{"id":3873,"date":"2017-07-21T17:17:00","date_gmt":"2017-07-21T15:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=3873"},"modified":"2020-06-30T17:17:59","modified_gmt":"2020-06-30T15:17:59","slug":"alwian-wiktorowitsch-ch-freitagsbrief-nr-56","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/alwian-wiktorowitsch-ch-freitagsbrief-nr-56\/","title":{"rendered":"Alwian Wiktorowitsch Ch. \u2013 Freitagsbrief Nr. 56"},"content":{"rendered":"\n<p>Ukraine, Kiew<\/p>\n\n\n\n<p>11.12.2017<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Freunde in Deutschland! Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie die Erinnerung an den Holocaust aufrechterhalten, f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit den Menschen gegen\u00fcber, die jener riesigen und ungeheuren Trag\u00f6die zum Opfer gefallen sind, und f\u00fcr die moralische und materielle Hilfe, die Sie diesen Menschen zukommen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie alle, die vom Holocaust betroffen waren, hat auch meine Familie Schreckliches erlebt. Ein Teil (acht Menschen) sind an der Front gefallen, andere sind in besetzten Gebieten gestorben. Einige wenige, einschlie\u00dflich mir und meiner Familie, haben trotz harter Pr\u00fcfungen \u00fcberlebt. Die Erinnerungen daran sind schwer und schmerzhaft&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Leider konnten der Antisemitismus und der faschistische Nazismus bis zum heutigen Tage nicht ausgerottet werden und werden in einer Reihe von L\u00e4ndern wieder sichtbar, darunter auch in Westeuropa. Deutschland ist da keine Ausnahme. &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 1941, als die deutschen Truppen heimt\u00fcckisch mein Heimatland \u00fcberfielen, war ich nicht ganz vier Jahre alt. Obgleich ich die unten geschilderten Ereignisse unmittelbar miterlebt habe, habe ich sie erst als Jugendlicher in allen Details begreifen k\u00f6nnen \u2013 aus den Erz\u00e4hlungen der \u00e4lteren Familienmitglieder und sp\u00e4ter, im Erwachsenenalter, mithilfe von Treffen mit den edlen und mutigen Menschen, die uns damals das Leben gerettet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beginn der Kriegshandlungen des nationalsozialistischen Deutschland auf dem Gebiet der UdSSR ereilte unsere Familie in der Stadt Klessow, Oblast Rowno. Mein Vater \u2013 ein Offizier der Sowjetarmee \u2013 war in der Nacht zum 22. Juni 1941 in seiner Einheit im Dienst und kam nicht mehr nach Hause zur\u00fcck. Am 24. Juni wurde unser Haus bei einem deutschen Luftangriff durch eine Bombe zerst\u00f6rt. Meine Mutter und wir vier Kinder \u2013 mein \u00e4ltester Bruder war 13, die j\u00fcngste Schwester 2,5 Monate \u2013 haben nur \u00fcberlebt, weil wir uns bei Beginn des Angriffs in dem tiefen Erdbunker ganz hinten im Garten versteckt hatten. Unsere betagte Gro\u00dfmutter m\u00fctterlicherseits, Rajsberg Brucha Zeligkowna, hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Dorf Polonnoje der Oblast Chmelnizkij auf. Im Wissen, dass der j\u00fcdischen Familie eines Frontk\u00e4mpfers und Offiziers der Sowjetarmee im besetzten Gebiet der Tod drohte, sah sich meine Mutter gezwungen, in Richtung Osten zu fliehen, doch zuvor musste sie ihre Mutter aus Polonnoje holen, was sich als schwierige und lebensgef\u00e4hrliche Aufgabe herausstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit leeren H\u00e4nden \u2013 alle unsere Habseligkeiten waren zusammen mit dem Haus zerst\u00f6rt worden \u2013 zog unsere Mutter mit uns Kindern, meist nachts, durch W\u00e4lder und