{"id":445,"date":"2017-11-16T11:10:19","date_gmt":"2017-11-16T10:10:19","guid":{"rendered":"http:\/\/kontakte-kontakty.de\/?page_id=445"},"modified":"2017-12-04T10:39:03","modified_gmt":"2017-12-04T09:39:03","slug":"ueberfluessige-esser-bedrohte-bestien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/ru\/ueberfluessige-esser-bedrohte-bestien\/","title":{"rendered":"&#8220;\u00dcberfl\u00fcssige Esser &#8211; bedrohliche Bestien&#8221; &#8211; Grundlagen nationalsozialistischer Vernichtungspolitik gegen sowjetische Kriegsgefangene"},"content":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang war das millionenfache Sterben der sowjetischen Kriegsgefangenen in deutschen Lagern kein Thema f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland: Nat\u00fcrlich habe es im Krieg auch H\u00e4rten f\u00fcr die sowjetischen Gefangenen gegeben, schlimmer aber seien die Leiden deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion wie auch der Massenflucht aus dem Osten gewesen. An sowjetische Kriegsgefangene wollte sich die westdeutsche Nachkriegs\u00f6ffentlichkeit entweder als primitive, aber durchaus gutm\u00fctige Arbeitskr\u00e4fte oder als pl\u00fcndernde Marodeure nach ihrer Befreiung aus den Lagern erinnern. Und auch die sowjetische \u00d6ffentlichkeit schwieg \u00fcber diese Kriegsopfer, hatten sie doch keinen Anteil am heroisch erk\u00e4mpften Sieg und \u2013 schlimmer noch \u2013 lastete auf ihnen der Stalinsche Verdacht der Feigheit und sogar des Verrats.<\/p>\n<p>Erst 1978 erschien in der BRD die erste \u2013 bis heute grundlegende \u2013 Untersuchung, die deutlich machte, dass von 5,5 bis 6 Millionen sowjetischen Soldaten, die zwischen 1941 und 1945 von der deutschen Wehrmacht gefangengenommen wurden, ca. drei Millionen, also 55 bis 60{b477382f93243bb2231a6cb357c65dd632b36f071b7ee5f312aa6aafb5657738} starben. Die Sterblichkeitsrate der Kriegsgefangenen anderer Nationen in deutschem Gewahrsam betrug 2\u20135 {b477382f93243bb2231a6cb357c65dd632b36f071b7ee5f312aa6aafb5657738}. Es ist bis heute ein m\u00fchseliger, l\u00e4ngst nicht abgeschlossener Prozess, diese Verbrechen genau und umfassend zu erforschen und die deutsche \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Fakten und die Dimension dieses riesigen Verbrechenskomplexes der nationalsozialistischen Herrschaft aufzukl\u00e4ren, deutlich zu machen, dass nicht widrige Umst\u00e4nde oder Fehlorganisation, sondern zehntausende Erschie\u00dfungen sowie der bewusste Entzug der Nahrung und v\u00f6llig unzureichende Unterbringung Ursache des Massensterbens waren. Diese drei Millionen Toten sind in Deutschland heute gewiss nicht mehr vergessene Opfer, aber sie stehen immer noch an der Peripherie unseres Bildes von den Opfern nationalsozialistischer Verbrechen. Und hier dr\u00e4ngt sich jenseits des genauen Aufdeckens der Fakten und der Vergegenw\u00e4rtigung dieses millionenfachen Verbrechens die Frage nach den Ursachen, nach den Antriebskr\u00e4ften, die bei den T\u00e4tern wirksam waren und Grundlage ihrer Planung waren.