{"id":4524,"date":"2021-10-22T12:16:54","date_gmt":"2021-10-22T10:16:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4524"},"modified":"2021-10-22T12:16:55","modified_gmt":"2021-10-22T10:16:55","slug":"ekaterina-arsentevna-b-freitagsbrief-nr-190","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/ekaterina-arsentevna-b-freitagsbrief-nr-190\/","title":{"rendered":"Ekaterina Arsent&#8217;evna B. \u2013 Freitagsbrief Nr. 190"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gebiet Mogilyov, Belarus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag sehr geehrter Gottfried Eberle und Mitglieder des Vereins Stiftung \u201eVerst\u00e4ndigung\u201c [sic!].&nbsp; Ich habe Ihren Brief erhalten und mit Tr\u00e4nen in den Augen m\u00f6chte ich Ihnen mitteilen von dem, was ich in den Jahren des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges durchgemacht habe, meine Kindheitserinnerungen, und gebe Ihnen die Erlaubnis, diese zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich, B. Ekaterina Arsent\u2018eva, wurde am 1935 im Dorf Voynily, Gebiet Mogilyov, Kreis Chaussy geboren. Gegenw\u00e4rtig lebe ich in der Stadt Mogilyov. Ich bin jetzt 86 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles, was ich als kleines Kind erlebt habe in den Jahren des WOW, bleibt f\u00fcr immer in meinem Ged\u00e4chtnis. Ich habe mich immer bem\u00fcht von all dem: Entsetzen, Schmerzen, Angst, Leiden, meinen Kindern, Enkeln und Urenkeln zu erz\u00e4hlen, damit sie, die kommenden Generationen, sich immer erinnern und nicht vergessen, dass es solch einen KRIEG gab! Bis heute jammert es mich im Herzen, dass ich nicht wei\u00df, wo mein Vater begraben ist, dass ich mein Haupt nicht an seinem Grab neigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Familie bestand aus sieben Personen: Men Vater &#8211; B. Arsentiy Kalistratovich, geb. 1898, meine Mutter \u2013 B. Prokof\u2018ya Borisovna, geb. 1903, und f\u00fcnf Kindern: Ich, mein \u00e4lterer Bruder B. Aleksey Arsent\u2018evich, geb. 1930, meine Schwestern: Tat\u2018yana Arsent\u2018evna, geb. 1933, Anastasiya Arsen\u2018evna, geb. 1937, Mariya Arsent\u2018evna, geb. 1939.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Gro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg begann, war ich gerade sechs Jahre alt. Mein Vater wurde als Soldat an die Front eingezogen, und wir blieben mit der Mutter im Dorf Voynily. Wir hatten eine sehr schwierige und be\u00e4ngstigende Zeit! Ich erinnere mich, wie Flugzeuge dr\u00f6hnten, Bomben mit einem Pfeifen fielen. Es war sehr Angst einfl\u00f6\u00dfend. Wir weinten und versteckten uns im Haus unter den Dielen. Ende 1941 erkrankte meine j\u00fcngste Schwester Mariya. Sie bekam hohes Fieber, sie gl\u00fchte wie Feuer und weinte die ganze Zeit. Mama ging zum deutschen Doktor nach Medikamenten, aber entweder hatten die Deutschen nicht die ben\u00f6tigten Medikamente oder der Arzt wollte sie ihr nicht geben, entscheiden Sie selbst. Es war nur so, dass mein Schwesterchen am folgenden Tag starb. Sie hatte schwarz gesprenkelte Lippen, ein blasses Gesichtchen und geschlossene Augen. Sie lag ganz still da, als wenn sie schliefe. Wir haben es einfach nicht verstanden, dass sie nicht mehr bei uns ist, weil Mama uns diese traurige Nachricht nicht sagte. Tats\u00e4chlich wurde die Kleine ein Jahr und sieben Monate alt. All dies Schwere str\u00f6mte auf unsere Mutter ein. Und in der Tat musste sie ungeachtet dieses schweren Verlustes, allen