{"id":3406,"date":"2020-01-24T16:29:30","date_gmt":"2020-01-24T15:29:30","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=3406"},"modified":"2020-06-25T16:00:10","modified_gmt":"2020-06-25T14:00:10","slug":"iwan-grigoryevich-k-neuer-freitagsbrief-nr-112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/iwan-grigoryevich-k-neuer-freitagsbrief-nr-112\/","title":{"rendered":"Iwan Grigoryevich K. &#8211; Freitagsbrief Nr. 112"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Iwan Grigoryevich K.<br \/><\/strong><strong>Minsk, Belarus<\/strong><\/p>\n<p>Januar 2020<\/p>\n<p>Sehr geehrte<em> Henosse [Original Deutsch]<\/em>, &#8230;<\/p>\n<p>In meiner Person danke ich Ihnen aufrichtig f\u00fcr Ihre guten und aufrichtigen W\u00fcnsche allen heute lebenden <em> Kriegskindern [? Original Deutsch]. <\/em><\/p>\n<p>Zu allen Zeiten hatten die einfachen Leute auf der Erde nichts zu verschenken; sie m\u00f6chten in Frieden und im Einvernehmen mit der Natur und den Menschen und entsprechend ihrer historischen Orte und Lebensweise in den zu ihrer Zeit gebildeten Staaten leben.<\/p>\n<p>\u00a0Und jetzt informiere ich Sie \u00fcber meinen Lebensweg. Zwei Episoden aus dem besetzerischen, r\u00e4uberischen Krieg sind mir bis heute im Ged\u00e4chtnis geblieben, der im historischen Abschnitt von 1941 bis 1944 stattfand, da 1944 unser Dorf Kostrichi ebenso wie viele D\u00f6rfer und St\u00e4dte in Belorussiya von den Okkupationstruppen Deutschlands und seiner Satelliten befreit wurde.<\/p>\n<p>\u00a0Ich bin 1941 geboren, und unser Haus wurde von den deutschen Soldaten aus folgendem Grund nicht abgebrannt: Man kann sagen, aus Menschenliebe. W\u00e4hrend einer Strafaktion wurde unser Dorf Kostrichi vollst\u00e4ndig abgebrannt. Zu unserem Gl\u00fcck hielten sich in unserem Haus die Gro\u00dfmutter und der Gro\u00dfvater m\u00fctterlicherseits und unsere Mutter auf, Kseniya Semjonova K., geb. 1915, au\u00dferdem mein Bruder und ich. Unser Vater war zum Milit\u00e4rdienst einberufen worden und daher war er abwesend.<\/p>\n<p>\u00a0Nach einer solchen Strafaktion wurden alle verbliebenen Einwohner unseres Dorfes (Frauen und Kinder) auf einem engen Raum zusammengetrieben, wo sie mehrere Stunden in der Sonne stehen mussten. Danach \u00fcberflog ein damaliges einfaches Flugzeug ohne Hoheitszeichenunser Dorf und landete in der N\u00e4he. Der Vorgesetzte, der damit ankam, gab seinen Untergebenen das Kommando, die eingesperrten Menschen freizulassen.<\/p>\n<p>Unmittelbar danach verf\u00fcgte er, sie sollten auseinandergehen und ihre H\u00e4user l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Drei Jahre lang war das Leben Hitze und im Winter K\u00e4lte. Wir \u00fcberlebten irgendwie dank unserer Mutter, die 80 Jahre alt wurde und es schaffte, vier Kinder zu geb\u00e4ren und gro\u00dfzuziehen, zwei M\u00e4dchen und zwei Jungen. Alle Kinder leben und sind gesund, alle sind Rentner, mit dem \u00e4ltesten Bruder Grigorij als Oberhaupt.<\/p>\n<p>Die zweite Episode, an die ich mich erinnere. An einem Sommertag der Jahre 1941 bis 1944 wurde eine Strafaktion zum Zweck der Suche nach Partisanen durchgef\u00fchrt. Im Nachbardorf Kostrichskaya Slobodka kamen mit Maschinengewehren Bewaffnete an, die nach allen Seiten um sich schossen. Sie liefen in einer Kette. W\u00e4hrenddessen liefen meine Mutter und das Nachbarm\u00e4dchen Nina Salanovich aus den H\u00e4usern und \u00fcber den Bach um sich in einem Gebiet mit Wiesen und B\u00fcschen hinter einem Heuhaufen zu verbergen. Da die Strafbrigade sich n\u00e4herte und in alle Richtungen um sich schoss, nahm unsere Mama das Risiko auf sich nach Hause zur\u00fcckzukehren. Mama meinte, dass wir uns im Keller des Nachbarhauses verstecken k\u00f6nnten. So kam unsere Angst an diesem Tag zu einem erfolgreichen Ende. Mein \u00e4lterer Bruder konnte schon laufen und hielt sich an Mamas Rocksaum fest, und mich hatte sie auf dem Arm.<\/p>\n<p>Und jetzt erz\u00e4hle ich Ihnen \u00fcber mich. Die Grundschule (4 Klassen) besuchte ich im Dorf Kostrichi, und die Klassen 5 \u2013 10 im Dorf Labonichi im Gebiet Kirov. Wir Kinder liefen 7 km zur Schule.