Meldungen

KONTAKTE-Solidarität mit „vergessenen“ NS-Opfern

(Dezember) Unsere Solidarität mit den NS-Opfern in Ländern der ehemaligen Sowjetunion geht weiter, denn „offensichtlich gibt es niemand anderen, an den sie sich wenden können“, wie unser georgischer Partner Nugzar Andguladze uns schrieb. Leider mussten wir im Sommer Bitten um Unterstützung abschlägig bescheiden. Trotzdem konnten wir im August 5.000 € für die Beschaffung von Medikamenten für ehemalige sowjetische Kriegsgefangene in die Ukraine überweisen. Im September und November überwiesen wir Geld für Medikamente und Heizmaterial (jeweils 12.000 €) nach Georgien und im November nach Armenien (10.000 €).

Im November konnten wir auch Geld nach Belarus für die Überlebenden der verbrannten Dörfer schicken (45.000 €). Das Geld ist ihnen natürlich auch wichtig, denn sie sind arm, aber unser Hauptanliegen ist die Anerkennung der Überlebenden der verbrannten Dörfer als NS-Opfer. Unsere Projektpartnerin berichtet uns immer wieder, dass die Briefe, die wir mit den 300 € schicken, für die Menschen genau das bewirken: In Deutschland denkt jemand an sie und weiß etwas über ihr Schicksal. Die Überlebenden haben als Kinder erlebt, wie ihre Nachbarn und Verwandten ermordet wurden oder zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, haben im Lager oder mehr als ein Jahr in den Sümpfen und Wäldern überlebt. Und trotzdem gilt ihr Schicksal in Deutschland und in Belarus als „allgemeines Kriegsschicksal“.

 

“Blinde Flecken” –  Eine öffentliche Vorlesung in Moskau

(November) Am 16.11.2018 fand im Rahmen unseres Projektes „Memory-Wiki – Auf den Spuren der Erinnerung an vergessenen NS-Opfern in Russland, Deutschland und der Ukraine“ eine öffentliche Vorlesung bei unserem Moskauer Projektpartner der Higher School of Economics statt. Der Historiker Dmitrij Stratievski trug seine Thesen unter dem Titel „Blinde Flecken – Erinnerungskultur in Russland und Deutschland. Über die vergessenen NS-Opfer am Beispiel der sowjetischen Kriegsgefangenen” vor. Es standen die historischen, politischen und auch ganz praktischen Gründen im Zentrum, die dazu beitrugen und beitragen, dass diese Opfergruppe erst relativ spät und bis heute sehr rare wissenschaftliche Aufarbeitung erfährt. Damit im Zusammenhang steht auch die “Vergessenheit”, in der das an ihnen begangene Unrecht sowohl in der deutschen als auch in der russischen Gersellschaftbis heute liegt. Herr Stratievskis derzeitige Aufmerksamkeit gilt seiner Arbeit in einem deutsch-russischen Datenbank-Projekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“, welches vor allem zur Schicksalsklärung von sowjetischen Krigesgefangenen beitragen soll. Mehr dazu finden Sie hier.
Eine vor allem studentische Zuhörerschaft brachte im Anschluss viele Fragen ein und es wurden auch die Situation in der Ukraine und in Belarus in den Blick genommen.
Die Veranstaltung wurde gefördert durch:
Stiftung Erinnerung Lindau

 

Neue Spender-Rundbriefe erschienen!

(November) Die neuen Spender-Rundbriefe für das Leukämie-Projekt und für das Bürger-Engagement für NS-Opfer sind ab sofort hier auf unserer Seite zu finden. In diesen können Sie mehr erfahren über die laufende Arbeit in den Projekten vor Ort,  ihre finanzielle Situation sowie die zukünftigen Notwendigkeiten, bei denen unsere Unterstützung gebraucht wird:

Rundbrief Partnerschaft für leukämiekranke Kinder

Rundbrief Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer

 

Memory-Wiki: Erste Projektbegegnung in Bremen

(Oktober) Vom 20. -27. September fand unsere erste Projektbegegnung des Projektes “Memory-Wiki – Auf den Spuren der Erinnerung an vergessene NS-Opfer” in Bremen statt. Studierende und Lehrende der Geschichtswissenschaften aus Rostov, Dnipro und Moskau trafen sich mit KollegInnen aus der Universität Bremen um die gemeinsame Arbeit über die Erinnerungskulturen an vergessene NS-Opfergruppen wie die sowjetischen Krigesgefangenen in den beteiligten Ländern zu beginnen.
Sehr lehrreich war für viele der Besuch der noch jungen Gedenkstätte Denkort Bunker Valentin und die damit verbundene lange Geschichte von Vergessen und Verdrängen. Besonders beindruckt haben auch die bürgerschaftlichen Initiativen wie die Internationale Friedensschule Bremen-Nord oder die Baracke Wilhelmine, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich wichtige Erinnerungs- und Forschungsarbeit im Raum Bremen leisten.
Zwei Tage verbrachten wir in der Gedenkstätte Lager Sandbostel und hatten hier die Möglichkeit mehr über den gezielt mörderischen Umgang mit den sowjetischen Kriegsgefangenen in den Lagern der Wehrmacht zu erfahren.
Aber auch das gegenseitige Kennenlernen stand im Mittelpunkt dieses ersten Treffens und es kam nicht nur zu einem regen Austausch zwischen den TeilnehmerInnen selbst, sondern auch zwischen ihnen und Bremer BürgerInnen der älteren Generation, die sich seit Jahrzehnten mit hohem persönlichem Engagement um die öffentliche Wahrnehmung von vergessenen Verbrechen und die Opfer kümmern.
Nun schauen wir mit großer Freude der weiteren Zusammenarbeit und den gemeinsamen Treffen entgegen.
 


