{"id":4049,"date":"2020-12-18T17:39:00","date_gmt":"2020-12-18T16:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4049"},"modified":"2020-12-29T17:39:28","modified_gmt":"2020-12-29T16:39:28","slug":"iwanow-nikolaj-michajlowitsch-freitagsbrief-nr-153","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/iwanow-nikolaj-michajlowitsch-freitagsbrief-nr-153\/","title":{"rendered":"Iwanow Nikolaj Michajlowitsch \u2013 Freitagsbrief Nr. 153"},"content":{"rendered":"\n<p>Kaluga, Russland<br>28.01.2007<\/p>\n\n\n\n<p>[Es schreibt der Enkel Aleksander Sch.]<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrter Dr. Gottfried Eberle, sehr geehrte Dr. Hilde Schramm, sehr geehrter Eberhard Radczuweit und alle Mitglieder des Vereins \u201eKontakte\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Brief schreibt Ihnen der Enkel von Nikolaj Michajlowitsch Iwanow, Veteran des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges, dem Sie per Bank\u00fcberweisung eine humanit\u00e4re Hilfe in H\u00f6he von 300 Euro haben zukommen lassen. Leider kann Ihnen Nikolaj Michajlowitsch nicht selbst schreiben, da er schlecht sieht. Deshalb hat er mich gebeten, Ihnen zu antworten und Ihnen mitzuteilen, dass er Ihren Brief Nr. 41400 aus Berlin vom 23.9.2005 bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen so sp\u00e4t antworte. Nikolaj Michajlowitsch, seine Kinder, Enkel und weiteren Verwandten danken Ihnen sehr f\u00fcr Ihre Anteilnahme und Ihr Mitgef\u00fchl, und daf\u00fcr, dass Sie Ihre wertvolle Zeit daf\u00fcr verwenden, unsere Alten zu unterst\u00fctzen, die dem russischen Staat egal sind. Wir, Nikolaj Michajlowitschs Familie, haben mit ihm gesprochen und das Gespr\u00e4ch auf Video aufgezeichnet. Wir werden versuchen, Ihnen das Band als P\u00e4ckchen zu schicken. Meine Mutter, Ljudmila Iwanowna Schpilko, hat Nikolaj Michajlowitsch Ihren Brief vorgelesen. Als sie las, mussten beide weinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nikolaj Michajlowitsch w\u00e4hrend der Gefangenschaft im Lager Barkenbr\u00fcck [Stalag II H (302)Barkenbr\u00fcgge] war, verstand er sich gut mit einem Dolmetscher namens Zilke, er stammte aus Stuttgart, seine Adresse war Hausnummer 5; die Stra\u00dfe wei\u00df Nikolaj Michajlowitsch leider nicht mehr. Zilke war damals etwa 60 Jahre alt, vor dem Krieg diente er in der N\u00e4he von Kaluga in Russland. Au\u00dferdem kann sich Nikolaj Michajlowitsch noch an Westfalenhof erinnern, Ridritz [Rederitz\/Pommern], an verlassene D\u00f6rfer und an den Ort Wangarin [Wangerin\/Pommern]. Er hat vom Leiter des Lagers Barkenbr\u00fcck erz\u00e4hlt, Feldwebel Rehl. Rehl bat ihn, sein Fahrrad zu reparieren, was Nikolaj Michajlowitsch nicht schwer fiel. Danach bat ihn Rehl, eine N\u00e4hmaschine zu reparieren. Auch dies schaffte Nikolaj Michajlowitsch ohne Probleme. Das gefiel Rehl so gut, dass er Nikolaj Michajlowitsch bat, eine Brigade von M\u00e4nnern zusammenzustellen, die handwerklich genauso geschickt waren wie er und die Rehl unter die Arme greifen sollten, sie sollten z.B. Schl\u00f6sser und einfache Ger\u00e4te reparieren, Kleidung und Schuhe flicken. Als Gegenleistung bekamen sie von ihm zus\u00e4tzliches Essen, Kleidung und Schuhe. Wenn diese Menschen noch am Leben w\u00e4ren, w\u00fcrde Nikolaj Michajlowitsch sie sehr gerne treffen, aber solche Wunder gibt es leider auf der Erde nicht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter, Ljudmila Iwanowna Sch., Jahrgang 1934, war w\u00e4hrend der Besatzung in Belew im Gebiet Tula. Bei ihrer Familie waren deutsche Soldaten untergebracht, die die kleine Ljusja und ihre Familie gut behandelten. Sie gaben ihnen von ihrer bescheidenen Soldatenration ab und zu Feiertagen schenkten sie Spielsachen, Schokolade und andere S\u00fc\u00dfigkeiten. Meine Mutter hat bis heute die Geschenke der deutschen Soldaten sorgf\u00e4ltig aufbewahrt: einen gr\u00fcnen Weihnachtsbaum aus Karton zum Aufstellen, mit Schnee aus Glitter, und eine Darstellung der Heiligen drei K\u00f6nige, die mit Geschenken zum Jesuskind ziehen, ebenfalls aus Karton zum Aufstellen. Ich bin jetzt 47 Jahre alt, aber ich wei\u00df noch wie heute, wie ich mit sieben Jahren zum ersten Mal diesen wunderbaren Weihnachtsbaum aus Deutschland gesehen habe und wie ich ihn ablecken wollte, da ich dachte, dass der Schnee auf dem Weihnachtsbaum echt sei und gut schmecken w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mutter ist jetzt in Rente, aber als sie als Russischlehrerin in der Schule gearbeitet hat, hat sie ihren Sch\u00fclern immer diese Geschenke aus Deutschland gezeigt, die die Freundschaft zwischen den einfachen Menschen verschiedener L\u00e4nder symbolisieren. Jedes Jahr, wenn wir Weihnachten feiern, legt Mutter diese Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Nun w\u00fcrde sie diese Relikte gerne Ihrem Verein vermachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Erfolg und mit den besten W\u00fcnschen,<\/p>\n\n\n\n<p>Aleksandr Sch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaluga, Russland28.01.2007 [Es schreibt der Enkel Aleksander Sch.] Sehr geehrter Dr. Gottfried Eberle, sehr geehrte Dr. Hilde Schramm, sehr geehrter Eberhard Radczuweit und alle Mitglieder des Vereins \u201eKontakte\u201c! 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