{"id":4084,"date":"2021-03-04T18:45:34","date_gmt":"2021-03-04T17:45:34","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4084"},"modified":"2021-03-04T18:54:17","modified_gmt":"2021-03-04T17:54:17","slug":"ljubov-kondratyevna-m-freitagsbrief-nr-161","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/ljubov-kondratyevna-m-freitagsbrief-nr-161\/","title":{"rendered":"Ljubov Kondratyevna M. \u2013 Freitagsbrief Nr. 161"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Belarus, Gebeit Mogiljov<br>16.02.2021<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag, sehr geehrte Mitarbeiter der Stiftung!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen von Ljubov Kondratjevna M. schreibt ihre Schwiegertochter Tatjana Aleksejevna. Lubov Kondratjevna bedankt sich f\u00fcr die 300 Euro, die sie erhalten hat, und ist froh, dass sich im modernen Deutschland Menschen an diese fernen und schrecklichen Kriegsjahre erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Ihre Bitte hin werde ich ihre kurzen, unzusammenh\u00e4ngenden Erinnerungen aufschreiben:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir lebten im Dorf Zabudnjanskie Khutora, Gebiet Mogiljov. Mein Vater wurde an die Front eingezogen. Zu Beginn des Krieges bereiteten die Deutschen den sowjetischen Truppen Niederlagen und waren sehr schnell auf dem Vormarsch. Nach einiger Zeit kam mein Vater nach Hause. Seine Einheit war besiegt worden, um sie herum waren Deutsche, und die \u00dcberlebenden gingen nach Hause. Eines Tages verschleppten die Deutschen meine \u00e4ltere Schwester Olga, meinen Bruder Wolodja und meinen Vater zum Ausheben von Sch\u00fctzengr\u00e4ben in das Dorf Tschigirinka. Es war etwa 15 km von uns entfernt. Sie waren dort an verschiedenen Orten. Mein Vater sagte einem Deutschen, dass seine beiden Kinder hier seien und bat ihn, sie zusammen zu bringen. Der Deutsche setzte ihn in einen Wagen, sie fuhren los und nahmen die Kinder mit. So waren sie also zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war offenbar, als die Russen bereits auf dem Vormarsch waren. Vater wurde an die Front verlegt. Und die Kinder &#8211; ich wei\u00df nicht, woher sie den Wagen und das Pferd hatten, &#8211; kamen nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich, dass mein Vater einige Zeit sp\u00e4ter einen Brief schickte. Darin schrieb er, dass wir allein zurechtkommen m\u00fcssten, er werde uns keine Hilfe mehr sein. Er schrieb den Brief am 6., und am 7. erhielten wir die Todes-Benachrichtigung. Er war im Baltikum gefallen, in Litauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg war ich mit meinen Schwestern an dem Massengrab, in dem er beigesetzt ist. Einwohner berichteten, dass es einen heftigen Kampf gegeben hatte. Die Deutschen waren im Wald, und unsere Truppen griffen sie von einem Feld aus an. Das ganze Feld war mit get\u00f6teten sowjetischen Soldaten \u00fcbers\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Episode aus den Erinnerungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Dorf bestand aus zwei Siedlungen. Die Siedlung, in der wir wohnten, grenzte an einen Wald. Ein Anwohner ging zu den Deutschen und erz\u00e4hlte ihnen, dass Partisanen in unser Dorf kommen w\u00fcrden. Eines Tages flogen Flugzeuge heran. Wir rannten weg aus dem Dorf und versteckten uns im Geb\u00fcsch. Die Flugzeuge flogen sehr tief und neigten sich zur Seite. Sie \u00fcbergossen die H\u00e4user mit einer Fl\u00fcssigkeit, die sie in Brand setzte. Nur ein paar H\u00e4user im Dorf blieben stehen. Unser Haus brannte ab. F\u00fcr die erste Zeit nahm uns jemand auf.&nbsp;Dann wohnten wir in einer Scheune und schliefen auf Heu. Wir hatten die Kr\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erkrankte an Malaria. Ich wollte sehr gerne etwas essen und wenigstens ein bisschen Fleisch. Mein Bruder Wolodja fing einen kleinen Sperling. Es war ein V\u00f6gelchen von der Gr\u00f6\u00dfe einer Kinderfaust. Meine Mutter kochte es und gab es mir. Wolodja sa\u00df neben mir und bat mich, ihm etwas zu geben. Ich riss ein St\u00fcckchen ab und gab es ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Vier Kinder, die Mutter allein, Hunger, K\u00e4lte. Es war ein hartes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge Gott nicht zulassen, dass das noch einmal passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, <\/p>\n\n\n\n<p>Ljubov Kondratjevna M.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung Karin Ruppelt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus, Gebeit Mogiljov16.02.2021 Guten Tag, sehr geehrte Mitarbeiter der Stiftung! Im Namen von Ljubov Kondratjevna M. schreibt ihre Schwiegertochter Tatjana Aleksejevna. 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