Meldungen

KOHTAKTbI-Solidarität in Armenien

(Oktober 2017) Im September überwiesen wir 10.000 € an den „Verein der rehabilitierten Gefangenen des 2. Weltkriegs” in Jerewan/Armenien. Gestern erhielten wir die Belege über die Auszahlung des Geldes an die Vereinsmitglieder und diesen Bericht (in Deutsch):
“Ihre lieben Spenden sind, wie wir bereits mehrfach erfahren haben, für die Besorgung der notwendigsten Medikamente unserer betreffenden Vereinsmitglieder sowie für die Erleichterung ihrer äußerst schweren Notlage verwendet worden. Über sieben von ihnen haben sich dabei stationär behandeln lassen, was ihnen von den Ärzten zuvor dringend empfohlen war. Außerdem sind weitere zwei Mitglieder bereits erfolgreich operiert worden, und ihre Genesung geht, wie uns vor kurzem berichtet wurde, ganz gut voran.
Bei der Begünstigung von Herrn Papjan ist es dabei zu einem glücklichen Zufall gekommen, worüber ich Ihnen berichten möchte. Unser Gremium war auf der Fahrt nach Jeghegnadsor und hatte nicht geplant, am gleichen Tag Herrn Papjan, der in Idschewan bzw. etwas weit entfernt in einer anderen Richtung wohnt, zu begünstigen, als sie von ihm einen Alarmanruf über die Situation seines Sohnes bekommen haben, der wegen einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus gebracht worden war, aber das Geld für die Zahlung der dringend wichtigen Behandlung nicht ausreichte. So haben unsere Vereinsfreunde sofort die Richtung geändert und sind schnellstens zum Krankenhaus Idschewans gefahren. Sie haben dort das fehlende Geld bezahlt, und nachdem die Operation erfolgreich beendet war, sind sie zu Herrn Papjan gefahren, um ihm den übrigen Teil der Spende zu übergeben. Der liebe arme Herr Papjan hat dann unser Gremium darum gebeten, Ihnen nebst der Übermittlung seines herzlichsten Dankes mitzuteilen, dass ihm die Rettung seines Sohnes auch die Rettung seines eigenen Lebens bedeutete.
Im Namen unseres ganzen Vereins möchten wir unserem Partnerverein KONTAKTE-KONTAKTY sowie allen Deutschen, durch deren Beistand und Unterstützung die Spendenaktion ermöglicht worden ist, unseren herzlichsten Dank aussprechen…”

Nachruf auf Heinz Pahlke

(September 2017) Der Verein „KONTAKTE-KOHTAKTbI” e.V trauert um sein Gründungsmitglied und langjährigen Mitarbeiter Heinz Pahlke. Er ist am 18. Mai 1950 in Berlin geboren und hat schon am Albert-Einstein-Gymnasium erste journalistische Versuche für die Schülerzeitung unternommen. Während der Schulzeit beginnen auch schon Reisen in die Länder Osteuropas. Osteuropa wird sein Lebensthema bleiben. Trotz seiner journalistischen Ambitionen studiert Pahlke erst einmal Volkswirtschaft an der TU Berlin, entfaltet aber bereits während dieser Zeit journalistische Tätigkeit in den Bereichen Lokales und Wirtschaft. Anfang der siebziger Jahre arbeitet er im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt” mit und beschäftigt sich mit literaturtheoretischen Themen. In den achtziger Jahren wechselt er endgültig zum Journalismus, wo ihn zunehmend auch Verkehrssicherheit und Tourismus interessieren. Das gipfelt 1987 in einem Buch „Rosarote Zeiten? Verkehrspolitik, Bahn und Profit”.
In der Zeit beginnt er für diverse Tageszeitungen wie die „Berliner Zeitung”, die „FAZ” und die „Berliner Morgenpost” zu schreiben. Ich habe ihn damals in der Westberliner „Deutsch-Sowjetischen Gesellschaft” kennengelernt, in der auch Eberhard Radczuweit tätig war.
Nach der Wende in der DDR 1989 wird auch diese Region Ziel von Recherchereisen. Das lebhafte Reisen nach Osteuropa gipfelt 2004-2006 in der Mitarbeit an Reiseführern durch sämtliche osteuropäische Staaten.
Seit Ende der Neunziger beschäftigt sich Pahlke zunehmend mit Internet und Online-Publishing. Das wird sein zweites berufliches Standbein. Er hat bis zuletzt auch die Website der „Kontakte” betreut. Ihm lag an einem Webdesign, das auch Behinderten zugänglich ist.
2008 veröffentlicht er den Titel „Buchsatz für Autoren. Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand”. 2009 eröffnet er einen eigenen Blog zu „Literatur und Philosophie”. 2010 startet er die Plattform „Buchentdeckungen”, die Veröffentlichungen kleiner Verlage vorstellt.