Felder, in Richtung Polonnoje. Tags hielten wir uns im Geh\u00f6lz in Wassern\u00e4he versteckt. Die Menschen in den D\u00f6rfern versorgten uns mit Essen, Kleidung und Stofffetzen zum Wickeln, halfen meiner Mutter, das Baby zu waschen und die Windeln zu wechseln. Damals zeigten viele Menschen Mitleid und Hilfsbereitschaft, im Bewusstsein der gro\u00dfen gemeinsamen Trag\u00f6die und der Verachtung dem Feind gegen\u00fcber, der unser Land hinterh\u00e4ltig \u00fcberfallen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Flieger warfen Bomben ab, \u00fcber Stra\u00dfen, Eisenbahnlinien und Bahnh\u00f6fen. Erschossen mit besonderem Sadismus auf Feldern und Stra\u00dfen Menschen, die sich vor der schnell n\u00e4her kommenden Gefahr zu retten versuchten. Das Dr\u00f6hnen der Triebwerke, das Pfeifen der fallenden Bomben, das Ger\u00e4usch der Gewehrsalven, die die Flieger in die auseinander stiebenden Menschen abfeuerten, das Schreien der Verwundeten und Weinen \u00fcber den K\u00f6rpern der Toten nach den Luftangriffen, das Gef\u00fchl der eigenen Ohnmacht vor der Armada der bis auf die Z\u00e4hne bewaffneten deutschen Truppen, die \u00fcber uns hergefallen sind \u2013 das alles sehe ich immer noch regelm\u00e4\u00dfig im Traum vor mir. W\u00e4hrend ich dies f\u00fcr Sie aufschreibe, durchlebe ich jene schrecklichen Ereignisse von vor 76 Jahren noch einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir schafften es nicht nach Polonnoje, bevor die deutschen Truppen es am 5. Juli okkupierten. Meine kleine drei Monate alte Schwester erkrankte aufgrund der schlechten Ern\u00e4hrung und der Unterk\u00fchlung. Wir blieben im Dorf Poninka h\u00e4ngen, das ebenfalls schon okkupiert war. Eine Frau nahm uns bei sich zu Hause auf, Jekaterina Shmak, sie stellte uns allen als Verwandte vor \u2013 Fl\u00fcchtlinge, die ihr Haus und ihre Papiere in Klessow verloren h\u00e4tten. Zu unserem Gl\u00fcck konnte man von unserem \u00c4u\u00dferen nicht auf unsere Nationalit\u00e4t schlie\u00dfen. Meine Mutter und meine beiden \u00e4lteren Geschwister halfen Jekaterina Shmak im Haushalt, wir lebten zusammen wie eine Familie. Wahrscheinlich lie\u00dfen uns die deutschen Soldaten und die Polizai aus diesem Grund zun\u00e4chst in Ruhe \u2013 sie glaubten ihren Worten. Zusammen mit ihrer Freundin Ljudmila Wojnarowskaja half Jekaterina Shmak meiner Mutter, meine kleine Schwester mithilfe von Kr\u00e4uteraufg\u00fcssen gesund zu pflegen. Beide teilten ihr Essen und ihre Kleidung mit uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Als man anfing, Dorfbewohner und Fl\u00fcchtlinge neu zu registrieren und nach Angeh\u00f6rigen der Roten Armee und Menschen j\u00fcdischer Nationalit\u00e4t zu suchen, versteckten Jekaterina Shmak und Ljudmila Wojnarowskaja uns abwechselnd in ihren Kellern, um uns und ihre Familien nicht in Gefahr zu bringen. Als die Polizai auf unser Verschwinden aufmerksam wurden, erz\u00e4hlte Jekaterina Shmak, dass uns ein anderer gemeinsamer Verwandter in seinem gr\u00f6\u00dferen Haus in Polonnoje aufgenommen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem einen Keller in den anderen wechselten wir nachts. Damit das Baby uns nicht verriet und zwischen den Mahlzeiten schlief, bekam es ges\u00fc\u00dften Kr\u00e4utertee zu trinken. Als meine kleine Schwester Anfang August endlich gesund wurde, ging unsere Mutter nachts zu Fu\u00df nach Polonnoje, was mehrere Tagesm\u00e4rsche entfernt lag, um nach unserer Gro\u00dfmutter zu sehen und sie mitzunehmen, falls sie \u00fcberhaupt noch am Leben w\u00e4re. Zum