Das Projekt wird gefördert durch:
Stiftung Erinnerung Lindau

 

 

KONTAKTE-Solidarität mit ehemaligen Kriegsgefangenen und Überlebenden der verbrannten Dörfer

(August) Im Mai und Juni übermittelten wir Geld an ehemalige sowjetische  Kriegsgefangene in Georgien (12.000 €), Armenien (10.000 €) und der Ukraine. Dort gaben wir einen Zuschuss zur Krankenhausbehandlung eines  ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen, die eigentlich unentgeltlich sein sollte.
Es war uns auch möglich, fünzig weiteren Überlebenden der verbrannten Dörfer in Belarus Briefe und ein Geldgeschenk zukommen zu lassen. 2018 ist ein Gedenkjahr, denn 1943 zerstörten Wehrmacht und SS dort über 600 Dörfer, ermordeten die Einwohner oder verschleppten sie zur Zwangsarbeit ins KZ.
Zu den Fotos: David Maglaperidse aus Georgien unterschreibt die
Einwilligung, dass sein Foto auf unserer homepage erscheinen darf.
Tigran Stepanjan aus Armenien mit der Spende.
Ein bei jeder Geldverteilung neu gebildetes Gremium, dem vier Vereinsmitglieder angehören, entscheidet über die Höhe der jeweils ausgezahlten Summe.

Tigran Stepanjan, Foto: privat.
David Maglaperidze, Foto: privat

 

“Post für dich!” – Ein Workshop für Jugendliche zu den vergessenen NS-Opfern

Flyer zur Bewerbung des Workshops.

(Juli) Wir haben in den letzten Monaten an einer neuen Form gearbeitet Schülerinnen und Schülern die Briefe von ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen – die Freitagsbriefe – zugänglich zu machen. Dabei heraus gekommen ist ein Workshop für Jugendliche ab Jahrgangsstufe 9/10. Anhand ausgewählter Briefe machen die Jugendlichen Bekanntschaft mit dem Schicksal dieser immer noch wenig bekannten Opfergruppe und kontrastieren die persönlichen Lebenserinnerungen mit den Bestimmungen der Genfer Konvention zur Behandlung von Kriegsgefangenen. Dadurch soll eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus gefördert werden, die auch die Brücke in die Gegenwart schlägt und nach dem heutigen Umgang mit den Opfern fragt. Dieser Workshop kann ab jetzt auch in Einfacher Sprache und für Gebärdensprache-Verständige über das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst gebucht werden.

Mehr Informationen findet man hier im Flyer.

Die Erstellung des Workshops wurde gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Podiumsdiskussion »Die »vergessenen« Opfer des Nationalsozialismus – Wie erinnern?«

v.l.n.r. Florian Wieler, Ragna Vogel, Rosanna Dom, Bozhena Kozakevych, Svetlana Burmistr. Foto: “Erinnerung bewahren”

(Juli) Am 27. Juni 2018 fand im Ort der Information des Denkmals für die ermordeten Juden Europas eine Podiumsdiskussion unter dem Titel »Die »vergessenen« Opfer des Nationalsozialismus – Wie erinnern?« statt. Die Zerstörung des belarussischen Ortes Chatyn vor 75 Jahren nahmen der Verein Kontakte-Контакты e.V. und die Initiative Gedenkort für die Opfer NS-“Lebensraum”-Politik zum Anlass, um das gegenwärtige Gedenken an die verschiedenen Opfergruppen zu diskutieren und anhand zweier erinnerungspolitischer Projekte das zukünftige Gedenken zu diskutieren.
Svetlana Burmistr und Bozhena Kozakevych stellten das internationale Projekt »Erinnerung bewahren« vor. Am Beispiel einiger Projektorte in der Ukraine veranschaulichten sie, wie an teilweise ganz vergessenen Orten der Massenvernichtung von Juden oder Roma und Sinti Orte des Gedenekns entstehen. Tobias Wieler stellte die Initiative »Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik« vor. Die Initiative setzt sich seit 2013 für die Errichtung eines zentralen Gedenkortes ein, der verschiedener Opfergruppen des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges in Mittelost- und Osteuropa gedenken soll.
Bei der anschließenden Diskussion, die von Rosanna Dom und Ragna Vogel moderiert wurde, ging es um die Gründe für das Verdrängen verschiedener Opfergruppen und um die Herausforderung der Initiative »Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik«, verschiedene Opfergruppen zu würdigen, ohne sie in Konkurrenz miteinander zu bringen.

Wir danken der Berliner Landeszentrale für politische Bildung für die finanzielle Unterstützung und der Stiftung Denkmal für die Räumlichkeiten.

Die “vergessenen” Opfer des Nationalsozialismus – Wie erinnern?

Studierende diskutieren, Foto: Rosanna Dom

(Juni) Am 23. Mai und am 13. Juni hatten KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. und die
Initiative Gedenkort für die Opfer der NS-“Lebensraum”-Politik Studierende zu einem Workshop eingeladen, um die Erinnerung an bislangvernachlässigte Opfergruppen des Nationalsozialismus zu diskutieren.
Unter Anleitung von Elisabeth Anschütz standen am ersten Termin die  Rekonstruktion der

Studierende im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst, Foto: Florian Wiele

Vernichtung Chatyns als Beispiel für den
Verbrechenskomplex der verbrannten Dörfer und der deutsche Vernichtungskrieg im Osten Europas im Mittelpunkt. Im zweiten Teil besuchten wir das Deutsch-Russische Museum und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit um uns zwei Möglichkeiten der Erinnerung und Information
vor Augen zu führen. An beiden Terminen ergab sich ein anregender Austausch zu verschiedenen Aspekten nationalsozialistischer Verbrechen
und der Relevanz der heutigen Aufarbeitung und Erinnerung.
Der Workshop wurde finanziert von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung.

