{"id":4380,"date":"2021-06-11T16:28:00","date_gmt":"2021-06-11T14:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4380"},"modified":"2021-06-28T16:29:05","modified_gmt":"2021-06-28T14:29:05","slug":"eva-ivanivna-ch-freitagsbrief-nr-173","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/eva-ivanivna-ch-freitagsbrief-nr-173\/","title":{"rendered":"Eva Ivanivna Ch. \u2013 Freitagsbrief Nr. 173"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ukraine, Gebiet\u00a0 Chmelnyzkyj<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Anmerkung: Der Vater der Briefschreiberin war als sowjetischer Kriegsgefangener zur Bestrafung nachweislich von 1943 -1945 in den KZs Mauthausen und Dachau.&nbsp; Die &#8220;Kompensation&#8221; sollte er als KZ-\u00dcberlebender erhalten. 1994 hatte die Bundesrepublik Deutschland&nbsp; 400 Mio. DM&nbsp; f\u00fcr NS-Opfer bereitgestellt, die Auszahlung an die Betroffenen zog sich allerdings in der Ukraine monatelang hin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Mitarbeiter der Stiftung und des Verbandes,<\/p>\n\n\n\n<p>es schreibt Ihnen Ljubov Ivanivna Sh. aus dem Dorf Velyka P., die Schwester von\u00a0 Eva Ivanivna Ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche nun, kurz auf Ihren Vorschlag einzugehen. Ich bin Ihnen sehr dankbar f\u00fcr Ihre Unterst\u00fctzung, die Sie f\u00fcr meine Schwester geleistet haben. Es ist sehr bedauerlich, dass Eva Ivanivna Ch. verstorben ist. Sie hatte sich sehr \u00fcber Ihre Unterst\u00fctzung gefreut, aber der Tod nahm sie uns leider, leider weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dezember 1942 wurde Hanna Ivanivna B., die Mutter von Eva, damals schwanger, als Zwangsarbeiterin in der Besatzungszeit nach Deutschland abtransportiert. Gelandet war unsere Mutter in einer Fabrik, die sich in der Stadt Guterschlech [so im Originaltext \u2013 Anm. des \u00dcbersetzers] [G\u00fctersloh?] befand. Dort musste sie sehr schwer arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 16. Juni 1943 wurde ein kleines M\u00e4dchen geboren, die auf Vorschlag deutscher Frauen Eva getauft wurde. Es war ein blondes M\u00e4del mit blauen Augen. Dieses blau\u00e4ugige Kind wurde von den deutschen Frauen ins Herz geschlossen, es wurde von ihnen gepflegt, gestillt (weil sie ihre eigenen Kinder stillten) und zu Spazierg\u00e4ngen mitgenommen. Unsere Mutter hatte dort ja keine Verg\u00fcnstigungen, sie musste nach der Geburt dagegen wieder arbeiten. Unsere Mutter hat sich dort eine riesengro\u00dfe Wunde an der Hand zugezogen, eine Schnittverletzung, es war eine Narbe, die ihr das ganze Leben lang Schmerzen bereitet hat. Unsere Mutter kam mit Eva, die damals fast 3 Jahre alt war, in die Heimat zur\u00fcck. Das M\u00e4dchen sprach Deutsch. Der Vater von Eva war im Krieg gefallen, seine Tochter hat ihn gar nicht gekannt, obwohl sie ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war. Sie hat ihn nur noch auf Bildern gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>1948 heiratete unsere Mutter wieder. 1949 wurde dann ich geboren und sp\u00e4ter noch ein weiteres M\u00e4dchen und auch ein Junge. Bis zu ihrem Tod war Eva von uns allen geliebt. Ihr Stiefvater hat sie sehr gut behandelt. Er hat sie mehr als seine eigenen Kinder geliebt. Eva ging in die Schule, blieb im Dorf, heiratete und brachte ihren Sohn Juri zur Welt. Sie hat in der Kolchose gearbeitet. Sie war eher ruhig, flei\u00dfig, intelligent und hat sehr viel gelesen. Ihr Sohn arbeitet im Ausland (er hat 3 Kinder). Bis zu ihrem Tod wurde Eva von mir gepflegt. Eva wurde ihr ganzes Leben lang von niemandem unterst\u00fctzt. Sie hat sich sehr f\u00fcr ihre Geburtsstadt Guterschleich interessiert. Dar\u00fcber w\u00fcsste ich auch gerne etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin m\u00f6chte ich Ihnen noch von meinem Vater (Stiefvater von Eva) berichten. Er hie\u00df Sh. Ivan Gerassimovytsch und musste 5 Jahre seines Lebens in deutschen Konzentrationslagern verbringen. [&#8230;] Im November 1995 ist er verstorben und im Februar 1996 gab es Unterst\u00fctzung in Euro f\u00fcr ehemalige Kriegsgefangenen \u2013 er hatte also sein Geld nie erhalten. Er hatte ja sehr darauf gewartet. Das Geld hatte Deutschland an ihn geschickt, nur er war zu dem Zeitpunkt tot. Er hatte sehr darauf gewartet. [\u2026]<\/p>\n\n\n\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr alles, w\u00fcnsche Ihnen allen gesund zu bleiben und Gl\u00fcck sowie viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Ukrainischen Iryna Berndt<\/em><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Gebiet\u00a0 Chmelnyzkyj Eine Anmerkung: Der Vater der Briefschreiberin war als sowjetischer Kriegsgefangener zur Bestrafung nachweislich von 1943 -1945 in den KZs Mauthausen und Dachau.&nbsp; Die &#8220;Kompensation&#8221; sollte er als KZ-\u00dcberlebender erhalten. 1994 hatte die Bundesrepublik Deutschland&nbsp; 400 Mio. 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