Aus dieser reichen Tätigkeit wurde Heinz Pahlke am 20. August 2017 viel zu früh durch den Tod herausgerissen. Doch er hinterlässt viele Spuren, nicht zuletzt bei den „Kontakten”, die ihm zu großem Dank verpflichtet sind.

Gottfried Eberle

Wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann dann?
Talmudtraktat Pirque Aboth, 1,14.

Eberhard Radczuweit

8. November 1941 – 8. August 2017.

Wir haben unseren Freund Eberhard verloren – einen Menschen der Zuwendung zum Nächsten, ein pragmatischer Idealist, der mit Würde bewahrenden Initiativen die Leiden krebskranker Kinder wie auch die Lebensgeschichten sowjetischer Kriegsgefangener nach Umständen extremer Entrechtung wahrnahm und Wege der Hilfe fand. In bewegender zwischenmenschlicher Gebundenheit gründete er 1990 den Verein KONTAKTE-KOHTAKTbl, in dem er mit persönlichem Mut und einer Praxis der sozialen Verpflichtung wider alle Misstrauensbewegungen an einer stärkenden Freundschaft mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion arbeitete. Sein ethisches Vermächtnis dieser Würde stabilisierenden „Kontakte” ruht in der Gewissheit, dass nichts so bleiben muss, wie es ist.

In Dankbarkeit und Trauer

KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. – der Vorstand

Foto: Christian Schwartz

Wir alle trauern um Eberhard Radczuweit, der unseren Verein 1990 gegründet hat und ihn seither bis zu seinem Tod in aufopferungsvoller Arbeit betreut hat. Es soll an dieser Stelle sein Leben gewürdigt werden. Er ist 1941 in Berlin-Friedenau geboren, lebte bis zur Gründung der DDR in Finsterwalde, wo er eingeschult wurde. Seine weitere Kindheit verbrachte er im Rheinland. Mit 17 trat er in eine Kunstschule in Düsseldorf ein, und ein Jahr später begann er an der damaligen Hochschule für Bildende Künste (heute Universität der Künste) ein Studium im Fachbereich Freie Malerei. Seit den 70er Jahren war er aktiv in der Friedensbewegung und setzte sich zunehmend mit den Feindbildern des Kalten Kriegs auseinander. In der Westberliner DSF (Deutsch-Sowjetische Freundschaft) organisierte er Kulturveranstaltungen, sogenannte „Tage der UdSSR”, veranstaltete Stadtteilfeste zu verschiedenen sowjetischen Republiken, verließ schließlich aber die Gesellschaft wegen ihrer poststalinistischen Mentalität. Ende der 80er Jahre rief er zur Gründung einer überparteilichen Vereinigung auf, die 1990 vom damaligen Präsidenten der Hochschule der Künste ins Leben gerufen wurde. Seither arbeitete er ohne Unterbrechung in diesem Verein für Kontakte zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ein besonderes Anliegen waren ihm die sowjetischen Kriegsgefangenen unter dem NS-Regime. Unermüdlich kämpfte er für ihre finanzielle Unterstützung durch Spendenaufrufe und Petitionen, die im letzten Jahr endlich, spät genug, eine Hilfe von 10 Millionen € seitens der Bundesregierung bewirkten. Das zweite große Projekt kristallisierte sich in einem Moskau-Berlin-Protokoll, einer Therapiestudie zur Heilung leukämiekranker Kinder. Es konnte bewirken, dass dort die Überlebensrate leukämiekranker Kinder heute genauso hoch ist wie bei uns.