Gl\u00fcck war sie es. Als die Deutschen im Dorf einfielen, versteckte sie die Tochter ihrer Nachbarin in ihrem Keller, womit sie ihr eigenes Leben riskierte. Sie kannte den entschlossenen Charakter meiner Mutter und hoffte, dass diese einen Weg finden w\u00fcrde, unsere 65-j\u00e4hrige Gro\u00dfmutter zu holen. Und sie behielt Recht. Genau wie unsere Mutter war auch Gro\u00dfmutter eine wohlerzogene, umg\u00e4ngliche Frau, die schnell Freundschaften schloss und dadurch immer auf Hilfsbereitschaft z\u00e4hlen konnte. Das hat unserer Familie in vielen schwierigen Momenten das Leben gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei Tagen kehrte meine Mutter gemeinsam mit meiner Gro\u00dfmutter zur\u00fcck nach Poninka, wo uns allen eine erneute Pr\u00fcfung bevorstand. Aus einem tempor\u00e4ren Gefangenenlager war eine Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener geflohen. Man durchsuchte die am Lager angrenzenden D\u00f6rfer nach ihnen. Als man in einem Teil von Poninka Juden und Kriegsgefangene in einem Versteck entdeckte, wurden sie alle erschossen, zusammen mit den Familien, die sie versteckt hatten. Aber wir \u00fcberlebten wieder einmal durch ein Wunder: Nachdem die Bestrafter gut gegessen und getrunken hatten, entspannten sie sich und verschoben die weitere Suche auf den n\u00e4chsten Tag. In dieser Nacht brachte uns Ljudmila Wojnarowskaja in ein Sumpfgebiet im Wald, wo eine alte Jagdh\u00fctte stand. Es gab einen Holzboden und Liegen, eine Axt, Schaufeln, einen Topf und einen Eimer sowie einen kleinen Metallofen mit Holzvorrat \u2013 ein gro\u00dfer Schatz in der damaligen Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>V\u00f6llig ver\u00e4ngstigt, hungrig und frierend, verhielten wir uns vorsichtig und versuchten mit aller Kraft zu verbergen, dass da jemand in der H\u00fctte war. Den Ofen heizten wir nur nachts, damit man den Rauch nicht sah, die Windeln trockneten wir drinnen, am Ofen. Wir gingen nur nach drau\u00dfen, wenn wir sicher waren, dass niemand in der N\u00e4he war. Oft erk\u00e4lteten wir uns und wurden krank, unsere Mutter behandelte uns mit Kr\u00e4utern, die ihr Jekaterina Shmak und Ljudmila Wojnarowskaja gegeben hatten. Wir lernten, selbst solche Kr\u00e4uter zu sammeln und zu trocknen, und auch Beeren und Pilze. In den drei Monaten, die wir in dieser H\u00fctte verbrachten, konnte Ljudmila Wojnarowskaja uns nur zwei Mal unter Lebensgefahr Nahrungsmittel, Streichh\u00f6lzer und Kerosin f\u00fcr die Lampe bringen. Deshalb sammelten meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester (13 und 10) Gem\u00fcse, das die Menschen auf den umliegenden Feldern vergessen hatten. Auf den Stra\u00dfen fanden sie zwischen den liegengebliebenen menschlichen \u00dcberresten und ihren \u00fcberall verstreuten Habseligkeiten brauchbare Dinge. So \u00fcberlebten wir dreieinhalb Monate in der Jagdh\u00fctte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mein Bruder im November 1941 einen Polizai sah, der auf seinem Fahrrad eilig einen Weg unweit der H\u00fctte entlangfuhr, beschlossen meine Mutter und meine Gro\u00dfmutter, obwohl der Polizai uns nicht bemerkt hatte, dass wir die H\u00fctte verlassen m\u00fcssten. Meine Mutter und mein Bruder machten eine abgelegene Stelle ausfindig, die gut versteckt im Geb\u00fcsch am anderen Ende des Waldes lag, direkt am Sumpf, wo es nicht einmal Trampelpfade gab. Wir brauchten einige Tage, bis wir eine Erdh\u00fctte gegraben hatten, in etwa wie den Erdbunker zu Hause in Klessow. Aus der Jagdh\u00fctte trugen wir einen Teil der Bretter und die Liegen her\u00fcber, den Ofen, unsere restlichen Sachen, das gesammelte Gem\u00fcse, die Beeren und die Kr\u00e4uter.