Ungl\u00fccks und Leidens, trotz der Angst, alleine vier Kinder gro\u00dfziehen. Wir \u00fcberlebten alle im Krieg so gut es ging. Mit M\u00fch und Not schlugen wir uns durch, manchmal hungerten wir sogar. Wir gingen auf die Felder der Kolchose, sammelten dort faulige Kartoffeln, die wir dann trockneten und a\u00dfen. Aus Klee buken wir im Sommer auf dem Lagerfeuer Fladen. Um so den Hunger zumindest f\u00fcr einige Zeit zu stillen. Trotzdem verlangten wir die ganze Zeit hindurch zu Essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich, wie einmal Deutsche zu uns in die H\u00fctte&nbsp; kamen und uns Kinder alle notierten, und unserer Mutter befahlen, uns morgen zur Schule zu bringen, angeblich um zu lernen, aber tats\u00e4chlich stellte sich heraus, um Blut zu spenden f\u00fcr deutsche Soldaten. Genau in dieser Nacht kamen die Partisanen. So sind wir am Leben geblieben!<\/p>\n\n\n\n<p>1942 sind wir alle aus dem Dorf ins Gebiet Minsk, Kreis Tolochinskiy, Dorf Staraya Budovka umgesiedelt. Dort zogen wir uns in ein Haus, wo wir hungernd bis zum Ende des Krieges lebten. Als Fl\u00fcchtlinge gingen meine Schwestern und ich zu den Nachbarh\u00e4usern und bettelten um Almosen, um zu \u00fcberleben. Und unser \u00e4lterer Bruder ging mit der Mutter auf den Feldern arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der R\u00fcckkehr in unseren Heimatkreis ins Dorf Voynily wir stellten fest, dass unser Haus abgebrannt war. Ich erinnere mich, dass der Vorsitzende des Dorfsowjets Mitleid mit uns hatte und eine Ecke in einem unversehrten Haus f\u00fcr uns fand. Nie werde ich den Tag vergessen, als meine Mutter die Nachricht erhielt, dass unser Vater an der Front vermisst wurde. Mama seufzte tief, sie dr\u00fcckte uns fest an sich und sagte, dass unser Vater noch nicht zur\u00fcckkehren wird. In diesem Moment sah man bei ihr keine Tr\u00e4nen. In all diesen langen Jahren des Krieges hatte sie alle Tr\u00e4nen ausgeweint! Unsere Mutter hat uns nicht allein gelassen in den Nachkriegsverw\u00fcstungen, im fortdauernden Ertragen von K\u00e4lte, Hunger und allen erdenklichen Verlusten. Dank ihr, dem guten, feinf\u00fchligen Herzen, ihrer grenzenlosen m\u00fctterlichen Liebe und Sorge, Hingabe, Langmut, ihrem ungeheuren Flei\u00df, ihrer unbeschreiblichen Selbstbeherrschung, der Lebensklugheit, Redlichkeit und Anst\u00e4ndigkeit unseres M\u00fctterchens, sind wir alle, ihre Kinder, aufgewachsen zu w\u00fcrdigen B\u00fcrgern unseres Vaterlandes!<\/p>\n\n\n\n<p>Gebe Gott, dass niemals mehr auf unserer Erde Krieg sein m\u00f6ge!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre G\u00fcte, die friedensstiftende Mission und das Bestreben zu helfen und uns noch am Leben gebliebene Augenzeugen jenes verw\u00fcnschten Krieges zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke, dass Sie sich an mich erinnern!<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Russischen: Sibylle Suchan-Flo\u00df<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebiet Mogilyov, Belarus Guten Tag sehr geehrter Gottfried Eberle und Mitglieder des Vereins Stiftung \u201eVerst\u00e4ndigung\u201c [sic!].&nbsp; Ich habe Ihren Brief erhalten und mit Tr\u00e4nen in den Augen m\u00f6chte ich Ihnen mitteilen von dem, was ich in den Jahren des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges durchgemacht habe, meine Kindheitserinnerungen, und gebe Ihnen die Erlaubnis, diese zu ver\u00f6ffentlichen. 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