{"id":3877,"date":"2020-07-03T13:16:44","date_gmt":"2020-07-03T11:16:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=3877"},"modified":"2020-09-25T12:49:53","modified_gmt":"2020-09-25T10:49:53","slug":"pawel-anisimowitsch-bilyk-freitagsbrief-nr-131","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/pawel-anisimowitsch-bilyk-freitagsbrief-nr-131\/","title":{"rendered":"Pawel Anisimowitsch Bilyk \u2013 Freitagsbrief Nr. 131"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ukraine, Gebiet Dnepropetrowsk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich, Pawel Anisimowitsch Bilyk, wurde am 24. Juni 1921 in der Siedlung Zaritschanka im Gebiet Dnepropetrowsk geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kriegsbeginn erlebte ich als Angeh\u00f6riger der Roten Flotte auf der Halbinsel Hanko, wo wir in einer Marinebasis stationiert waren. Deren Kommandant war General Kabanow. W\u00e4hrend der Evakuierung des Standorts nach Kronstadt befand ich mich auf dem Schiff \u201eI. Stalin\u201c, welches in der Nacht vom 02. zum 03. Dezember 1941 von Minen zerst\u00f6rt und von unserem Konvoi zur\u00fcckgelassen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen des 05. Dezember 1941 kamen deutsche Motorboote und Minensucher. Unter der Gefahr erschossen zu werden, wurden wir durch die deutschen Matrosen entwaffnet und gerieten in Gefangenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Man brachte uns nach Tallinn, wo meine Kameraden und ich uns in einem Hauskeller im Handelshafen wiederfanden. An diesem Abend erfolgte die Registrierung \u2013 \u00e4ltere Esten fragten uns nach dem Vor- und Nachnamen, von welchem Wehrkommissariat ich einberufen wurde und in welchen Einheiten ich gedient hatte. Am zweiten Tag brachte man uns in die Jekaterinen-Kasernen und nach weiteren zehn bis f\u00fcnfzehn Tagen wurden wir mit dem Zug in ein Kriegsgefangenenlager am Rande der Stadt Kohtla J\u00e4rvi in Estland transportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit den anderen arbeitete ich in einem Schieferbergwerk. Die Arbeitsnorm betrug zwei Loren pro Mann, samstags eine, der Sonntag war arbeitsfrei. An den F\u00fc\u00dfen trugen wir Holzschuhe, beim Einfahren in die Grube bekamen wir Gummigaloschen und Karbidlampen. In der Grube arbeiteten wir mit Esten zusammen, die Gesteinsbohrungen und \u2013sprengungen vornahmen, die Loks bedienten und die Arbeit der Gefangenen beaufsichtigten. Spitzhacke und Spaten \u2013 das war unsere Sache. Die Norm versuchten wir schon deshalb zu erf\u00fcllen, weil wir f\u00fcrchteten, in ein anderes Lager in der Stadt Tapo zu kommen, welches kein Arbeitslager war. (Das war gleichbedeutend mit dem Tod.) Dorthin wurden regelm\u00e4\u00dfig sonntags die nicht Arbeitsf\u00e4higen geschickt. An besondere Ausf\u00e4lligkeiten oder Gewalttaten der deutschen Bewacher kann ich mich nicht entsinnen. Aus der gesamten Zeit ist mir nur eine \u00f6ffentliche Erschie\u00dfung eines Kameraden wegen seines Fluchtversuchs aus dem Lager im Ged\u00e4chtnis geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang 1944 brachte man uns in Eisenbahnwaggons in einen mir unbekannten Hafen (es war nicht Tallinn), verlud uns dort auf ein Transportschiff und brachte uns in den Danziger Hafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei bis drei Tagen wurden wir wieder in Waggons verladen und in eine andere Stadt gebracht. (Den Namen wei\u00df ich nicht mehr) Nachdem wir ausgestiegen waren, mussten wir eine Marschkolonne bilden und wir liefen drei Tage lang. Wir kamen an den Rand einer Stadt (vielleicht Leipzig) und wurden dort f\u00fcr Be- und Entladearbeiten eingesetzt. Meistens handelte es sich bei der Ladung um Schotter und Sand, der mit Eisenbahnwagen geliefert wurde. In dieser Region wurde ein Bauwerk errichtet (vielleicht ein Bunker). Neben uns arbeiteten dort auch Ostarbeiter, aber wir hatten zu ihnen keinen Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im September 1944 fl\u00fcchteten mein Kamerad Wassili Rjabtschenko und ich. Wir versteckten uns in Kellern, Scheunen und auf Dachb\u00f6den, bis wir nach zwei bis drei Wochen die Unsrigen erreichten. Nach der Sonder\u00fcberpr\u00fcfung im Filtrationslager wurde ich dem 335. Gardesch\u00fctzenregiment der 117. Gardesch\u00fctzendivision der 13. Armee zugeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>26. Mai 2005 P. Bilyk<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Rechte der deutschen \u00dcbersetzung liegen bei KONTAKTE-\u041a\u041e\u041d\u0422\u0410\u041a\u0422\u042b. Die Briefe von \u201avergessenen\u2018 NS-Opfern d\u00fcrfen f\u00fcr nicht-kommerzielle Bildungszwecke, wie Lehre, Wissenschaft und Forschung genutzt werden. Keiner der Inhalte darf ver\u00e4ndert oder modifiziert werden. Bei der Nutzung und der Ver\u00f6ffentlichung ist die Angabe \u201eAus dem Archiv vom KONTAKTE-\u041a\u041e\u041d\u0422\u0410\u041a\u0422\u042b e. V.\u201c erforderlich. Wir bitten um eine schriftliche Anfrage an info@kontakte-kontakty.de.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Gebiet Dnepropetrowsk Ich, Pawel Anisimowitsch Bilyk, wurde am 24. Juni 1921 in der Siedlung Zaritschanka im Gebiet Dnepropetrowsk geboren. Den Kriegsbeginn erlebte ich als Angeh\u00f6riger der Roten Flotte auf der Halbinsel Hanko, wo wir in einer Marinebasis stationiert waren. Deren Kommandant war General Kabanow. 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