Die Begegnungen, die er bewirkte, lassen sich gar nicht zählen. Ein wichtiges Medium zur Völkerverständigung war ihm die Musik. In einer Zeit, in der im Kaukasus Krieg herrschte, versammelte er unter dem Motto „Kaukasischer Frieden” junge Musiker aus Armenien, Aserbeidschan und Georgien zu einem Orchester, das 14 Tage in Berlin auf ein Konzert zu arbeitete. Für den Verein stellt sich die Frage, wie es nach Eberhard Radczuweits Ableben weitergehen kann. Ohne Frage ist er unersetzlich. Seine umfassenden Kenntnisse lassen sich nicht ohne weiteres erwerben. Dennoch sind wir fest entschlossen, die Arbeit von KONTAKTE-KOHTAKTbI fortzusetzen. Zwei neue Mitarbeiterinnen arbeiten an der Verwirklichung eines großen Projekts, das deutsche, russische und ukrainische Studentinnen und Studenten im Gespräch über Formen des Gedenkens an sowjetische Kriegsgefangene zusammen führen soll. Die solidarische Unterstützung und Anerkennung von „vergessenen” Opfern des deutschen Angriffskriegs auf die Sowjetunion wird weiter ein Anliegen von KONTAKTE-KOHTAKTbI sein, der Schwerpunkt sich von den sowjetischen Kriegsgefangenen auf die Überlebenden der verbrannten Dörfer in Belarus verlagern. Das Leukämie-Projekt bleibt weiter ein Anliegen. Aufgeschlossenheit für neue Projekte besteht. Und es werden die bewährten Reihen „Montags-Film” und monatlicher kultureller Jour fixe weitergeführt. Um das alles zu tun, sind wir auf die Treue unserer Mitglieder angewiesen, die sie uns bisher gehalten haben und hoffentlich auch weiter halten. Und wir bedürfen weiterhin der finanziellen Zuwendungen. Mit gemeinsamer Kraft können wir die Zukunft des Vereins sichern und sein segensreiches Wirken fortsetzen.

Gottfried Eberle, Vorsitzender des Vorstands

Bericht von Nugsar Andguladse

(Juli 2017) Montag und Dienstag unternahm ich eine Fahrt, um Geld von KONTAKTE für vier weitere ehemalige sowjetische Kriegsgefangene zu verteilen …

Am 24.07.2017 besuchte ich die kleine und wunderschöne Bergbaustadt Tschiatura. Sie ist berühmt für ihr hochwertiges Manganerz und das weltweit größte Seilbahnnetz. Ich hatte erfahren, dass unser Veteran, Lawrentij Enukidse, am 28.07. eine Augenoperation (Grauer Star) haben wird und dringend Geld dafür benötigt. Man kann kaum einen besseren Kandidaten für die Unterstützung durch KONTAKTE finden!

So tauchte ich bei ihnen auf und die Freude der Familie war grenzenlos. Herr Enukidse hat im Mai dieses Jahres seinen 98. Geburtstag gefeiert, und fühlt sich recht gut, aber seine Augen werden schlechter. Er war ein Offizier, Oberstabsarzt. Während seiner Kriegsgefangenschaft unternahm er vier Fluchtversuche, der letzte erfolgreich. Später war er 25 Jahre lang Leiter des Gesundheitswesens seiner Heimatstadt Tschiatura. Er ist Doktor der Medizin, Autor von drei Monographien, hat ungefähr 40 Artikel und fünf Bücher geschrieben. Er hat bis zum 88. Lebensjahr aktiv als Mediziner gearbeitet. Seine Tochter Etheri ist auch Ärztin.

