{"id":4445,"date":"2021-08-06T14:11:00","date_gmt":"2021-08-06T12:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4445"},"modified":"2021-09-09T14:34:52","modified_gmt":"2021-09-09T12:34:52","slug":"inna-markowna-k-freitagsbrief-nr-181","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/inna-markowna-k-freitagsbrief-nr-181\/","title":{"rendered":"Inna Markowna K. \u2013 Freitagsbrief Nr. 181"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ukraine, Saporoshje<\/strong><br><strong>2015<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich, K. Inna Markowna (M\u00e4dchenname P.), wurde am 17. Mai 1936 in Saporoshje geboren. W\u00e4hrend des Krieges (1941-1945), vor dem Einfall der Deutschen, arbeitete mein Vater P. Mark Samojlowitsch (geb. 1906) im Werk \u201e<em>Saparoshstal<\/em>\u201c. Nach dem Befehl zur Evakuierung der Technik wurde mein Vater zum Technikbeauftragten ernannt und reiste in den Ural. Uns konnte er nicht gleich mitnehmen, weil meine Mutter, P. Jefrosinja Georgijewna (geb. 1907), am 6. August 1941 meine Schwester P. Ljudmila Markowna in Melitopol, Gebiet Saporoshje, im Haus ihrer j\u00fcngeren Schwester zur Welt gebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Deutschen in die Stadt kamen, gab es den Befehl, alle Einwohner h\u00e4tten zu ihrem gemeldeten Wohnort zur\u00fcckzukehren. Unsere Reise auf einem Bauernwagen dauerte drei Tage. Als wir zu Hause ankamen, war unsere Wohnung verw\u00fcstet und ausgeraubt. Also mussten wir uns in der Wohnung unter uns einrichten. Die Bewohner dieser Wohnung waren weggefahren und hatten einen Sack trockenes Brot dagelassen, von dem meine Mutter und wir uns ern\u00e4hrten. Meine Schwester war klein, zu essen gab es nichts, und unsere Mutter tauschte die goldenen Zahnprothesen meines Vaters und seinen Sonntagsanzug gegen Milch und Huhn ein. Das alles teilte sie in Portionen auf und versuchte, uns so lange wie m\u00f6glich damit \u00fcber Wasser zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war kalt und wir hungerten. Mutter brachte uns zu ihrer \u00e4lteren Schwester, die am anderen Ende der Stadt wohnte, damit wir uns aufw\u00e4rmen, waschen und uns eine Weile vor fremden Blicken sch\u00fctzen konnten. Nicht alle Nachbarn waren uns wohlgesinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal, als wir wieder zum Waschen bei unserer Tante waren, kam ein Polizai. Er sagte, das sei sein Revier und er sei daf\u00fcr verantwortlich. Fremde d\u00fcrften sich hier nicht aufhalten, am Morgen m\u00fcssten wir weg sein. Und so gingen wir in der Nacht zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Schwester und ich verlie\u00dfen ein halbes Jahr lang nicht das Haus. Mutter hatte Angst, die Nachbarn w\u00fcrden uns verraten, als Kinder eines Juden. Manche Nachbarn spuckten durch unser Schl\u00fcsselloch und riefen: \u201eWeg mit den Juden und den Kommunisten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten gro\u00dfe Angst!<\/p>\n\n\n\n<p>1943 trieben die Deutschen alle Frauen nach Deutschland. Mutter nahm uns beide und ging fort, zusammen mit ein paar anderen jungen Frauen und ihren Kindern sowie einem Nachbarn, einem Invaliden mit nur einem Bein, und wir versteckten uns alle in einer Erdh\u00fctte. Tags\u00fcber die Kinder und der Invalide, und die Frauen getrennt in einem Schuppen. Wenn es dunkel wurde, kamen sie zu uns. Die Kinder weinten alle und baten um Essen, aber es gab nichts zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine kleine Schwester erlitt eine Verbrennung \u00fcber das halbe Gesicht. Diese \u201eErinnerung\u201c tr\u00e4gt sie bis heute bei sich. Ich hatte Dystrophie und Dermatitis. Wir haben \u00fcberlebt, unser Vater ist zur\u00fcckgekehrt, aber die Erinnerung an den Krieg ist noch immer lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Russischen von Jennie Seitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Saporoshje2015 Ich, K. Inna Markowna (M\u00e4dchenname P.), wurde am 17. Mai 1936 in Saporoshje geboren. 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