8. Mai 2018 – С праздником!

Eindrücke vom 8. Mai.
Kranzniederlegung im Tiergarten

  

 

 

 

 

Lesung der Briefe Überlebender verbrannter Dörfer in Belarus auf dem Museumsfest des Deutsch-Russischen Museums. In intensiver, konzentrierter Atmosphäre lasen die Künstler Charles Toulouse und Mikhail Kaluzhsky eine Auswahl aus unsere Korrespondenz mit Überlebenden verbrannter Dörfer in russischer und deutscher Sprache.

 

Workshop für Studierende: “Die ‘vergessenen’ Opfer des Nationalsozialismus – Wie erinnern?”

(April) Die Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen war und ist von vielfachen Konflikten begleitet und so manche Opfergruppen befinden sich immer noch am Rande des öffentlichen Bewusstseins. Zu diesen gehört auch die Zivilbevölkerung Osteuropas. Um ein zeitgemäßes Gedenken im Rahmen der bereits bestehenden Erinnerungskultur zu entwickeln, ist nun eure Beteiligung gefragt! Der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbI und die Initiative Gedenkort für die Opfer der NS-»Lebensraum«-Politik laden zu einem zweitägigen Workshop ein. Am Beispiel des Falls Chatyn entwickeln wir eigene Konzepte zur Berücksichtigung bislang »vergessener« Opfergruppen nationalsozialistischer Verbrechen.

Einladung zum Workshop

Anmeldung bis zum 16. Mai bei: info(at)gedenkort-lebensraumpolitik.de 

 

Podiumsdiskussion zu 75 Jahre Chatyn – “Verbrannte Dörfer” im Osten Europas

(April) Am 25. April diskutierten Natalja Kyrillova (Friedensstiftung Minsk, ehemalige Leiterin der Gedenkstätte Chatyn) und Stephan Lehnstaedt (Touro College Berlin) mit Peter Jahn (Historiker, ehemaliger Leiter des Deutsch-Russischen Museums) im Haus der Demokratie und Menschenrechte vor einem interessierten und zahlreich erschienen Publikum. Anlässlich der Vernichtung des belarussischen Dorfes Chatyn durch eine SS-Einheit vor 75 Jahren stand das Schicksal der sogenannten verbrannten belarussischen Dörfer im Mittelpunkt des Abends.

Natalja Kyrillova konnte durch ihre langjährige Arbeit mit den Überlebenden und in der zentalen Gedenkstätte Chatyn die Ereignisse aus der Sicht der Opfer sehr konkret schildern. Sie berichtete von der Entstehung des sehr ungewöhnlichen sowjetischen Denkmals für Chatyn, welches ausschließlich den Opfern gewidmet wurde und sich nicht in die bis dahin verbreitete Heldenerinnerung einreihen ließ und lässt.

Stephan Lehnstaedt erörterte die Formen der Beteiligung sämtlicher Tätergruppen an den Verbrechen und stellte dar, wie sich die rassistische Ideologie mit pragmatischen Erwägungen bei der Planung und Durchführung der Verbrechen verbanden und zu der hohen Opferzahl unter der friedlichen Zivilbevölkerung führten.

Wir danken der Berliner Landeszentrale für politische Bildung für die finanzielle Unterstützung und allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die zu diesem Abend beigetragen haben.

 

KONTAKTE-Solidarität mit ehemaligen Kriegsgefangenen in Armenien

(April 2018) Ende März konnten wir auf eine dringende Anfrage aus Armenien 10.000 €
überweisen, die hauptsächlich für medizinische ambulante und stationäre
Behandlungen ausgegeben werden. Leider ist es uns zur Zeit, Ende April, wegen fehlender Mittel nicht möglich, auch der Anfrage aus Georgien nach Unterstützung für Arztbehandlungen zu entsprechen.

 

KONTAKTE-Solidarität mit ehemaligen Kriegsgefangenen in Armenien

(März 2018) Eine langjährige Spenderin für die ehemaligen sowjetischen
Kriegsgefangenen besuchte spontan den Verein der rehabilitierten
Gefangenen des 2. Weltkriegs in Jerewan und begleitete den Vorstand bei
der Auszahlung unserer letzten Überweisung von 10.000 € im Februar. Der
Rollstuhl von Artasch Hambarzunjan konnte vor einiger Zeit mit Hilfe von
Spenden von KONTAKTE-KOHTAKTbI angeschafft werden. Aschot Hayruni
schreibt uns: “Die Spenden sind von unseren Mitgliedern vor allem für
die Besorgung der notwendigsten Medikamente und mangelnder Heizmittel
verwendet worden. Fünf Mitglieder wurden stationär behandelt. Drei
weitere Mitglieder sind erfolgreich operiert worden, und es geht ihnen,
wie wir bereits erfahren haben, schon wieder gut.”

 

Unterstützung ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener im Februar 2018

Auch im Februar sind wir von unseren Partnern in Georgien und Armenien
dringend um Unterstützung für die von ihnen betreuten ehemaligen
sowjetischen Kriegsgefangenen gebeten worden. “Drushba” in Georgien bat
um Geld für Heizkosten und wir konnten 12.000 € überweisen, sodass es
eine wirkliche Hilfe war. Nach Armenien gingen einige Tage später 10.000
€ für allgemeine Unterstützung. Wir sind dankbar, dass es uns unsere
Spender ermöglichen, den an ihrem Lebensende zu helfen, in Ländern, in
denen es kaum Sozialleistungen gibt und die wirtschaftliche Lage der
Angehörigen keine Hilfe erlaubt.