KOHTAKTbI-Solidarität in Georgien

(Juli 2017) Am 20. Juli beendeten unsere Partner von der georgisch-ukrainischen Vereinigung „Drushba”, Nugzar Andguladze und Larisa Pokolenko, ihre Reise in die georgischen Berge. Sie hatten 36 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene besucht, um ihnen Geld zu überbringen, das von KONTAKTE-KOHTAKTbI als Nothilfe überwiesen worden war. „Drushba” hatte die Liste der Bedürftigen im April übermittelt, aber wir hatten die Summe erst im Juli; in der Zwischenzeit waren vier der Bedürftigen gestorben.

Larisa und Nugzar berichten: „Leider müssen uns die meisten Veteranen im Bett begrüßen und können nicht aufstehen …. Unsere Begegnungen waren sehr emotional. Die Renten der alten Leute sind vernachlässigungswert. Viel von ihnen konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, auch ihre Kinder weinten … Immerhin betreuen sie ihre alten Eltern, aber viele von ihnen sind arbeitslos. Und plötzlich öffnen sich ihre Türen und Geld von KONTAKTE-KOHTAKTbI wird ihnen ausgehändigt. Ihr könnt Euch die Freude vorstellen. Besonders, wenn die moralische Seite der Sache dazukommt, und die Veteranen verstehen, dass die Kinder und Enkel von denen, die ihnen Böses getan haben, jetzt um Entschuldigung bitten.

Solidarität im 2. Quartal 2017

(Juli 2017) Partnerschaft für leukämiekranke Kinder in Russland und Belarus: 8600 €.
Das Geld wurde verwendet für die Moskauer Studienzentrale und für Reisekosten der MItglieder einer neu konstituierten „Steuerungsgruppe”, sowie für Reisekosten usbekischer Ärztinnen zu einem Studienaufenthalt in Moskau.

Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer: 9.939,65 € für Mitglieder des Vereins der rehalbilitierten Gefangenen des 2. Weltkriegs.
Die vergleichsweise geringe Summe liegt am starken Rückgang der Spenden im zweiten Quartal 2017.

Bundesverdienstkreuz an Eberhard Radczuweit

Foto: privat

(Mai 2017) Der Heidelberger Historiker Christian Streit, Autor des Standardwerks über sowjetische Kriegsgefangene, „Keine Kameraden”, fragte voriges Jahr E. Radczuweit nach dessen Einverständnis zum Vorschlag einer Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Er begründete das mit „hartnäckigen und doch sehr erfolgreichen Bemühungen, wenigstens einen Teil des fürchterlichen Nazischutts auf den Beziehungen zwischen dem deutschen Volk und den Völkern der ehemaligen Sowjetstaaten beiseitezuräumen …”
Am 9. Mai übergab die Schöneberger Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler das Bundesverdienstkreuz, was Mitglieder von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. am folgenden Abend ausgiebig feierten. Radczuweit sagte, er nähme das Bundesverdienstkreuz an stellvertretend für die vielen Förderinnen und Förderer des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer in Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Solidarität im 1. Quartal 2017

(April 2017) Partnerschaft für leukämiekranke Kinder in Russland und Belarus: 16 100 €.
Diese Spenden wurden verwendet für die Arbeit der Moskauer Zentrale der multizentrischen Studie „Moskau-Berlin-Protokoll”, nach der jährlich über 700 leukämiekranke Kinder in Russland, Belarus, Armenien und Usbekistan behandelt werden.

Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer: 115 072 €.
Begünstigt wurden

  • in Georgien am 11. Januar ehemalige sowjetische Kriegsgefangene mit 12 000 €, Verwendungszweck: Besorgung von Heizmitteln (Brennholz, Heizöl) und am 28. März 12 000 €, Verwendungszweck: medizinische Hilfe;
  • in der Ukraine am 28. Februar ehemalige sowjetische Kriegsgefangene mit 10 000 €, Verwendungszweck: medizinische Hilfe und Nothilfen, z.B. Reparatur der Heizung;
  • in Belarus am 23. März 60 000 € an 200 Überlebende der Massaker in Dörfern, die von der deutschen Besatzungsmacht niedergebrannt wurden;
  • in Armenien am 25. Januar 20 072 € an Mitglieder des Vereins der rehabilitierten Gefangenen des Zweiten Weltkrieges, Verwendungszweck: medizinische Hilfe und Heizmittel.