{"id":3875,"date":"2017-07-14T17:21:00","date_gmt":"2017-07-14T15:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=3875"},"modified":"2020-06-30T17:21:50","modified_gmt":"2020-06-30T15:21:50","slug":"laryssa-adamowna-l-freitagsbrief-nr-55","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/laryssa-adamowna-l-freitagsbrief-nr-55\/","title":{"rendered":"Laryssa Adamowna L. \u2013 Freitagsbrief Nr. 55"},"content":{"rendered":"\n<p>Belarus, Gebiet Witebsk<\/p>\n\n\n\n<p>18.03.2017<\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag, sehr geehrte Mitarbeiter und Unterst\u00fctzer von KONTAKTE, Ihnen schreibt Jossif Kvatsch. Ich bin Sozialarbeiter, helfe \u00e4lteren Menschen bei der Bew\u00e4ltigung des Alltags. Unter ihnen sind auch solche, die in den verbrannten D\u00f6rfern lebten. Ich schreibe das alles auf. Und wenn Menschen Geldleistungen und Briefe von Ihrem Verein erhalten, werde ich gebeten Antworten zu schreiben. Und alle sind angetan von Ihrem Handeln und dankbar. Ihre Arbeit und das Handeln all derer, die Gelder spendeten f\u00fcr diese Aktion, ist Beweis daf\u00fcr, welch gute und aufmerksame Menschen es in Deutschland gibt. Schon soviel Zeit ist vergangen &#8211; doch sie wollen Vergebung f\u00fcr die Taten ihrer V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter. Ihre Privatinitiative zeigt zum wiederholten Mal, dass die einfachen Leute gr\u00f6\u00dfer sind als die Machtanspr\u00fcche der Staatsoberh\u00e4upter \u2013 wie auch bei uns. Ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n im Namen aller meiner Sch\u00fctzlinge!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Laryssa Adamowna L. Erinnerungen an den Krieg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am 2. Juli 1935 im Dorf Rymki. Die Mutter war 20 Jahre j\u00fcnger als der Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie arbeiteten auf ihrem Grund und Boden und auf einem Landst\u00fcck, das der Vater gepachtet hatte. Sie hatten 4 K\u00fche, ein Pferd, eine Dreschmaschine, Korn u.v.a.m.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Krieges gab es in den W\u00e4ldern viele so genannte Partisanen, die zum gr\u00f6\u00dften Teil Banditen waren, den Leuten Lebensmittel, Kleidung und Geld wegnahmen und auch mordeten. Auch der Onkel Mikalaj Raytschonak war bei den Partisanen. Er wohnte auf der anderen Seite des Flusses. Unweit in der Nachbarschaft gab es noch einen Namensvetter. Und einmal, es war um die Zeit des [orthodoxen -d.\u00dc.] Kirchenfeiertags Mari\u00e4 Schutz und F\u00fcrbitte (14. Oktober) 1942 (?), da rief sie der Nachbar, der im Speicher gerade ein sch\u00f6nes St\u00fcck Schinken abgeschnitten und sie damit bewirtet hatte. Als sie aus dem Haus heraustraten sahen sie, dass sich aus Richtung Stachowskija eine Reihe feindlicher Soldaten [bzw. Kolloborateure -d.\u00dc] mit gl\u00e4nzenden Stahlhelmen n\u00e4herte, direkt auf unsere H\u00e4user zu, wo nebenan Mikalaj Raytschonak wohnte \u2013 jedoch nicht der, der bei den Partisanen war. Sie begannen sofort mit dem Anz\u00fcnden, steckten ihre Fackeln in die Strohd\u00e4cher. Die Mutter backte gerade Brot, brachte es nach drau\u00dfen, denn es hatte Feuer gefangen. Die Einwohner wurden auf Fuhrwerken gesammelt und ins Ghetto Warapajewo gebracht, einige konnten weglaufen, darunter auch Adamok (ihr Vater). Er konnte sich zum Wald durchschlagen. Der kleinen Laryssa gelang es dem Vater zu folgen. Als die Mutter bemerkte, dass das Haus brannte, lief sie herbei und suchte die Kleine \u2013 vielleicht war sie noch im Haus oder im Stall, vielleicht w\u00fcrde sie das Weinen h\u00f6ren? Aber alles war umsonst.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der Soldaten, ein Ukrainer, zeigte, wohin die Kleine gelaufen war. Der Vater lief nicht schnell genug, sie holten ihn ein, legten die Maschinenpistole an und schossen. Er fiel um, lag dann ganz ruhig. Laryssa sah die Soldaten, spannte das Pferd um, schlug mit dem Holzhammer auf Holz (um den Eindruck erwecken, dass sie nicht weglaufen will). Sie r\u00fchrten die Kleine nicht an. Dann fand sich auch die Mutter ein (einer der Soldaten hatte gezeigt, wohin die Kleine gelaufen war.) Sie schlugen sich durch zum Dorf Wasjuki, manche fuhren mit Fuhrwerken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Fl\u00fcsschen Galbjaiza gab es keine Br\u00fccke, die Mutter setzte das Kind auf die Schultern und watete durch das Wasser, das ihr bis an die Brust reichte.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wasjuki wohnten entfernte Verwandte v\u00e4terlicherseits, Lidsja und Walodsja Labatyja. Am Morgen ging die Mutter zu den Brandst\u00e4tten und fand dort den Vater, verbrannt. Sie nahm alles mit, was noch \u00fcbrig geblieben war, die junge Stute, die Kuh. Sie wollte nicht am fremden Tisch ausharren, n\u00e4hte gro\u00dfe Beutel und ging mit der Kleinen durch die D\u00f6rfer und bettelte. Die Leute sahen sie und weinten, sagten, sie solle nicht weitergehen, man w\u00fcrde sie aufnehmen. Man gab ihnen zu essen, auch Saatgut und Kartoffeln. Als es w\u00e4rmer wurde, zogen sie nach Rymki. Aus Brandresten bauten sie um einen Ofen herum eine H\u00fctte und \u00fcberwinterten so. Sie hungerten, sammelten Sauerampfersamen, aus denen die Mutter Bliny backte und Suppe kochte. Gut war es, wenn man sie mit etwas aufbessern konnte. Wenn der Weizen reif war, rissen sie die \u00c4hren ab &#8230; und backten daraus Bliny. Welch Leckerbissen! So die Erinnerungen von Gro\u00dfmutter Laryssa \u2013 Geschichten, die von den Leiden und den Schicksalsschl\u00e4gen des Krieges berichten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcbersetzung aus der belorussischen Sprache, Sibylle Albrecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belarus, Gebiet Witebsk 18.03.2017 Guten Tag, sehr geehrte Mitarbeiter und Unterst\u00fctzer von KONTAKTE, Ihnen schreibt Jossif Kvatsch. Ich bin Sozialarbeiter, helfe \u00e4lteren Menschen bei der Bew\u00e4ltigung des Alltags. Unter ihnen sind auch solche, die in den verbrannten D\u00f6rfern lebten. Ich schreibe das alles auf. 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