Nugzar Anduladze von der Organisation Drushba in Georgien schickte uns
Photos einiger sehr rüstiger Veteranen, Wachtang Schwelidze hat ihm
berichtet, dass er seit der zweiten Grundschulklasse raucht…

 

KONTAKTbI-Solidarität mit „vergessenen“ NS-Opfern im Dezember 2017

(Januar 2018) In diesem Jahr konnten wir die Spenden, die wir zum Jahresende erhielten, sofort weitergeben. Da uns aus Armenien und Georgien dringende Hilferufe erreicht hatten, sind wir dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, direkt darauf zu reagieren.
Ende November überwiesen wir 10.000 € an unsere Partnerorganisation, die Internationale Stiftung „Gegenseitige Verständigung und Toleranz“ in Kiew, nachdem wir recht lange auf die Genehmigung zur steuerfreien Auszahlung gewartet hatten. Seit Ende Dezember erhalten wir die Belege über die erhaltenen Medikamente, manchmal sogar von den Veteranen selbst unterschrieben.

Nach Georgien gingen am 27. Dezember 12.000 € für Heizmaterial, das Geld wurde innerhalb einer Woche von unseren Partnern persönlich übergeben.

15.000 € konnten wir nach Armenien überweisen. Von dort berichtet Prof. Hayruni vom Verein der rehabilitierten Gefangenen des Zweiten Weltkriegs in Jerewan:
„Täglich bekommen ich und unsere Vereinsleitung sowie unser Gremium und die Büromitarbeiterin Telefonate von unseren lieben alten Vereinsmitgliedern und ihren Angehörigen, die Euch wieder und wieder ihren herzlichsten Dank für die Begünstigung nebst ihren lieben herzlichsten Grüßen übermitteln möchten… gestern Abend, als unsere Vereinsleitung vom Herrn Ruben Chlgatjan angerufen wurde, hat er gesagt: „Die Spenden, die wir von KONTAKTE-KONTAKTY bekommen, haben eine unschätzbare Bedeutung für die Erleichterung unserer ansonsten kaum mehr erträglichen gesundheitlichen und sozialen Situation. Die beinhaltet aber nicht nur die Geldbeträge, sondern auch solch eine brüderliche Handreichung, solch eine seelische Unterstützung, dass ich mich bei deren Erhalt in meinem besten jungen Alter und so glücklich fühle, wie ich nie gewesen bin…”
Aber natürlich auch Meldungen wie: „In der letzten Nacht sind im Abstand von wenigen Stunden zwei unserer lieben alten Mitglieder, nämlich, Herr Sahak Petrosjan und Herr Anuschawan Sarojan, die seit vielen Monaten schwer krank im Bett lagen, gestorben. Es ist aber gut, dass sie die letzte Begünstigung erhalten konnten.“

An die Überlebenden der verbrannten Dörfer gingen 60.000 €, dieses Mal in das Gebiet Mogiljow. Durch Zeitungsartikel haben die Betroffenen in diesem Gebiet schon von unseren Aktivitäten erfahren, es ist gut, dass sie nun sehen, dass auch sie für uns wichtig sind. Die Auszahlungen können allerdings erst beginnen, wenn es eine ministerielle Genehmigung dafür gibt, auf die unsere Partner noch warten.

 

Marion-Samuel-Preis für Kontakte-Kontakty

Foto: Augsburger Allgemein(Dezember 2017)

(Dezember 2017) Am 11.12.2017 erhielt unser Verein den Marion-Samuel-Preis der Stiftung Erinnerung Lindau für unser Engagement für die Überlebenden nationalsozialistischer Verbrechen und die gesellschaftlichе Anerkennung der Leiden dieser “vergessenen” Opfer. Wir sind sehr dankbar und stolz über diese Auszeichnung und die damit verbundene Unterstützung unserer Arbeit und danken Christian Streit für seine Laudatio.
Die Augsburger Allgemeine berichtete am 12.12. darüber: “Damit kein neues Unrecht geschieht”.

 

Ehrenurkunde und die Medaille “Verdienter Friedensstifter”

(November 2017) Am 10. November nahmen Sibylle Suchan-Floß und Gottfried Eberle mit der sprachlichen unterstützung von Karin Ruppelt von Natalja Kirillova  von der Belarussischen Friedensstiftung eine Ehrenurkunde und die Medaille “Verdienter Friedensstifter” entgegen. Der

Sibylle Suchan-Floß mit der Urkunde. Foto: Ragna Vogel

Verein und posthum Eberhard Radczuweit erhielten diese Auszeichnung für “… den Einsatz für Verständigung zwischen Menschen und Völkern und für die Unterstützung von Überlebenden der verbrannten belorussischen Dörfer.” – so heißt es im Bericht der Stiftung über diese Verleihung.
Seit 2012 übermittelt Kontakte-Kontakty regelmäßig finanzielle „Gesten der Anerkennung des erlittenen Unrechts“ an diese weitere Gruppe von “vergessenen” Opfer des Nationalsozialismus und korrespondiert mit den Betroffenen. Die Zeitzeugenberichte können hier gelesen werden.

 

Verteilung der Spenden aus Deutschland an ehemalige sowjetische Kriegsgefangene in Armenien und Georgien

(Dezember 2017) Ende November erhielten wir die Abrechnung über die 15.000 €, die wir Anfang des Monats nach Armenien überwiesen hatten. Die Empfänger unterschreiben auf einer langen Liste, die wir in einem mit sehr vielen Briefmarken beklebten Umschlag erhalten. Der Verein der rehabilitierten Gefangenen des 2. Weltkriegs schreibt uns dazu (auf Deutsch):
“Ihre lieben Spenden sind von unseren Mitgliedern für die Besorgung der Heizungsmittel (Brennholz, Öl usw.) verwendet worden. Dadurch waren sie imstande, wenigstens für die meiste Winterzeit, die in den Bergbezirken gewöhnlich bis Ende April dauert, für die Heizung ihrer Wohnräume zu sorgen.”
Die Fotos von Gurgen Danieljan (94 Jahre) und Tigran Stepanjan (92 Jahre), zeigen, dass dies absolut notwendig war. Die Renten der Veteranen sind niedrig und viele der Kinder, bei denen sie wohnen, sind arbeitslos…

Auch in Georgien warten die Veteranen auf die Geldspenden aus Deutschland, um Heizmaterial kaufen zu können und auf die erstmalige Begünstigung durch KONTAKTE. Nugzar Andguladze schreibt uns: Alle lassen herzlich grüßen und erheben ihr Glas (und trinken sogar einen Schluck) auf KONTAKTE.