<\/p>\n<p>Wie war ein solcher Plan, wie war die Realisierung solcher Planungen m\u00f6glich? Womit konnte der Generalquartiermeister im Oberkommando des Heeres, General Wagner, im November 1941 seine apodiktische Aussage rechtfertigen, dass Kriegsgefangene (und damit waren ausschlie\u00dflich sowjetische Kriegsgefangene gemeint), die nicht f\u00fcr die Wehrmacht arbeiteten, zu verhungern h\u00e4tten. Diese Forderung fand keinen Widerspruch unter den Zuh\u00f6rern \u2013 Armeeoberbefehlshaber und deren Generalstabsoffiziere. Nach allen Kategorien des Kriegsv\u00f6lkerrechts wie auch des traditionellen milit\u00e4rischen Denkens war auch im nationalsozialistischen Deutschland eine solche Forderung bis dahin eine Ungeheuerlichkeit. Jetzt waren zwei zentrale Elemente der NS-Ideologie, die auch die konservativen Eliten und gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung teilten, zur festen Leitlinie der deutschen Kriegsplanung geworden und begr\u00fcndeten eine derartige Forderung.<\/p>\n<p>Das eine Element war die nationalsozialistische Ideologie vom \u201eLebensraum im Osten\u201c, also in Osteuropa, den Deutschland angeblich ben\u00f6tige, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Diese Forderung nach \u201eLebensraum\u201c geh\u00f6rte von Anfang an zu den Grundforderungen Hitlers. Die Kolonien, die Gro\u00dfbritannien und Frankreich in \u00dcbersee gefunden hatten, sollte Deutschland demnach im Osten Europas auf den Territorien Polens und der Sowjetunion finden. Damit (und nicht durch Handelsaustausch) sollte es seinen Bedarf an Agrarprodukten und Bodensch\u00e4tzen befriedigen und dadurch auch im Kriegsfall keine fremde Hilfe ben\u00f6tigen. Dieser eroberte \u201eLebensraum\u201c sollte von deutschen Siedlern bearbeitet werden. Dadurch sollte zugleich die Verst\u00e4dterung, die als Zersetzung traditioneller Ordnung verteufelt wurde, gestoppt werden und das l\u00e4ndlich-d\u00f6rfliche Leben wieder einen zentralen Platz erhalten.<\/p>\n<p>Das findet sich nicht nur als programmatische Forderungen in Hitlers \u201eMein Kampf\u201c, schon direkt nach der Macht\u00fcbernahme stimmte Hitler in einer ersten Besprechung (und sp\u00e4ter noch \u00f6fter) die F\u00fchrung der Reichswehr auf diese Zielsetzung ein \u2013 und traf dort zwar vereinzelt auf Skepsis \u00fcber die M\u00f6glichkeit, diese Ziele zu verwirklichen, grunds\u00e4tzlich aber auf Zustimmung. Der Friede von Brest-Litowsk hatte ja schon 1918 f\u00fcr kurze Zeit eine solche informelle Ostkolonie des kaiserlichen Deutschland errichtet. Diese Zielsetzung wurde kurzfristig zwar von anderen taktisch bestimmten Priorit\u00e4ten \u00fcberlagert, aber nie grunds\u00e4tzlich aufgegeben.<\/p>\n<p>So schien zwar im September 1939 mit dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag dieses Ziel aufgegeben zu sein, schien sich die deutsche F\u00fchrung mit West- und Zentralpolen als Ostkolonie zufrieden zu geben. Aber die grunds\u00e4tzliche Zielsetzung, ganz Osteuropa bis zum Ural zu beherrschen und auszubeuten, war keineswegs aufgegeben. Solche Wunschbilder blieben nicht allgemein, die in Hitlers \u201eMein Kampf\u201c formulierte Zielsetzung, den \u201eGermanenzug\u201c vom S\u00fcden nach Osten zu lenken, nicht nur Theaterdonner. Diese Perspektive bekam Aktualit\u00e4t nach dem Sieg \u00fcber Frankreich im Juli 1940, als klar wurde, dass der Krieg im Westen keineswegs beendet, Gro\u00dfbritannien den Kampf fortsetzte und in dieser Situation nicht zu besiegen war. Da es zugleich auch zu schwach f\u00fcr einen Angriff auf den deutschen Machtbereich war, wollte die deutsche F\u00fchrung das gro\u00dfe programmatische Ziel \u2013 Vernichtung des \u201ej\u00fcdischen Bolschewismus\u201c und Schaffung von \u201eLebensraum im Osten\u201c \u2013 nicht erst nach dem Sieg im Westen angehen, sondern umgekehrt den schnellen Sieg \u00fcber die Sowjetunion und die damit eroberten Ressourcen, Agrarprodukte und Bodensch\u00e4tze, f\u00fcr den abschlie\u00dfenden Sieg \u00fcber Gro\u00dfbritannien nutzen. Der geplante Blitzkrieg im Osten sollte sp\u00e4testens nach vier Monaten siegreich beendet sein.