{"id":4403,"date":"2021-07-01T11:11:45","date_gmt":"2021-07-01T09:11:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4403"},"modified":"2021-07-01T11:11:48","modified_gmt":"2021-07-01T09:11:48","slug":"nadeshda-danilovna-k-freitagsbrief-nr-176","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/nadeshda-danilovna-k-freitagsbrief-nr-176\/","title":{"rendered":"Nadeshda Danilovna K. \u2013 Freitagsbrief Nr. 176"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Belarus, Gebiet Mogiljow<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Anmerkung: Ein &#8220;Ringkragen&#8221; war ein zur Uniform von Feldgendarmen geh\u00f6render halbmondf\u00f6rmiger Messingschild mit der Aufschrift &#8220;Feldgendarmerie&#8221;, der mit einer massiven Kette um den Hals getragen wurde. Deshalb wurden Feldgendarme auch &#8220;Kettenhunde&#8221; genannt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag, sehr geehrter Gottfried Eberle und Ihrem ganzen Verein!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe Ihnen auf Bitten meiner Gro\u00dfmutter Nadezhda Danilovna K., Einwohnerin des Dorfes G., Kreis Chaussy, Gebiet Mogilyov.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Kurzem erhielt sie von Ihnen einen Brief und eine gewisse Summe Geld; daf\u00fcr ist sie Ihnen sehr dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Gro\u00dfmutter ist 84 Jahre alt. Sie hat ihr ganzes Leben der Kulturarbeit gewidmet \u2013 als Vorsitzende des Dorf-Kulturclubs und als Organisatorin der dortigen Gruppe \u201eVergissmeinnicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kleines M\u00e4dchen erlebte sie alle Schrecken des Krieges mit. Wenn sie beginnt, von den Dingen zu erz\u00e4hlen, die ihr in dieser schweren Zeit geschehen sind, hat sie Tr\u00e4nen in den Augen. Und ebenso ist es unm\u00f6glich, sich all das ohne Tr\u00e4nen anzuh\u00f6ren. Sie musste Gefangenschaft und Flucht erleben und es blieb ihr nicht erspart, die Ermordung von Kindern zu sehen. Meine Gro\u00dfmutter beschreibt ganz genau, wie ihr Dorf abgebrannt wurde, und nur ein Haus ganz blieb. Einige Ereignisse hat sie selbst in ihrem Brief beschrieben. Ich schicke Ihnen den Brief.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie ihn, und wenn er sie ber\u00fchrt, k\u00f6nnen Sie ihn ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Gottfried Eberle!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe Ihren Brief erhalten, \u00fcber den ich mich unsagbar gefreut habe. Es ist f\u00fcr mich sehr angenehm und schmerzhaft, dass Sie sich nach 75 Jahren an den Krieg erinnern, und diesen Schmerz gemeinsam mit uns, unseren Familien, f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen von einigen Episoden dieses schrecklichen Krieges erz\u00e4hlen, die ich mit eigenen Augen gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Erinnerung, verblasst der Schmerz \u00fcber das M\u00e4dchen Maria nicht. Als wir 1943 gewaltsam aus unserem Dorf Golovenchitsy vertrieben wurden und mit Pferdewagen fuhren, eskortierten deutsche Feldgendarmen mit Ringkragen auf der Brust die Kolonne. Sie verboten den Wagen strikt, den Asphalt zu befahren. Wenn wir nur 5 cm auf den Asphalt gerieten, fuhren sie mit dem Auto auf den Wagen auf, und hier st\u00fcrzte das M\u00e4dchen Maria, f\u00fcnf Jahre alt, auf den Asphalt und starb zwei Wochen sp\u00e4ter. Wir machten 20 Kilometer vor Bobrujsk Halt und wohnten dort f\u00fcr einige Zeit mit der Familie des M\u00e4dchens zusammen. Sie war ihre einzige Tochter gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das habe ich mit eigenen Augen gesehen und es bleibt mir in Erinnerung. Dort, wo wir wohnten, verlief in der N\u00e4he die Landstra\u00dfe, und die Deutschen besuchten uns jeden Tag, nahmen die M\u00e4dchen mit nach Deutschland. Und wir, die Kleinen, wurden mit Ladest\u00f6cken unter den Decken hervorgeholt &#8211; auf der Suche nach den gr\u00f6\u00dferen M\u00e4dchen. Und das jede Nacht &#8211; das ist es, was mir in Erinnerung bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir&nbsp; waren bei einer guten Frau untergebracht &#8211; der Nachname war Poloshevchikh &#8211; das war ihr Name oder Nachname. Sie brachte insgesamt 3 Familien unter. Wir danken ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier eine Episode: Eine Tochter der Hausherrin, bei der wir mit drei Familien wohnten, war Lehrerin, ich wei\u00df ihren Namen nicht mehr, ich wei\u00df, dass sie Epilepsie hatte. Sie hatte vor meinen Augen einen Krampfanfall. Die Deutschen kamen, aber sie haben das nicht geglaubt, und beim letzten Mal haben sie sie bei einem Epilepsieanfall weggebracht, ich wei\u00df nicht, was das f\u00fcr Folgen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kehrten nach Hause zur\u00fcck, als der Krieg noch nicht vorbei war.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke, dass Sie das alles verstehen. Wir danken Ihnen f\u00fcr Ihre Organisation. Gott segne Sie. M\u00f6ge es keinen Krieg mehr geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochachtungsvoll<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;N.D.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00a0\u00dcbersetzung Karin Ruppelt, Igor Makarov<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus, Gebiet Mogiljow Eine Anmerkung: Ein &#8220;Ringkragen&#8221; war ein zur Uniform von Feldgendarmen geh\u00f6render halbmondf\u00f6rmiger Messingschild mit der Aufschrift &#8220;Feldgendarmerie&#8221;, der mit einer massiven Kette um den Hals getragen wurde. Deshalb wurden Feldgendarme auch &#8220;Kettenhunde&#8221; genannt. Guten Tag, sehr geehrter Gottfried Eberle und Ihrem ganzen Verein! 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