 

Solidarische humanitäre Hilfe von KONTAKTE-KOHTAKTbI in Georgien

(November 2017) Larisa Pokolenko und Nugsar Andguladse von unserer Partnerorganisation “Drushba” haben Anfang November 2017 die dringend benötigte Unterstützung zur Beschaffung von Heizmaterial an ehemalige sowjetische Kriegsgefangene aus Georgien verteilt. Wachtang Samcharadse besuchten sie in seinem Dorf, der 97-jährige Alexander Kochreidse holte sich das Geld persönlich zu Fuß im Gebäude des Veteranenrats in Kutaisi ab.
Larisa und Nugsar haben außerdem einen neuen ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen aus Georgien in Kobuleti am Schwarzen Meer besucht. Omar Suleimanowitsch Zezchladse ist muslimischer Georgier aus der Region Adscharien. Der 97-jährige arbeitete gerade in seinem Garten, als Larisa und Nugsar kamen. Sie berichten, dass er lebhaft von seiner Kriegsgefangenschaft in der Nähe von München berichtete und noch nie etwas von KONTAKTE-KOHTAKTbI gehört hatte. Sein Sohn hat die Dokumente an “Drushba” geschickt; wir haben sie geprüft und Herr Zezchladse wird 300 € mit der nächsten Überweisung nach Georgien erhalten.

 

Partnerreise nach Kiew und Dnipro

(Oktober 2017) Vom 8. bis 13. Oktober 2017 hatten wir mit der Unterstützung der Stiftung EVZ die Gelegenheit, alte und neue Partnerinstitutionen für gemeinsame zukünftige Projekte zu treffen. Dabei traten wir in regen Austausch mit sehr kompetenten und engagierten Menschen, die in ihren Einrichtungen wichtige Arbeit leisten.
In Kiew stellte uns Boris Zabarko, der Vorsitzende der Ukrainischen Assoziation der ehemaligen jüdischen Ghetto- und KZ-Gefangenen, seine MitarbeiterInnen und ihre alltägliche Arbeit vor

v. l. n. r.: Tatjana Archipowa, Wladimir Michailowskij, Boris Zabarko, Petr Kamene, Foto: privat
Er selbst konnte als Kleinkind den Massenerschießungen der Kiewer Juden entkommen. 

Hier erfuhren wir wieder, wie wichtig die Spendengelder von KONTAKTE-KОНТАКТЫ sind, um die wachsende materielle Not der Überlebenden angesichts der stetig steigenden Lebenshaltungskosten zu lindern. Dies ist auch ein wichtiger Teil der Arbeit der Stiftung Verständigung und Toleranz, die neben der Unterstützung von Opfern des Nationalsozialismus auch Jugendbildung und wissenschaftliche Austauschprojekte durchführt. Der Stiftungspräsident Igor Luschnikow und seine Mitarbeiterin Olena Martschuk empfingen uns in der Stiftung am Tag unserer Abreise aus der Ukraine.

Während unseres Aufenthalts in Kiew gelang es uns, in den Bezirk Darnitsa zu fahren, wo sich das Stalag Nr. 334 befand. Wir konnten zwei Denkmäler aufspüren, die vermutlich an das Leid der Kriegsgefangenen erinnern.

Denkmal im Kiewer Bezirk Darnitsa, Foto: privat

Anschließend fuhren wir zum Majdan Nezaleschnosti (Platz der Unabhängigkeit), um die Gedenkkultur um die Toten vom Euromajdan 2013/2014 zu betrachten. Auf einer langen Mauer sind die Portraits mit Name, Berufsbezeichnung, Geburts- und Todesdatum der auf den Majdan getöteten AktivistInnen aufgereiht (drei Frauen und 97 Männer).
Darüber hinaus gibt es einzelne Grabdenkmäler von Getöteten und ein größeres Denkmal, das sie als Helden rühmt. Uns berührten die Portraits stark, da wir uns noch gut an die Nachrichten von vor knapp vier Jahren erinnern konnten.

Portraits von Getöteten des Euromajdan 2013/2014 in Kiew, Foto: privat

Nach diesem Tag in Kiew stiegen wir in den Nachtzug nach Dnipro, das ehemalige Dnipropetrowsk (mit dem kommunistischen Namenspatron Grigori Petrowski), welches im Rahmen des 2015 erlassenen Gesetzes zum Verbot von Symbolen kommunistischer und nationalsozialistischer Regime umgetauft wurde. Unter anderem sollten damit die kommunistischen Spuren in fast 1000 Ortsnamen ausgelöscht werden. Doch eine Rückkehr zum vorrevolutionären Namen der Stadt, Jekaterinoslaw, war nicht möglich, da eine Erinnerung an die Zeit im Russischen Zarenreich ebenfalls unerwünscht ist. So einigte man sich darauf, die Stadt nach dem Fluss zu benennen, an dem sie liegt (Holm, Kerstin: Städte umtaufen).

Am Bahnhof von Dnipro empfing uns in früher Morgenstunde Dr. Natalja Venger, Dozentin an der Fakultät für Geschichte der Nationalen Universität Dnipro (DNU) und am dort angesiedelten Zentrum für deutsch-ukrainische Studien. Nachdem sie uns unser Zimmer im Studierendenwohnheim gezeigt hatte, gingen wir zu den zwei Denkmälern auf dem Uni-Campus, die an die Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung, von weiteren Zivilisten und von Kriegsgefangenen erinnern. Anschließend stellte sie uns dem Dekan der Fakultät für Geschichte, Sergij Svitlenko, vor, welcher uns freundlich empfing und große Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundete. Dann lernten wir Studierende der Fakultät kennen, die sich mit vielfältigen Aspekten der Geschichte des Zweiten Weltkriegs beschäftigen, und die wir hoffentlich bald in einem Projekt als Teilnehmende begrüßen dürfen!