<\/p>\n<p>Bei der Konkretisierung dieser Planung wurde schnell deutlich, dass die SU seit der Schaffung eines gro\u00dfen Industriesektors kaum noch Lebensmittel\u00fcbersch\u00fcsse f\u00fcr den Export produzierte. Die F\u00fchrung des Dritten Reiches gab deswegen jedoch die Planung keineswegs auf, sondern zog daraus den Schluss, den sowjetischen Industriezentren die Zufuhr von Lebensmitteln abzuschneiden, um die Agrarprodukte f\u00fcr die deutsche Kriegf\u00fchrung, vor allem die Versorgung der Wehrmacht, umleiten zu k\u00f6nnen. \u201eHierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das f\u00fcr uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.\u201c, so die Aktennotiz \u00fcber eine Besprechung hoher Beamter und Milit\u00e4rs am 2. Mai 1941. Wie andere Planungsdokumente zeigen, wurde mit ca. 30 Millionen Hungertoten, \u201e\u00fcberfl\u00fcssigen Essern\u201c, gerechnet. Dadurch sollte auch das Land langfristig f\u00fcr die geplante deutsche Besiedlung entv\u00f6lkert werden. Diese Aussagen waren keineswegs Geheimwissen der obersten F\u00fchrung, sondern weit nach unten verbreitet: F\u00fcr den deutschen Sieg sei es eben eine \u201enotwendige H\u00e4rte\u201c, dass diese Menschen nicht versorgt werden sollten.<\/p>\n<p>Da die deutsche F\u00fchrung annahm, in maximal vier Monaten die Sowjetunion besiegen und danach einen Teil der Soldaten entlassen zu k\u00f6nnen, sah man bei Kriegsbeginn keinen Bedarf f\u00fcr die Arbeitskraft der sowjetischen Kriegsgefangenen. Wie erwartet, war das nach den siegreichen Kesselschlachten der ersten Monate eine Millionenzahl, die gem\u00e4\u00df den Hungerplanungen nur mit restlichen Lebensmitteln versorgt wurden, die nicht anderswo gebraucht wurden. Der Tod von zwei Millionen der drei Millionen bis Mai 1942 gefangen genommenen Rotarmisten war die Folge.<\/p>\n<p>Die gleichen Grunds\u00e4tze der Hungerpolitik galten, als die deutschen Truppen Leningrad eingeschlossen und den Hungertod aller drei Millionen Einwohner der Stadt vorgesehen hatten. Auch wenn diese Planung nur teilweise verwirklicht wurde, starben ann\u00e4hernd eine Millionen Leningrader. Hungertod durch Raub der Lebensmittel war aber nicht auf diese Brennpunkte beschr\u00e4nkt. In vielen D\u00f6rfern und St\u00e4dten der \u201eKahlfra\u00dfzonen\u201c, in denen alle Vorr\u00e4te abtransportiert wurden, starben die ausgeraubten und sich selbst \u00fcberlassenen Einwohner. Allein in Charkow betrug die offiziell registrierte Zahl der Hungertoten im Jahr 1942 \u00fcber 14 000 Menschen.<\/p>\n<p>Ende 1941 steuerte die deutsche F\u00fchrung in der Frage der sowjetischen Kriegsgefangenen um. Da der Blitzkrieg gescheitert war, wurden Arbeitskr\u00e4fte in gro\u00dfer Zahl ben\u00f6tigt, die man nicht zuletzt mit diesen Kriegsgefangenen in der Hand hatte. Die alte Planung wurde damit jedoch nicht grunds\u00e4tzlich aufgegeben, sondern lediglich in der Weise modifiziert, dass das Lebensrecht der sowjetischen Gefangenen ausschlie\u00dflich durch ihre Arbeitskraft begr\u00fcndet wurde. In dieser konkurrierenden Spannung zwischen m\u00f6glichst effizienter Ausbeutung der Arbeitskraft und der Vernichtung der als \u00fcberfl\u00fcssig und bedrohlich angesehenen Gefangenen starben dann bis zum Kriegsende noch \u00fcber eine weitere Million sowjetische Kriegsgefangene.