{"id":4009,"date":"2020-11-12T19:07:07","date_gmt":"2020-11-12T18:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=4009"},"modified":"2020-11-12T19:12:17","modified_gmt":"2020-11-12T18:12:17","slug":"iwan-wasiljewitsch-djakow-freitagsbrief-nr-149","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/iwan-wasiljewitsch-djakow-freitagsbrief-nr-149\/","title":{"rendered":"Iwan Wasiljewitsch Djakow \u2013 Freitagsbrief Nr. 149"},"content":{"rendered":"\n<p>Ukraine, Gebiet Kirowograd<br>2008<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Dr. Hilde Schramm, sehr geehrter Eberhard Radczuweit,<\/p>\n\n\n\n<p>Ihren Brief aus Berlin vom 27.12.2007 habe ich am 4.1.2008 erhalten. Ihr Brief ist menschlich und aufrichtig geschrieben, er verurteilt das Nazi-Regime und ruft die V\u00f6lker zu Frieden und Freundschaft auf. Ich bin begeistert von Ihrem Brief.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Freude teile ich Ihnen mit, dass ich die 300 Euro schon bekommen habe, am 4.1.2008, und ich bin Ihnen daf\u00fcr aufrichtig dankbar &#8211; Ihnen, Ihrem Verein und allen B\u00fcrgern f\u00fcr Ihre Spenden und die Anerkennung des Leids, das das Naziregime uns zugef\u00fcgt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich geriet am 18.7.1941, als wir von deutschen Truppen eingekesselt waren, zweifach verwundet und mit Gehirnersch\u00fctterung in deutsche Gefangenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum Fr\u00fchjahr 1942 war ich in einem Lager f\u00fcr Kriegsgefangene in Budaschty in Rum\u00e4nien. Die kriegsgefangenen Offiziere waren in zwei Baracken untergebracht, getrennt von den Soldaten. Wir schliefen auf Holzpritschen, als Bettzeug diente uns Stroh, von dem gegen Fr\u00fchjahr nur noch Spreu \u00fcbrig war. Es gab \u00fcberall L\u00e4use, mit denen wir uns jeden Tag herumschlugen. Zu Essen gab es zweimal am Tag eine Ersatzsuppe und 1000g Ersatzbrot f\u00fcr acht Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir konnten uns im Lager weder waschen noch bekamen wir neue Kleidung. Das Lager wurde von deutschen Soldaten bewacht. Es waren dort 14000 Gefangene, von denen 7000 an Hunger und K\u00e4lte gestorben sind. Das sogenannte Begr\u00e4bniskommando bestand aus 30 Mann. Die Toten wurden auf Handkarren weggebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1942 wurden wir, die kriegsgefangenen Offiziere, ins sogenannte Waschhaus gebracht und zum Desinfizieren, dann brachten sie uns in ein Konzentrationslager in Hammelburg [Stalag XIIIB], wo wir nach drei Wochen andere Kleidung bekamen, gebrauchte Uniformen mit der Aufschrift SU auf dem R\u00fccken, und am linken Handgelenk trugen wir ein Schildchen mit unserer Nummer. Als Schuhe bekamen wir Holzpantinen. Dann brachten sie uns in ein Lager f\u00fcr Kriegsgefangene in Regensburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort arbeiteten wir drei Jahre lang in einem gro\u00dfen Betrieb. Ich arbeitete im Werk Nummer 6. Bewacht wurden wir von Soldaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Mai [April?] 1945 holten sie uns aus dem Lager und f\u00fchrten uns irgendwohin, wohin, wussten wir nicht. Am ersten Mai wurden wir in Dintscholdintsch [Dingolfing?] an der Isar von amerikanischen Soldaten befreit. Zwei Wochen sp\u00e4ter brachten uns die Amerikaner nach Tschechien, wo die sowjetischen Truppen stationiert waren. Ich durchlief die \u00dcberpr\u00fcfung und wurde dann aufgrund der Truppenverminderung in der sowjetischen Armee aus dem Armeedienst entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe am Institut f\u00fcr Wirtschaftwissenschaften in Moskau studiert und 25 Jahre lang beim Bau eines neues Kohlenbeckens in der Westukraine gearbeitet. Die Entscheidung Ihrer Regierung, den ehemaligen Kriegsgefangenen keine Entsch\u00e4digungszahlungen zuzugestehen, verwundert mich, um so mehr, da Sie als Kanzlerin eine Frau haben, die ich als Kanzlerin gut finde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich zum Beispiel habe ganze drei Jahre in Deutschland gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re in K\u00fcrze alles \u00fcber mein Leben in der Gefangenschaft und danach.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00f6chte ich Ihnen, Dr. Hilde Schramm, Eberhard Radzuweit und Ihrem Kollektiv ein Frohes Neues Jahr 2008 w\u00fcnschen, beste Gesundheit, Gl\u00fcck, Frieden, Freundschaft, ein langes Leben und alles erdenklich Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn alle so w\u00e4ren wie Sie und Ihr Kollektiv, dann w\u00fcrden alle Menschen auf Erden in Wohlstand und Gl\u00fcck leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<\/p>\n\n\n\n<p>I. W. Djakow<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Russischen von Valerie Engler<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Gebiet Kirowograd2008 Sehr geehrte Dr. Hilde Schramm, sehr geehrter Eberhard Radczuweit, Ihren Brief aus Berlin vom 27.12.2007 habe ich am 4.1.2008 erhalten. Ihr Brief ist menschlich und aufrichtig geschrieben, er verurteilt das Nazi-Regime und ruft die V\u00f6lker zu Frieden und Freundschaft auf. Ich bin begeistert von Ihrem Brief. 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