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier versteckten wir uns bis Ende 1942, ebenfalls in gro\u00dfer Not. Wegen der unhygienischen Bedingungen in unserer kalten und feuchten Erdh\u00fctte und weil wir nicht abgekochtes Wasser tranken, wurden wir alle oft von Erk\u00e4ltungen und Magen-Darm-Krankheiten geplagt. Ohne Medikamente dauerte es jedes Mal sehr lange, bis wir uns, nur mithilfe der Kr\u00e4uter, kuriert hatten. Deswegen gingen viele der Beschwerden, vor allem bei unserer Mutter und Gro\u00dfmutter, in chronische Krankheiten \u00fcber. Meiner kleinen Schwester wuchs aufgrund der Mangelern\u00e4hrung und des Vitaminmangels im Alter von zehn Monaten ein Buckel, was meiner Mutter und Gro\u00dfmutter sehr zu schaffen machte. Wir Kinder konnten das Grauen unserer ganzen Lage damals noch nicht in vollem Umfang begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich jetzt daran erinnere, kann ich nicht erkl\u00e4ren, woher wir damals die Kraft, die Geduld und den Einfallsreichtum hatten, nicht nur meine Mutter und Gro\u00dfmutter, sondern auch wir Kinder, die wir unter diesen unmenschlichen Bedingungen und Lebensgefahr schnell erwachsen wurden. Meine Mutter war sehr sensibel, sie tr\u00e4umte oft Dinge, die dann auch eintrafen. Zweimal im Fr\u00fchjahr und Sommer 1942 rannte sie mit meinem Bruder los, um mich zu suchen, sagte immer wieder, mir w\u00e4re etwas zugesto\u00dfen und sie m\u00fcssten mich retten. Weil wir so wenig zu essen hatten, a\u00df ich oft Kr\u00e4uter und Beeren, die mir wohlschmeckend erschienen, und vergiftete mich daran. Dank ihrer Intuition fand meine Mutter mich und rettete mich. Vielleicht war es auch diese Gabe, die ihr sagte, dass unsere Leiden ein Ende finden w\u00fcrden, und das gab ihr wiederum die Kraft, sich selbst und uns alle noch in den hoffnungslosesten Situationen aufzumuntern, die Hoffnung zu hegen, dass wir \u00fcberleben und der Krieg bald vorbei sein w\u00fcrde, die Deutschen aus unserem Land verschwinden und unser Vater von der Front zu uns zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang 1943 fand uns eine Gruppe Partisanen, die sich durch den Sumpf auf dem R\u00fcckzug befand, nachdem sie einen feindlichen Zug mit Kriegstechnik vernichtet hatte. Sie wurden von einem deutschen Strafbataillon verfolgt. Wieder musste sich unsere Familie in Sicherheit bringen, und so gingen wir mit den Partisanen durch den Sumpf in die W\u00e4lder der Rowenschtschina, an der Grenze zu Belarus. Im Partisanenst\u00fctzpunkt halfen meine Mutter, Gro\u00dfmutter und die \u00e4lteren Geschwister viel mit \u2013 machten Essen, wuschen W\u00e4sche und viele andere Dinge. Weil die Partisanen den die Besatzern sp\u00fcrbare Verluste zuf\u00fcgten, machten diese systematisch Jagd auf sie. Unsere Familie musste alle Strapazen ihres Kriegerdaseins mitmachen, die t\u00e4gliche Lebensgefahr, die st\u00e4ndigen Ortswechsel, die Artilleriebesch\u00fcsse und Bombardierungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Vertreibung der nationalsozialistischen Okkupanten von ukrainischem Boden bekam mein gro\u00dfer Bruder eine Stelle im Komsomolkomitee der Stadt Korosten in der Oblast Shitomir, wohin er bald auch die Familie nachholte. Auf den Rat einer Kr\u00e4uterheilerin hin rieb meine Gro\u00dfmutter ein halbes Jahr lang mehrmals t\u00e4glich geduldig den Buckel meiner kleinen Schwester mit Milch ein. Nach einer Weile begann