{"id":4082,"date":"2021-02-26T12:35:00","date_gmt":"2021-02-26T11:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4082"},"modified":"2021-03-04T18:37:50","modified_gmt":"2021-03-04T17:37:50","slug":"nadeshda-romanowna-d-freitagsbrief-nr-160","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/nadeshda-romanowna-d-freitagsbrief-nr-160\/","title":{"rendered":"Nadeshda Romanowna D. \u2013 Freitagsbrief Nr. 160"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Belarus,\u00a0Gebiet Mogiljow<\/strong><br>5.02.2021<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Anmerkung zum Text: Es ist\u00a0 umstritten, ob es regelm\u00e4\u00dfige Blutspenden von Kindern f\u00fcr Wehrmachtsangeh\u00f6rige tats\u00e4chlich gab, da bis heute keine Belege daf\u00fcr gefunden wurden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dankbrief<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte mich bei Ihnen und den Menschen bedanken, die Geld f\u00fcr unsere verbrannten H\u00e4user und D\u00f6rfer gespendet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Deutschen unsere D\u00f6rfer und St\u00e4dte besetzten, verhielten sie sich furchtbar grob gegen\u00fcber unseren Leuten. Sie t\u00f6teten, vergewaltigten, verschleppten die M\u00e4dchen mit Gewalt nach Deutschland, einige (von ihnen) kehrten nie zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 1942 wurde auf die Denunziation des B\u00fcrgermeisters hin unsere Familie zur Erschie\u00dfung aufgestellt: mein Vater, drei meiner Br\u00fcder, die Schwester meines Vaters Kozakova M.I. ihr Mann, ihre Kinder und die n\u00e4chsten Nachbarn. Dank eines klugen und ehrlichen Dolmetschers blieben sie am Leben, aber als Geiseln bis zum ersten Schuss im Dorf. Doch mein Vater Korzunov R.I ging in derselben Nacht zusammen mit seinen S\u00f6hnen und seinen Br\u00fcdern zum Kirow-Partisanenregiment.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Haus wurde 1943 abgebrannt, die Schwester meines Vaters und ihr Mann wurden als Geiseln genommen, in die Stadt Bobrujsk verschleppt und erschossen. Und ihre Kinder, es waren vier, kamen ins Lazarett, wo man ihnen Blut abnahm f\u00fcr die verwundeten deutschen Piloten. Die Kinder haben nicht alle \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da unser Haus niedergebrannt war, musste meine Mutter mit mir in verschiedenen D\u00f6rfern umherziehen und uns vor den Deutschen verstecken. Mein Vater wurde verfolgt, weil er Kommunist war. Er hatte an der Erst\u00fcrmung des Winterpalais 1917 teilgenommen, k\u00e4mpfte im B\u00fcrgerkrieg, zerschlug die Banden des Ataman Krasnov. Danach organisierte er Kolchosen und war Kolchos-Vorsitzender, mit einem Wort, er war ein Aktivist. Mein \u00e4lterer Bruder war vor dem Krieg Lehrer und war Mitglied des Komsomol. Das ist der Grund, warum wir verfolgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Wei\u00dfrussland 1944 befreit wurde, kam mein Bruder an die Front, wo er einen Monat sp\u00e4ter, am 10. August, in Polen, im Dorf Stara \u0141ubianka [Pommern], fiel. Der Neffe meines Vaters kam im Mai 1945 in Berlin um. Vaters Eltern starben an Hunger, K\u00e4lte und Typhus. Ihr Haus wurde ebenfalls niedergebrannt, und sie versteckten sich auch vor den Deutschen. Zu dieser Zeit starben viele Menschen an Hunger und Typhus.<\/p>\n\n\n\n<p>In den D\u00f6rfern gab es nach dem Krieg keinen Ort zum Wohnen, wir gruben uns Unterst\u00e4nde und a\u00dfen Gras und Hirse, aus der wir Brot buken,<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg gab es fast keine M\u00e4nner mehr, und die Soldatenfrauen pfl\u00fcgten das Land allein, zogen den Pflug, weil es keine Pferde gab. Und noch dabei kamen Bewohner unseres Dorfes auf den Feldern der Kolchose um. Die Deutschen hatten dort beim R\u00fcckzug Minen hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist eine kurze Beschreibung unseres Lebens unter den Deutschen. Krieg &#8211; da gibt es nichts zu sagen. Die Deutschen, sie wurden auch gezwungen, in den Krieg zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entschuldigen Sie bitte diesen chaotischen Bericht \u00fcber das Leben unserer Familie und unserer Mitbewohner. Bitte verzeihen Sie mir auch meine Handschrift.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Wiedersehen<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Hochachtung vor Ihnen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>(Unterschrift)<\/p>\n\n\n\n<p>P.S. Von all meinen Verwandten bin ich die einzige, die noch \u00fcbrig ist. Ich bin bereits 81 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung Karin Ruppelt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus,\u00a0Gebiet Mogiljow5.02.2021 Eine Anmerkung zum Text: Es ist\u00a0 umstritten, ob es regelm\u00e4\u00dfige Blutspenden von Kindern f\u00fcr Wehrmachtsangeh\u00f6rige tats\u00e4chlich gab, da bis heute keine Belege daf\u00fcr gefunden wurden. Dankbrief Ich m\u00f6chte mich bei Ihnen und den Menschen bedanken, die Geld f\u00fcr unsere verbrannten H\u00e4user und D\u00f6rfer gespendet haben. 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