<\/p>\n<p>Das Ziel, \u201eLebensraum\u201c durch millionenfache Vernichtung der Einwohner Osteuropas durch Hunger oder direkte Gewalt zu erobern, zog seine Rechtfertigung aus einem radikalen biologistischen Rassismus, der die Menschheit nach Herren- und Sklavenrassen aufteilte. Damit ist neben der Lebensraumideologie das andere Axiom benannt, das die Grundlage f\u00fcr eine derartige Vernichtungspolitik bildete. Denn die vermeintlich machtrationale Menschen\u00f6konomie der Forderung nach Lebensraum beruhte auf einem emotional aufgeladenen und ins Extreme gesteigerten Ideologiekonstrukt von der Ungleichheit der \u201eRassen\u201c, worin die Ethnien der slawischen Sprachgruppen zu einer biologisch definierten minderwertigen Rasse erkl\u00e4rt wurden. Derartige Ideen waren nicht erst von den Nationalsozialisten entwickelt worden und keineswegs auf Deutschland beschr\u00e4nkt, wurden dort aber seit 1933 eine Leitlinie der Politik.<\/p>\n<p>In der Rassehierarchie dieser Ideologie standen die hellh\u00e4utigen Ethnien Europas \u00fcber allen Gruppen der \u00fcbrigen Welt. Innerhalb Europas waren jedoch in diesem Bild die slawischen Gruppen auf der untersten Stufe, unf\u00e4hig zu Kultur und Fortschritt aus eigener Kraft. Da der radikale NS-Antisemitismus auch die Juden rassistisch und nicht religi\u00f6s definierte, h\u00e4tten sie demnach den untersten Platz in der Hierarchie einnehmen m\u00fcssen. Sie fielen aber insofern aus dem Schema, als sie zum radikalen Gegenbild, zur Verk\u00f6rperung des universalen B\u00f6sen erkl\u00e4rt wurden, das nur durch vollst\u00e4ndige Vernichtung aus der Welt zu schaffen sei.<\/p>\n<p>Russen nahmen unter den slawischen Ethnien allerdings einen besonderen Platz ein. Das russische Reich, ab 1917 Sowjetrussland-Sowjetunion, das die gr\u00f6\u00dfte Zahl von Slawen unter absolutistischer bzw. diktatorischer Herrschaft zusammenfasste, war in der europ\u00e4ischen Staatenkonkurrenz ein wesentlicher Machtfaktor. Die in den Kategorien der V\u00f6lkerpsychologie des 19. Jahrhunderts zugesprochenen Eigenschaften sprachen Polen und Russen durchaus \u00e4hnliche negative Qualit\u00e4ten zu \u2013 Primitivit\u00e4t, Leben im Schmutz, unbeherrschte Emotionen. Aber f\u00fcr die Gro\u00dfmacht Russland kam noch das Moment der Bedrohlichkeit hinzu, die auch in den Volkscharakter projiziert wurde. Russland war demnach \u201esinnlich-despotisch\u201c, \u201easiatisch\u201c oder \u201ebarbarisch\u201c. Auch als in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts russische Kultur in Deutschland durchaus positiv aufgenommen wurde, suchte man das Spezifische in der Abgrenzung zum eigenen \u201eEurop\u00e4ischen\u201c. Nicht Gontscharow oder Turgenjew, sondern Tolstoj und Dostojewskij galten als typisch russisch: elementar und weniger zivilisatorisch angekr\u00e4nkelt.<\/p>\n<p>Im Ersten Weltkrieg wurde die Vorstellung vom barbarischen Charakter Russlands zugespitzt, wurde der Krieg an der Ostfront zur Verteidigung europ\u00e4ischer Kultur gegen asiatische Barbarei stilisiert \u2013 und im siegreichen Kriegsverlauf ein erstes informelles Kolonialreich aus dem Bestand des russischen Reiches herausgeschnitten. Nach den russischen Revolutionen von 1917 und der deutschen Revolution im November 1918 verschmolzen alte Feindbilder: asiatische Barbarei und Wildheit mit kommunistischer Revolution, die alle b\u00fcrgerliche Ordnung und Kultur zerst\u00f6ren w\u00fcrden. Auf das \u00c4u\u00dferste gesteigert wurde das Feindbild noch durch den beigemengten Antisemitismus, da die russische wie die deutsche Revolution von vielen als j\u00fcdisch beeinflusst, wenn nicht sogar als Teil einer j\u00fcdischen Verschw\u00f6rung gesehen wurden.