<\/p>\n<p>Nach dem Abschluss der Mittelschule 1958 fing ich im Auftrag des Komsomol in Kasachstan an zu arbeiten; mein Vetter war auch dort. Ich war dort Gleisbau-Arbeiter in der Kasachischen Brigade BP-137. Da unsere Organisation aus kleinen Wagons auf Wagenr\u00e4dern bestand (15-17 St\u00fcck), verlief unser Leben so, dass wir in ihnen wohnten. W\u00e4hrend der zwei Jahre, die ich dort arbeitete, bewegte sich unsere Organisation von der Station Dzhaltyr \u00fcber Akmolinsk bis zur Station Dzhezkagzgan im Gebiet Karaganda.<\/p>\n<p>Im Jahr 1960 wurde ich zum Dienst in der Sowjetarmee eingezogen, wo ich drei Jahre in der Stadt Puschkin im Gebiet Leningrad diente.<\/p>\n<p>1963 begann ich ein Studium am Leningrader Institut \u201eFriedrich Engels\u201c f\u00fcr \u201eLebensmittelkunde und Organisation des sowjetischen Handels\u201c als Tageskurs. Erfahrungen im Verkauf erwarb ich im Gesch\u00e4ft \u201eStrela\u201c nahe dem Baltischen Bahnhof in Leningrad und in anderen Gesch\u00e4ften des Systems \u201eLengastronom\u201c. Das Vordiplom-Praktikum durchlief ich in Alma-Ata im \u201eGorhlebotorg\u201c (Brothandel). Anl\u00e4sslich des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der UdSSR erhielten wir freie Diplome (<em>Mit einem einfachen Diplom mussten die Absolventen einer Hochschule 3 Jahre in ihrem Beruf dort arbeiten, wohin man sie schickte. Besitzer von freien Diplomen konnten selbst den Arbeitsplatz aussuchen d. \u00dcbers]<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Da ich in Belorussiya geboren bin, beschloss ich, hier zu arbeiten.<\/p>\n<p>1969 wurde ich zum Leutnant der Versorgungsabteilung ernannt <em>( Den Absolventen einiger Hochschulen wurde nach Abschluss automatisch ein milit\u00e4rischer Rang zuerkannt d.\u00dcbers)<\/em>. Daher wurde ich nochmals auf zwei Jahre zum Milit\u00e4r einberufen. Ich diente im Rang des Leiters der Lebensmittelversorgung im Eisenbahnbataillon der Stadt Komsomolsk-na-Amure. Dort fand ich meine Frau, geborene Galina Ismajlovna, die als Buchhalterin im Betrieb arbeitete. Sie ist in der Moldauischen SSR geboren.<\/p>\n<p>Dann kam eine Versetzung in die Mongolei (Darhan), wo ich 4 Jahre lang Direktor der Abteilung Dienstleistungen war.<\/p>\n<p>Ab 1984 arbeitete ich in Minsk im Gro\u00df- und Einzelhandel. Mit 62 Jahren wurde ich pensioniert. Wir haben eine Wohnung und sind gut versorgt. Meine Frau und unsere Enkel versch\u00f6nern mein Leben. Wir haben eine Tochter, Olga, 35, und zwei Enkel: Andrej, 6, und Kseniya, 3. Die Kinder gehen in den Kindergarten, unsere Tochter arbeitet. Die Freude am Leben dauert an und ich f\u00fchle mich gottseidank gut.<\/p>\n<p>So also verl\u00e4uft das Leben eines \u00dcberlebenden, der dank seiner Mutter und dem Schicksal die Jahre der Unruhe \u00fcberstand. Meine Pension erhalte ich p\u00fcnktlich, f\u00fcr ein bescheidenes Leben reicht sie aus.<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr die Absicht, mir von Ihrer Seite eine bescheidene Wiedergutmachung als Geste des guten Willens und des menschlichen Gedenkens an das Gute zukommen zu lassen.<\/p>\n<p>Alles Gute zum Neuen Jahr, Gesundheit, Erfolg beim Aufbau und die Erhaltung von menschlichen, humanen und zukunftstr\u00e4chtigen Beziehungen zwischen den Menschen in Belorussiya und in Deutschland .<\/p>\n<p>Etwas gegen gute Dinge zu haben ist eine S\u00fcnde.<br \/>Friede und Freundschaft zwischen unseren V\u00f6lkern!<\/p>\n<p>Hochachtungsvoll, ein Einwohner von Belarussiya<\/p>\n<p>K. Iwan Grigoryevich<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Russischen: Igor Makarov und Karin Ruppelt<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-3406","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-briefe-der-ueberlebenden-verbrannter-doerfer-belarus"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"ru","enabled_languages":["de","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false,"post-thumbnail":false,"graphy-post-thumbnail-large":false,"graphy-post-thumbnail-medium":false,"graphy-post-thumbnail-small":false,"graphy-page-thumbnail":false},"uagb_author_info":{"display_name":"KS","author_link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/author\/kntktbrln999\/"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3406"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3791,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3406\/revisions\/3791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}