{"id":4079,"date":"2021-02-18T12:58:31","date_gmt":"2021-02-18T11:58:31","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4079"},"modified":"2021-02-18T12:58:33","modified_gmt":"2021-02-18T11:58:33","slug":"wera-nikolajewna-k-freitagsbrief-nr-159","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wera-nikolajewna-k-freitagsbrief-nr-159\/","title":{"rendered":"Wera Nikolajewna K. \u2013 Freitagsbrief Nr. 159"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Belarus, Gebiet Mogiljow<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Artikel aus der Zeitung&nbsp; Junge Seelen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Veteranenseite <br>Nr. 40, S. 3 2. Oktober 2020<\/p>\n\n\n\n<p>KINDER DES KRIEGES<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Geist stark bleiben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre m\u00f6gen vergangen sein seit der Zeit des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges, aber der Schmerz \u00fcber die Verluste, das Entsetzen und die schwere Nachkriegszeit bleiben als blutende Wunde in den Seelen der Menschen, denen dieses Ungl\u00fcck zugesto\u00dfen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wera Nikolajewna K.&nbsp; ist ein Kind des Krieges, sie erinnert sich an so gut wie nichts aus diesen schrecklichen Tagen, aber sie hat die Folgen in vollem Umfang gesp\u00fcrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wera Nikolajewna wurde 1940 im Dorf Melnik im Gebiet Belynich geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Es war ein gro\u00dfes Dorf. 32 H\u00f6fe im Wald. W\u00e4hrend des Krieges wurde es zweimal in Brand gesetzt. In unserer Familie gab es drei Kinder. Ich bin die J\u00fcngste und habe zwei Br\u00fcder.<\/p>\n\n\n\n<p>Wera K. erinnert sich deutlich an die Tr\u00e4nen ihrer Mutter, als diese die Nachricht vom Tod ihres Mannes an der Front erhielt. Aber wo er war und in welchem Jahr er umkam, wei\u00df Wera Nikolajewna immer noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ich erinnere mich, dass meine Mutter Pfannkuchen buk und Deutsche in unser Haus einbrachen, &#8211; f\u00e4hrt Wera Nikolajewna in ihren Erinnerungen fort. Es war noch nicht fertig gebaut, in der zweiten H\u00e4lfte fehlten die Deckenbretter. Die Deutschen stachen mit Bajonetten darein, weil sie dachten,&nbsp; dass sich die Partisanen dort verstecken k\u00f6nnten. Nachdem sie niemanden gefunden hatten, sind sie gegangen, nicht ohne unsere Pfannkuchen in die Schale mit Kartoffelschalen zu schmei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer kommen Wera Nikolajewna von Zeit zu Zeit Erinnerungen hoch an das Leben im Wald, in Unterst\u00e4nden. Aber mit wem sie dort war, wie lange, und wo ihre Br\u00fcder zu dieser Zeit waren, das wei\u00df Wera K. nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ich wei\u00df noch, wie man auf uns schoss, &#8211; erz\u00e4hlt Wera Nikolajewna. &#8211; Alle Bewohner wurden von den Deutschen in unser Haus gejagt,&nbsp;sie wollten es wahrscheinlich anz\u00fcnden. Rundherum war Wald, dort versteckten sich Partisanen, sie waren es, die uns vor dem unvermeidlichen Tod retteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wera Nikolajewna erfuhr am eigenen Leib die Verheerungen von Hunger, Zerst\u00f6rung und harter Arbeit. Aber wie man so sagt: Ein Ungl\u00fcck kommt nicht allein. Nach dem Krieg starb die Mutter von Wera Nikolajewna.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verwaisten Kinder suchten sich selbst etwas zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Unsere Nachbarin, Tante Lida, hatte eine Tochter, Tamara, die etwas j\u00fcnger war als ich. &#8211; sagt Wera Nikolajewna. &#8211; Ich habe manchmal nach ihr geschaut. Daf\u00fcr bekam ich dann eine Sch\u00fcssel Suppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald wurden Wera und ihr j\u00fcngerer Bruder im Waisenhaus in Mstislaw untergebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Der \u00e4ltere Bruder, er war fast vollj\u00e4hrig, wurde nicht in ein Waisenhaus geschickt, er blieb zur Arbeit in einer Kolchose. Vor dem Neujahrsfest wurden wir vom Bruder meines Vaters ins Waisenhaus gebracht. Zum Abendessen gab es einen Teller Suppe, in dem man die K\u00f6rnchen mit der Lupe suchen musste. Es war gut, dass der Onkel noch nicht gegangen war. Er hatte Speck und Brot dabei. Er hat uns gef\u00fcttert und den Rest des Essens dagelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss sechs Klassen im Waisenhaus besucht haben. Dort gab es viele Kinder, die in verschiedene Altersgruppen eingeteilt wurden. Ich erinnere mich gut an meine Erzieherin Wera Prokopjewna.