Rosanna Dom und Ragna Vogel mit Geschichtsstudenten der DNU, Foto: privat

Natalja führte uns am Nachmittag durch die Stadt, sodass wir sowohl die Architekturdenkmäler aus der vorsowjetischen Zeit als auch die sonnige Uferpromenade des Dniprs kennenlernen konnten. Eine große Sehenswürdigkeit der Stadt ist die sogenannte Klosterinsel, auf der sich heute der Schewtscheko-Erholungspark und die St. Nikolaus Kirche befindet.

Klosterinsel in Dnipro, Foto: privat

Am Abend trafen wir den Lektor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Olaf Mittelstrass, um mit ihm gemeinsam, über eine Einbindung seiner Studierenden als Dolmetscher in ein zukünftiges Projekt nachzudenken. Er bietet Seminare für Studierende der Übersetzungswissenschaften an. Über ihn erfuhren wir auch über die Schattenseiten des Lebens in Dnipro/der Ukraine. So finden von Dezember bis Februar keine Lehrveranstaltungen an den Unis statt, weil diese aufgrund der finanziellen Engpässe nicht in der Lage sind, die Lehrgebäude zu beheizen. Die Lehrveranstaltungen dieser Monate werden vorgezogen oder nachgeholt.

Am nächsten Tag konnten wir dank der Vermittlung von Natalja den Direktor von TKUMA – Ukrainisches Institut für Holocaust-Studien, Igor Schtschupak, kennenlernen. Ziel des Institutes ist es, über den Holocaust in der Ukraine aufzuklären. Dies tut es nicht nur über wissenschaftliche Publikationen und Geschichtsschulbücher, sondern auch über das Museum Jüdisches Gedächtnis und der Holocaust in der Ukraine, welches wie das Institut im beeindruckenden jüdischen Kultur- und Geschäftszentrum Menorah untergebracht ist. Dieses prachtvolle Gebäude im Zentrum der Stadt, welches in seiner äußeren Form einem siebenarmigen Leuchter nachempfunden ist, wurde mit der finanziellen Unterstützung des Oligarchen Ihor Kolomojskyj 2012 erbaut. In kurzer Zeit scheint es sich, zu einer von vielen Bürgern aus Dnipro geschätzten und genutzten Einrichtung entwickelt zu haben.

Türme des jüdischen Kultur- und Geschäftszentrums Menorah, Foto: privat

Wiederum dank Nataljas Vermittlung stand uns dann in der zweiten Tageshälfte der Taxifahrer Sascha mit seinem Auto für einige Stunden zur Verfügung. Er fuhr uns kreuz und quer durch die Stadt und auch über die Stadtgrenze hinaus zu Orten, an denen Denkmäler oder Hinweistafeln für ermordete sowjetische Kriegsgefangene oder Psychiatriepatienten standen. Die Liste der Denkmäler hatten wir vorher über das Denkmalamt erhalten. So lernten wir die Stadt noch einmal von ganz neuen Seiten kennen und fanden in abgelegenen Stadtteilen Denkmäler, die auf ganz unterschiedliche Weise auf die erschütternden Verbrechen der nationalsozialistischen Besatzer hinweisen. So zum Beispiel das Denkmal am „Ort der Erschießung von 20 000 friedlichen Einwohnern (…)” im September 1943.

Denkmal in der vul. Akademika Angelja 35, Foto: privat

Sascha setzte uns anschließend vor einem Lokal ab, in dem auf das Betreiben des DAAD-Lektors hin ein deutscher Stammtisch einmal im Monat stattfindet. Er hatte uns sehr darum gebeten, dazuzustoßen, da die Deutschlernenden sich immer sehr über den Austausch mit Muttersprachlern freuen.

Der letzte Tag war dem Besuch des Nationalen Historischen Museums Dnipropetrovsk gewidmet. Die sehr kompetente Führung von zwei MitarbeiterInnen durch die Ausstellung über die Zeit der deutschen Okkupation der Stadt Dnipro machte die Vielschichtigkeit von Geschichtsdeutung in der Ukraine sehr deutlich. Außerdem trafen wir dort den Direktor der historischen Such-Organisation Poisk-Dnepr, Andrij Bischko, der uns von den vielen unbekannten Orten im Gebiet von Dnipro berichtete, an denen bis zum heutigen Tage seine Organisation nach den Überresten von gefallenen Soldaten oder durch Massenerschießungen umgekommene Rotarmisten und Zivilisten des Zweiten Weltkriegs sucht.
Und zum Schluss traf uns mit voller Wucht die neue Ausstellung zu den aktuellen Geschehnissen im Osten der Ukraine. Das Museum ist eines der ersten im Lande, welches in diesem Umfang den noch nicht beendeten Konflikt thematisiert. So hängen nun an der Wand gegenüber von den Helden des Zweiten Weltkrieges die „neuen Helden”, die seit 2014 in dem bewaffneten Konflikt in den Gebieten Luhansk und Donezk getötet wurden.

Ausstellung des historischen Museums zum Konflikt im Osten der Ukraine seit 2014, Foto: privat

Körperlich erschöpft aber voller intensiver Eindrücke kehrten wir nach Berlin zurück.

