Krieg ist.&nbsp; Wir sch\u00e4tzen alles was sie f\u00fcr uns tun und bewundern Ihren Mut, mit dem Sie die Verantwortung alle Jahre tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und heute ist es besonders kompliziert f\u00fcr meine Oma zu ertragen, noch ein Krieg mit den Menschen aus Russland, mit dem Land wo wir viele Freunden und Verwandten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sind die Medikamenten sehr knapp, die Apotheken sind entweder fast leer oder geschlossen.&nbsp; Deshalb sch\u00e4tzen wir jetzt Ihre Hilfe besonders stark.&nbsp; Mit dem H\u00f6rger\u00e4t kann sie jetzt die Alarmstufe besser h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke noch einmal von allen aus unserer Familie aus Kiew und Lubny.&nbsp; Wir vergessen nie was die Deutschen und die Menschen aus dem ganzen Welt jetzt f\u00fcr uns tun, danke!<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier ist der Brief von meiner Oma:<\/p>\n\n\n\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe aus Kiew, Nataliya K.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine pers\u00f6nliche Erinnerung, die ich, so sehr ich mich auch bem\u00fche, nie vergessen kann. Ich m\u00f6chte Ihnen erz\u00e4hlen, wie es war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommer 1943 brannten die Nazis 136 D\u00f6rfer mitsamt ihren Bewohnern nieder. Unser Dorf lag in einem Feuerring. Wir hatten Angst. Wir gingen in den Wald. Nachts schlichen die Kinder ins Dorf, um Essen zu holen. Der Herbst kam und mit ihm die K\u00e4lte. Die Nazis durchk\u00e4mmten mit Sch\u00e4ferhunden die W\u00e4lder und vertrieben die Menschen. Wir kehrten in das Dorf zur\u00fcck, wo wir bis Februar lebten. Eines Nachts h\u00f6rten wir ein Klopfen am Fenster, schauten hinaus &#8211; es waren Faschisten mit Maschinengewehren. Wir hatten 10 Minuten Zeit, um unsere Sachen zu packen, wurden in die Lastwagen geladen und zum Bahnhof gebracht, wo wir in G\u00fcterwaggons umgeladen wurden.&nbsp; Die Fenster und T\u00fcren waren verschlossen.&nbsp; Ich wei\u00df nicht mehr, wie lange wir fuhren. Sie luden uns nachts aus, es lagen Berge von Sachen auf der Erde. Es war zu sehen, dass hier nicht nur ein Zug gehalten hatte.&nbsp; Wir reihten uns auf, auf beiden Seiten gingen Deutsche mit Maschinenpistolen.&nbsp; Wir mussten bis in den sp\u00e4ten Abend hinein durch unwegsames Gel\u00e4nde laufen.&nbsp; Wer versuchte, sich zu setzen, wurde mit Gewehrkolben geschlagen, wer nicht aufstand, wurde erschossen.&nbsp; So ist der Bruder unseres Gro\u00dfvaters gestorben. Wir waren f\u00fcnf Kinder und unsere Mutter. Der \u00c4lteste war 13 Jahre alt, der J\u00fcngste 4 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Konzentrationslager, in das wir getrieben wurden, befanden sich Tausende von Menschen. Das Konzentrationslager war von Stacheldraht umgeben, es gab keinen Unterschlupf, keinen Bodenbelag, Frost und Schnee.&nbsp; Die Menschen starben vor K\u00e4lte und Hunger, schrien und bettelten st\u00e4ndig um Hilfe. Es gab weder warme Kleidung noch Essen. Die Leichen wurden nicht entfernt. Mehrmals wurde Brot gebracht, das von einem gro\u00dfen Lastwagen geworfen wurde. Der Kampf um Brot wurde zu echten K\u00e4mpfen.&nbsp; Die Menschen fielen durch die Schl\u00e4ge, und viele standen nicht mehr auf.&nbsp; Ich wei\u00df noch, wie unser 11-j\u00e4hriger Wanja es schaffte, einen Laib zu ergattern und am Leben zu bleiben. Er hielt das Brot so fest, dass niemand es ihm wegnehmen konnte. Seine H\u00e4nde lockerten sich erst, als er uns das Brot brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als unsere Sp\u00e4her das Lager betraten, erschauderten sie \u00fcber das, was sie sahen. Sie erstatteten dem Kommando Bericht. Es wurde eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Offensive gestartet. Die Menschen gerieten an die Frontlinie, viele wurden verletzt. Ich hatte eine Sch\u00e4delverletzung mit einem 5&#215;4-Knochendefekt.&nbsp; F\u00fcr die aus dem Konzentrationslager Befreiten wurden in Rechitsa, Region Gomel, Lazarette eingerichtet. In der Empfangs- und Sortierstation waren wir noch mit meiner Mutter. Sie starb jedoch sofort im Krankenhaus, da sie die fr\u00fcheren Folterungen, die K\u00e4lte und den Hunger nicht mehr ertragen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Lubov Maksimowna Ch., geboren 1934 im Dorf Novosyolki, Belarus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebiet Poltawa, Ukraine Sehr geehrte Damen und Herren, Ich hei\u00dfe Nataliya K., ich bin die Enkelin von Lubov&nbsp; Kh.. Ich will Ihnen auch danken. Diese Geschichte hilft allen Menschen in allen L\u00e4ndern zu verstehen wie schrecklich der Krieg ist.&nbsp; Wir sch\u00e4tzen alles was sie f\u00fcr uns tun und bewundern Ihren Mut, mit dem Sie die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-4661","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-briefe-der-ueberlebenden-verbrannter-doerfer-belarus"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"ru","enabled_languages":["de","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"post-thumbnail":false,"graphy-post-thumbnail-large":false,"graphy-post-thumbnail-medium":false,"graphy-post-thumbnail-small":false,"graphy-page-thumbnail":false},"uagb_author_info":{"display_name":"KS","author_link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/author\/kntktbrln999\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Gebiet Poltawa, Ukraine Sehr geehrte Damen und Herren, Ich hei\u00dfe Nataliya K., ich bin die Enkelin von Lubov&nbsp; Kh.. Ich will Ihnen auch danken. Diese Geschichte hilft allen Menschen in allen L\u00e4ndern zu verstehen wie schrecklich der Krieg ist.&nbsp; Wir sch\u00e4tzen alles was sie f\u00fcr uns tun und bewundern Ihren Mut, mit dem Sie die...","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4661"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4662,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4661\/revisions\/4662"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}