{"id":3911,"date":"2020-08-31T14:14:52","date_gmt":"2020-08-31T12:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=3911"},"modified":"2020-08-31T14:14:53","modified_gmt":"2020-08-31T12:14:53","slug":"inessa-petrowna-sch-freitagsbrief-nr-139","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/inessa-petrowna-sch-freitagsbrief-nr-139\/","title":{"rendered":"Inessa Petrowna Sch. \u2013 Freitagsbrief Nr. 139"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ukraine, Charkiw<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An den Leiter des gemeinn\u00fctzigen Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI<br>Herrn Eberhard Radczuweit<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnerungen an die Kindheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1941 besetzten deutsche Truppen Charkiw, die Stadt, in der ich am 20. M\u00e4rz 1935 geboren war und mit meinen Eltern lebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich nach der Okkupation konnten viele aus Charkiw fliehen, aber unsere Familie hatte es nicht mehr geschafft. Die Besatzer brachen in die Wohnungen ein, nahmen alles mit und schikanierten die Menschen, vor allem diejenigen j\u00fcdischer Herkunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald wurde ein Erlass ver\u00f6ffentlicht, der die gesamte j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung dazu aufforderte, sich an einem bestimmten Ort in der N\u00e4he der Traktorfabrik zu versammeln. Meine Mutter Krakower Paschet Semjonowna brachte mich zu russischen Bekannten, sie selbst war gezwungen, sich zu diesem Sammelpunkt zu begeben und wurde bald darauf mit sechzehntausend anderen Juden im Drobizkij Jar erschossen. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt an der Front, wo er bald starb. Pl\u00f6tzlich bekamen die Deutschen durch die Anzeige eines Polizai mit, dass in unserem Haus ein j\u00fcdisches M\u00e4dchen lebte. Ich wurde sofort ins Kinderheim gebracht. Dort lebte ich bis 1944. Es gab viele kranke, ausgemergelte Kinder. Es herrschten Hunger, K\u00e4lte, Schmutz, L\u00e4use, Kr\u00e4tze, unhygienische Verh\u00e4ltnisse. Wenn es \u00fcberall um uns herum brannte, explodierte, wurden wir Kinder in den Keller gescheucht, bekamen jeder einen Zwieback und einen Schluck Wasser. Meine Beine faulten von der Kr\u00e4tze bis auf die Knochen. Ich habe wie durch ein Wunder \u00fcberlebt, denn j\u00fcdische Kinder wurden von den SS-M\u00e4nnern vernichtet. 1944 fand mich meine Tante und nahm mich mit nach Berdsk im Gebiet Nowosibirsk. Bald kehrten wir wieder nach Charkiw zur\u00fcck, wo wir jahrelang durch Keller und Dachb\u00f6den irrten. Mein Haus war vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Strapazen gingen nicht spurlos vor\u00fcber. Heute leide ich an einer ganzen Reihe chronischer Krankheiten. &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen von Herzen eine gute Gesundheit und Erfolg bei Ihrer wohlt\u00e4tigen Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In tiefer Achtung<\/p>\n\n\n\n<p>Sch. I. P.<\/p>\n\n\n\n<p>4. April 2015<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Russischen von Jennie Seitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Charkiw An den Leiter des gemeinn\u00fctzigen Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbIHerrn Eberhard Radczuweit Erinnerungen an die Kindheit. Im Herbst 1941 besetzten deutsche Truppen Charkiw, die Stadt, in der ich am 20. M\u00e4rz 1935 geboren war und mit meinen Eltern lebte. 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