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KOHTAKTbI-Solidarität in Armenien

(Oktober 2017) Im September überwiesen wir 10.000 € an den „Verein der rehabilitierten Gefangenen des 2. Weltkriegs” in Jerewan/Armenien. Gestern erhielten wir die Belege über die Auszahlung des Geldes an die Vereinsmitglieder und diesen Bericht (in Deutsch):
“Ihre lieben Spenden sind, wie wir bereits mehrfach erfahren haben, für die Besorgung der notwendigsten Medikamente unserer betreffenden Vereinsmitglieder sowie für die Erleichterung ihrer äußerst schweren Notlage verwendet worden. Über sieben von ihnen haben sich dabei stationär behandeln lassen, was ihnen von den Ärzten zuvor dringend empfohlen war. Außerdem sind weitere zwei Mitglieder bereits erfolgreich operiert worden, und ihre Genesung geht, wie uns vor kurzem berichtet wurde, ganz gut voran.
Bei der Begünstigung von Herrn Papjan ist es dabei zu einem glücklichen Zufall gekommen, worüber ich Ihnen berichten möchte. Unser Gremium war auf der Fahrt nach Jeghegnadsor und hatte nicht geplant, am gleichen Tag Herrn Papjan, der in Idschewan bzw. etwas weit entfernt in einer anderen Richtung wohnt, zu begünstigen, als sie von ihm einen Alarmanruf über die Situation seines Sohnes bekommen haben, der wegen einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus gebracht worden war, aber das Geld für die Zahlung der dringend wichtigen Behandlung nicht ausreichte. So haben unsere Vereinsfreunde sofort die Richtung geändert und sind schnellstens zum Krankenhaus Idschewans gefahren. Sie haben dort das fehlende Geld bezahlt, und nachdem die Operation erfolgreich beendet war, sind sie zu Herrn Papjan gefahren, um ihm den übrigen Teil der Spende zu übergeben. Der liebe arme Herr Papjan hat dann unser Gremium darum gebeten, Ihnen nebst der Übermittlung seines herzlichsten Dankes mitzuteilen, dass ihm die Rettung seines Sohnes auch die Rettung seines eigenen Lebens bedeutete.
Im Namen unseres ganzen Vereins möchten wir unserem Partnerverein KONTAKTE-KONTAKTY sowie allen Deutschen, durch deren Beistand und Unterstützung die Spendenaktion ermöglicht worden ist, unseren herzlichsten Dank aussprechen…”

 

Nachruf auf Heinz Pahlke

(September 2017) Der Verein „KONTAKTE-KOHTAKTbI” e.V trauert um sein Gründungsmitglied und langjährigen Mitarbeiter Heinz Pahlke. Er ist am 18. Mai 1950 in Berlin geboren und hat schon am Albert-Einstein-Gymnasium erste journalistische Versuche für die Schülerzeitung unternommen. Während der Schulzeit beginnen auch schon Reisen in die Länder Osteuropas. Osteuropa wird sein Lebensthema bleiben. Trotz seiner journalistischen Ambitionen studiert Pahlke erst einmal Volkswirtschaft an der TU Berlin, entfaltet aber bereits während dieser Zeit journalistische Tätigkeit in den Bereichen Lokales und Wirtschaft. Anfang der siebziger Jahre arbeitet er im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt” mit und beschäftigt sich mit literaturtheoretischen Themen. In den achtziger Jahren wechselt er endgültig zum Journalismus, wo ihn zunehmend auch Verkehrssicherheit und Tourismus interessieren. Das gipfelt 1987 in einem Buch „Rosarote Zeiten? Verkehrspolitik, Bahn und Profit”.
In der Zeit beginnt er für diverse Tageszeitungen wie die „Berliner Zeitung”, die „FAZ” und die „Berliner Morgenpost” zu schreiben. Ich habe ihn damals in der Westberliner „Deutsch-Sowjetischen Gesellschaft” kennengelernt, in der auch Eberhard Radczuweit tätig war.
Nach der Wende in der DDR 1989 wird auch diese Region Ziel von Recherchereisen. Das lebhafte Reisen nach Osteuropa gipfelt 2004-2006 in der Mitarbeit an Reiseführern durch sämtliche osteuropäische Staaten.
Seit Ende der Neunziger beschäftigt sich Pahlke zunehmend mit Internet und Online-Publishing. Das wird sein zweites berufliches Standbein. Er hat bis zuletzt auch die Website der „Kontakte” betreut. Ihm lag an einem Webdesign, das auch Behinderten zugänglich ist.
2008 veröffentlicht er den Titel „Buchsatz für Autoren. Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand”. 2009 eröffnet er einen eigenen Blog zu „Literatur und Philosophie”. 2010 startet er die Plattform „Buchentdeckungen”, die Veröffentlichungen kleiner Verlage vorstellt.

Aus dieser reichen Tätigkeit wurde Heinz Pahlke am 20. August 2017 viel zu früh durch den Tod herausgerissen. Doch er hinterlässt viele Spuren, nicht zuletzt bei den „Kontakten”, die ihm zu großem Dank verpflichtet sind.

Gottfried Eberle

 

 

Wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann dann?
Talmudtraktat Pirque Aboth, 1,14.

Eberhard Radczuweit

8. November 1941 – 8. August 2017.

Wir haben unseren Freund Eberhard verloren – einen Menschen der Zuwendung zum Nächsten, ein pragmatischer Idealist, der mit Würde bewahrenden Initiativen die Leiden krebskranker Kinder wie auch die Lebensgeschichten sowjetischer Kriegsgefangener nach Umständen extremer Entrechtung wahrnahm und Wege der Hilfe fand. In bewegender zwischenmenschlicher Gebundenheit gründete er 1990 den Verein KONTAKTE-KOHTAKTbl, in dem er mit persönlichem Mut und einer Praxis der sozialen Verpflichtung wider alle Misstrauensbewegungen an einer stärkenden Freundschaft mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion arbeitete. Sein ethisches Vermächtnis dieser Würde stabilisierenden „Kontakte” ruht in der Gewissheit, dass nichts so bleiben muss, wie es ist.