<\/p>\n<p>Das deutsch-russische Zweckb\u00fcndnis der Weimarer Republik lie\u00df derartige Angstkomplexe in den Hintergrund treten, ohne dass sie damit verschwunden w\u00e4ren. Die kommunistische Proklamation der Weltrevolution gab der Angst weitere Nahrung. So konnte die nationalsozialistische Propaganda mit der Angst vor Kommunismus und russischem Bolschewismus vor 1933 deutlich mehr Deutsche auf ihre Seite ziehen als mit radikalem Antisemitismus. Mit dem 30. Januar 1933 wurde die Beschw\u00f6rung der russisch-asiatisch-bolschewistischen Gefahr aus dem Osten und des notwendigen Kampfes dagegen, wurde zugleich das Ziel der Eroberung von Lebensraum im Osten zur immer neu propagierten Staatsideologie. Im August 1939 wurde diese Propaganda auf Eis gelegt (aber nie dementiert) und mit dem 22. Juni 1941 erneut aktiviert und verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Indem diese Propaganda tradierte \u00c4ngste aufgriff, war sie nicht nur Sache \u00fcberzeugter Nazis. Die Erwartung, auf primitive und barbarische Menschen zu sto\u00dfen, schien sich im Zusammentreffen mit der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung in armseligen H\u00fctten zu best\u00e4tigen. Es mussten keine fanatischen Nationalsozialisten sein, die als Soldaten 1941 aus Russland nach Hause schrieben: \u201eRussland ist eine elende W\u00fcste. Das kann sich kein Mensch vorstellen. Und dazu dieses verkommene rohe Volk und der Dreck. Ich m\u00f6chte nicht wissen, was aus Euch und aus Deutschland geworden w\u00e4re, wenn die Bolschewisten ins Reich gekommen w\u00e4ren, wie es geplant war. [\u2026] Das sind ja gar keine Menschen, sie sind v\u00f6llig vertiert. Aber es kann sich jeder drauf verlassen, wir geben es ihnen, wo sie auch sind\u2026\u201c<\/p>\n<p>Allzu viele Deutsche, Soldaten wie auch Zivilisten, teilten diesen Blick auf die Bev\u00f6lkerung und die Soldaten der Sowjetunion. So traf die Planung der deutschen F\u00fchrung auch kaum auf Unwillen oder gar Widerstand. Zugleich finden sich in den Berichten ehemaliger sowjetischer Soldaten aus deutscher Kriegsgefangenschaft neben dem Elend und Schrecken dieser Gefangenschaft zahlreiche Zeugnisse \u00fcber menschliches Verhalten der deutschen Bev\u00f6lkerung. Hier wurde die direkte Begegnung von Individuen wirksam, schob sich vor das Feindbild von russophober Tradition und NS-Propaganda die eigene Anschauung von gefangenen Menschen.<\/p>\n<p>Peter Jahn<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kontakte-kontakty.de\/buergerengagement-fuer-ns-opfer\/\">zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p class=\"textende\"><img decoding=\"async\" class=\"textende\" src=\"http:\/\/www.kontakte-kontakty.de\/images\/ende.gif\" alt=\"\" width=\"25\" height=\"7\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang war das millionenfache Sterben der sowjetischen Kriegsgefangenen in deutschen Lagern kein Thema f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland: Nat\u00fcrlich habe es im Krieg auch H\u00e4rten f\u00fcr die sowjetischen Gefangenen gegeben, schlimmer aber seien die Leiden deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion wie auch der Massenflucht aus dem Osten gewesen. 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