{"id":2867,"date":"2019-06-04T10:50:08","date_gmt":"2019-06-04T08:50:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/?p=2867"},"modified":"2020-06-25T16:19:55","modified_gmt":"2020-06-25T14:19:55","slug":"krasnjanskij-alexej-iwanowitsch-neuer-freitasbrief-nr-85","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/krasnjanskij-alexej-iwanowitsch-neuer-freitasbrief-nr-85\/","title":{"rendered":"\ufeffKrasnjanskij Alexej Iwanowitsch &#8211; Freitagsbrief Nr. 85"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch dieser Brief aus dem Jahr 2005 wurde erst jetzt \u00fcbersetzt. Das  Lager, aus dem die 75. Infanteriedivision der 9. US-Armee die  sowjetischen Kriegsgefangenen am 28. April 1945 befreiten, war das  Stalag VI A in Hemer. Der Fotograf des U.S. Army Signal Corps, Corporal  J.D.Karr, hat im Lager fotografiert und f\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter die Fotos  dem Stadtarchiv Hemer \u00fcbergeben, damit die deutsche \u00d6ffentlichkeit die  Taten der deutschen Wehrmacht sieht. Wir haben Fotos von CPL Karr in  unserer Wanderausstellung verwendet. Seine Bildunterschriften sagen aber  auch alleine sehr viel aus, das Lager war im \u00fcbrigen f\u00fcr die Belegung  mit 3.000 Mann konzipiert:<\/p>\n\n\n\n<p> Zwei russische \nGefangene in diesem deutschen Lager in Hemer, Deutschland, zeigen die \nErgebnisse der deutschen Hungerpolitik. Der Mann links ist sehr d\u00fcnn und\n kaum in der Lage alleine aufzustehen. Der Mann rechts hat ein \ngeschwollenes Gesicht, ein weiteres Zeichen des Hungers. Wir haben hier \nungef\u00e4hr 22.000 Mann angetroffen, als die 75. Infanteriedivision, 9. \nU.S. Armee das Lager befreite. 9.000 waren im Lazarett und litten an \nTbc, Ruhr, Unterern\u00e4hrung und Typhus.<\/p>\n\n\n\n<p>Russische  Kriegsgefangene, die von Einheiten der 75. Infanteriedivision, 9. U.S.  Armee, befreit wurden, teilen eine Ration, die sie von amerikanischen  Truppen erhalten haben, in zehn Teile. Wegen ihrer Unterern\u00e4hrung werden  einige der M\u00e4nner mit Sicherheit sterben, sagen russische \u00c4rzte im  Lager; es ist nur eine Sache weniger Tage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krasnjanskij Alexej Iwanowitsch<\/strong><br><strong>Ukraine, Gebiet Lugansk <\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Ich,\n Krasnjanskij Alexej Iwanowitsch, geboren 1921, wurde 1940 in die Armee \neingezogen und diente ein Jahr im Gebiet Brest. Bereits in den ersten \nTagen des Krieges wurde unsere Einheit gefangengenommen. Ich und meine \nKameraden wurden nach Deutschland geschickt. Vier Jahre lang bekam ich \nalle M\u00fchsal der Kriegsgefangenschaft am eigenen Leib zu sp\u00fcren. Wir \nschliefen bei Regen und K\u00e4lte unter freiem Himmel. Morgens bist du \naufgewacht, und der K\u00f6rper neben dir war schon kalt. Du r\u00fcckst n\u00e4her an \njemanden heran, der noch warm ist. So versuchten wir zu \u00fcberleben. In \nder Nacht starben sie zu Hunderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach\n habe ich zwei Jahre in einer l\u00e4ndlichen Gegend bei einem Gutsbesitzer \ngearbeitet. Dann kam ich in ein Bergwerk im Ruhrgebiet. Wo genau, wei\u00df \nich nicht mehr. Ich wei\u00df nur eins: Die Arbeit war sehr schwer, wir \nschufteten bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung. Das Essen war miserabel. Wir \nwaren fast immer hungrig. Und nur dank der deutschen Arbeiter, die uns \nheimlich, unbemerkt von den Aufsehern, Brotkrumen zusteckten, habe ich \nunter diesen furchtbaren Bedingungen \u00fcberlebt. Kurz vor Ende des Krieges\n war ich so abgemagert, dass man mich in ein Todeslager schickte. Als \ndie Amerikaner, die uns befreiten, in die Baracke kamen und sahen, in \nwelchem Zustand wir waren, nahmen sie ihre Soldatenm\u00fctzen ab und standen\n so vor uns und weinten. Damit wir wieder halbwegs wie Menschen \naussahen, f\u00fctterten sie uns vorsichtig und sorgsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Unterschrift: [Krasnjanskij]<\/p>\n\n\n\n<p>1. Juni 2005 <em>Aus dem Russischen von Jennie Seitz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch dieser Brief aus dem Jahr 2005 wurde erst jetzt \u00fcbersetzt. Das Lager, aus dem die 75. Infanteriedivision der 9. US-Armee die sowjetischen Kriegsgefangenen am 28. April 1945 befreiten, war das Stalag VI A in Hemer. 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