er langsam kleiner zu werden und verschwand. Das versetzte die \u00c4rzte in Erstaunen, denn sie hielten diese Krankheit f\u00fcr unheilbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz einiger Verletzungen und Sch\u00e4delprellungen \u00fcberlebte auch mein Vater, der sich bei Kriegsende in Prag befand. Von dort aus wurde er nach Lwow versetzt, wohin er auch seine Familie holte, nachdem er sie gefunden hatte. Weil manche Partei- und Staatsbedienstete nach dem Krieg der Ansicht waren, sowjetische B\u00fcrger, die sich in deutsch besetzten Gebieten aufgehalten hatten, seien verd\u00e4chtig, wurden meine Mutter und meine Gro\u00dfmutter einer \u00dcberpr\u00fcfung durch die Spezialorgane unterzogen. Daraufhin wurde meine Mutter Rojsberg Sarra Naumowna 1946 f\u00fcr ihre aktive und aufopfernde Unterst\u00fctzung der Partisanen im feindlich besetzen Gebiet ausgezeichnet, mit der Medaille \u201eF\u00fcr den Sieg \u00fcber Deutschland im Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg 1941\u20131945\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die extrem harten Lebensbedingungen, die systematische stressbedingte Anspannung aller Nerven, die Mangelern\u00e4hrung und Unterk\u00fchlung, die h\u00e4ufigen Krankheiten und als Folge davon viele chronische Leiden haben die Gesundheit unserer ganzen Familien sehr geschw\u00e4cht, nach dem Krieg waren wir oft und lange krank. Anfang 1951, nach langer und schwerer Krankheit, verstarb meine Gro\u00dfmutter, und 1956, ebenfalls nach langer und schwerer Krankheit, meine mutige und selbstlose Mutter, die unter extrem harten Bedingungen quasi unsere ganze Familie gerettet hat. Auch mein Vater, der vier Jahre lang nichts \u00fcber das Schicksal seiner Familie gewusst und sehr darunter gelitten hat, ist nicht mehr am Leben. Von meinen Geschwistern bin nur noch ich da, nach vielen Krankheiten und einigen Operationen ein Invalide, der auch jetzt schwer krank ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Treffen mit Jekaterina Shmak und Ljudmila Wojnarowskaja nach dem Krieg hat mein Vater sich bei ihnen f\u00fcr die Rettung unserer Familie bedankt und ihnen wertvolle Geschenke \u00fcberreicht. Ljudmila Wojnarowskaja hat erz\u00e4hlt, dass sie Anfang 1942 noch ein drittes Mal bei der Jagdh\u00fctte war, in die sie uns im August 1941 gebracht hatte, und als sie uns dort nicht vorfand, dachten die beiden, wir w\u00e4ren den Polizai in die H\u00e4nde gefallen, oder deutschen Soldaten, die Strafaktionen gegen die Partisanen durchf\u00fchrten. Sie dachten, wir w\u00e4ren tot.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihre Menschlichkeit, ihre N\u00e4chstenliebe und den Mut, den sie bewiesen, indem sie unsere Familie w\u00e4hrend der Zeit der Besatzung retteten, die uns eine Zuflucht gew\u00e4hrt, alles mit uns geteilt haben, was sie besa\u00dfen, uns gepflegt und dabei selbst systematisch in Angst und unter st\u00e4ndiger Lebensgefahr f\u00fcr sich und ihre Kinder gelebt haben, daf\u00fcr wurde Jekaterina Shmak und Ljudmila Wojnarowskaja auf Beschluss des J\u00fcdischen Fonds der Ukraine der Ehrentitel \u201eGerechte der Ukraine\u201c verliehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den allerbesten W\u00fcnschen f\u00fcr Sie, unsere lieben deutschen Freunde.<\/p>\n\n\n\n<p>11. Dezember 2017<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus dem Russischen von Jennie Seitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ukraine, Kiew 11.12.2017 Liebe Freunde in Deutschland! 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