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Entlassung bekommen wir Herbst- und Winterm\u00e4ntel und Schuhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder von Wera Nikolajewna wurde in einen Lehr-Betrieb gesteckt. Nach dem Abschluss ging er nach Leningrad.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sechzehnj\u00e4hrige Wera schickte man nach Mogilyow in die Wolodarski-Textilfabrik.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Sie gaben mir eine Nadel und einen Fingerhut und sagten mir, ich solle etwas mit der Hand stopfen. Ich begann zu n\u00e4hen, aber mein Fingerhut fiel immer wieder herunter. \u2013 erinnert sich Wera K. Die Meisterin sah das und sagte lachend, man m\u00fcsste mir noch den Fingerhut an den Finger anbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sechs Monate lang lernte Wera in der Fabrik, dann wurde sie N\u00e4herin Vierter Ordnung und arbeitete 27 Jahre in dieser Position.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihre gute Arbeit und die hohen Leistungen im Sozialistischen Wettbewerb erhielt Wera K. Ehrenurkunden und einen Eintrag ins Ehrenbuch der Fabrik. Ihr wurden die Titel \u201eVeteran der Fabrik\u201c und \u201eGewinner bei der Sozialistischen Arbeit 1973\u201c verliehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden musste sie den Arbeitsplatz wechseln und arbeitete ab 1983 im Betrieb Nr. 1 \u201eMogiljowchimwolokno\u201c f\u00fcr die\u00a0 Produktion von Synthetikfasern in verschiedenen Abteilungen. Nach zehnj\u00e4hriger Arbeit in unserer Fabrik ging Wera K. in die wohlverdiente Rente.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der gro\u00dfen Zahl von Pr\u00fcfungen auf ihrem Lebensweg erhielt sich Wera K. ihre Menschlichkeit und Gutm\u00fctigkeit. Heute ist sie schon Urgro\u00dfmutter und verschenkt all ihre W\u00e4rme und F\u00fcrsorge an den Urenkel.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung Karin Ruppelt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus, Gebiet Mogiljow Artikel aus der Zeitung&nbsp; Junge Seelen Die Veteranenseite Nr. 40, S. 3 2. Oktober 2020 KINDER DES KRIEGES Im Geist stark bleiben Viele Jahre m\u00f6gen vergangen sein seit der Zeit des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges, aber der Schmerz \u00fcber die Verluste, das Entsetzen und die schwere Nachkriegszeit bleiben als blutende Wunde in den&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-4079","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-briefe-der-ueberlebenden-verbrannter-doerfer-belarus"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"ru","enabled_languages":["de","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"post-thumbnail":false,"graphy-post-thumbnail-large":false,"graphy-post-thumbnail-medium":false,"graphy-post-thumbnail-small":false,"graphy-page-thumbnail":false},"uagb_author_info":{"display_name":"KS","author_link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/author\/kntktbrln999\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Belarus, Gebiet Mogiljow Artikel aus der Zeitung&nbsp; Junge Seelen Die Veteranenseite Nr. 40, S. 3 2. Oktober 2020 KINDER DES KRIEGES Im Geist stark bleiben Viele Jahre m\u00f6gen vergangen sein seit der Zeit des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges, aber der Schmerz \u00fcber die Verluste, das Entsetzen und die schwere Nachkriegszeit bleiben als blutende Wunde in den...","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4079","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4079"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4079\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4080,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4079\/revisions\/4080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}