In Dankbarkeit und Trauer

KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. – der Vorstand

Foto: Christian Schwartz

Wir alle trauern um Eberhard Radczuweit, der unseren Verein 1990 gegründet hat und ihn seither bis zu seinem Tod in aufopferungsvoller Arbeit betreut hat. Es soll an dieser Stelle sein Leben gewürdigt werden. Er ist 1941 in Berlin-Friedenau geboren, lebte bis zur Gründung der DDR in Finsterwalde, wo er eingeschult wurde. Seine weitere Kindheit verbrachte er im Rheinland. Mit 17 trat er in eine Kunstschule in Düsseldorf ein, und ein Jahr später begann er an der damaligen Hochschule für Bildende Künste (heute Universität der Künste) ein Studium im Fachbereich Freie Malerei. Seit den 70er Jahren war er aktiv in der Friedensbewegung und setzte sich zunehmend mit den Feindbildern des Kalten Kriegs auseinander. In der Westberliner DSF (Deutsch-Sowjetische Freundschaft) organisierte er Kulturveranstaltungen, sogenannte „Tage der UdSSR”, veranstaltete Stadtteilfeste zu verschiedenen sowjetischen Republiken, verließ schließlich aber die Gesellschaft wegen ihrer poststalinistischen Mentalität. Ende der 80er Jahre rief er zur Gründung einer überparteilichen Vereinigung auf, die 1990 vom damaligen Präsidenten der Hochschule der Künste ins Leben gerufen wurde. Seither arbeitete er ohne Unterbrechung in diesem Verein für Kontakte zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ein besonderes Anliegen waren ihm die sowjetischen Kriegsgefangenen unter dem NS-Regime. Unermüdlich kämpfte er für ihre finanzielle Unterstützung durch Spendenaufrufe und Petitionen, die im letzten Jahr endlich, spät genug, eine Hilfe von 10 Millionen € seitens der Bundesregierung bewirkten. Das zweite große Projekt kristallisierte sich in einem Moskau-Berlin-Protokoll, einer Therapiestudie zur Heilung leukämiekranker Kinder. Es konnte bewirken, dass dort die Überlebensrate leukämiekranker Kinder heute genauso hoch ist wie bei uns.

Die Begegnungen, die er bewirkte, lassen sich gar nicht zählen. Ein wichtiges Medium zur Völkerverständigung war ihm die Musik. In einer Zeit, in der im Kaukasus Krieg herrschte, versammelte er unter dem Motto „Kaukasischer Frieden” junge Musiker aus Armenien, Aserbeidschan und Georgien zu einem Orchester, das 14 Tage in Berlin auf ein Konzert zu arbeitete. Für den Verein stellt sich die Frage, wie es nach Eberhard Radczuweits Ableben weitergehen kann. Ohne Frage ist er unersetzlich. Seine umfassenden Kenntnisse lassen sich nicht ohne weiteres erwerben. Dennoch sind wir fest entschlossen, die Arbeit von KONTAKTE-KOHTAKTbI fortzusetzen. Zwei neue Mitarbeiterinnen arbeiten an der Verwirklichung eines großen Projekts, das deutsche, russische und ukrainische Studentinnen und Studenten im Gespräch über Formen des Gedenkens an sowjetische Kriegsgefangene zusammen führen soll. Die solidarische Unterstützung und Anerkennung von „vergessenen” Opfern des deutschen Angriffskriegs auf die Sowjetunion wird weiter ein Anliegen von KONTAKTE-KOHTAKTbI sein, der Schwerpunkt sich von den sowjetischen Kriegsgefangenen auf die Überlebenden der verbrannten Dörfer in Belarus verlagern. Das Leukämie-Projekt bleibt weiter ein Anliegen. Aufgeschlossenheit für neue Projekte besteht. Und es werden die bewährten Reihen „Montags-Film” und monatlicher kultureller Jour fixe weitergeführt. Um das alles zu tun, sind wir auf die Treue unserer Mitglieder angewiesen, die sie uns bisher gehalten haben und hoffentlich auch weiter halten. Und wir bedürfen weiterhin der finanziellen Zuwendungen. Mit gemeinsamer Kraft können wir die Zukunft des Vereins sichern und sein segensreiches Wirken fortsetzen.

Gottfried Eberle, Vorsitzender des Vorstands

 

Bericht von Nugsar Andguladse

(Juli 2017) Montag und Dienstag unternahm ich eine Fahrt, um Geld von KONTAKTE für vier weitere ehemalige sowjetische Kriegsgefangene zu verteilen …

Am 24.07.2017 besuchte ich die kleine und wunderschöne Bergbaustadt Tschiatura. Sie ist berühmt für ihr hochwertiges Manganerz und das weltweit größte Seilbahnnetz. Ich hatte erfahren, dass unser Veteran, Lawrentij Enukidse, am 28.07. eine Augenoperation (Grauer Star) haben wird und dringend Geld dafür benötigt. Man kann kaum einen besseren Kandidaten für die Unterstützung durch KONTAKTE finden!

So tauchte ich bei ihnen auf und die Freude der Familie war grenzenlos. Herr Enukidse hat im Mai dieses Jahres seinen 98. Geburtstag gefeiert, und fühlt sich recht gut, aber seine Augen werden schlechter. Er war ein Offizier, Oberstabsarzt. Während seiner Kriegsgefangenschaft unternahm er vier Fluchtversuche, der letzte erfolgreich. Später war er 25 Jahre lang Leiter des Gesundheitswesens seiner Heimatstadt Tschiatura. Er ist Doktor der Medizin, Autor von drei Monographien, hat ungefähr 40 Artikel und fünf Bücher geschrieben. Er hat bis zum 88. Lebensjahr aktiv als Mediziner gearbeitet. Seine Tochter Etheri ist auch Ärztin.

 

KOHTAKTbI-Solidarität in Georgien

(Juli 2017) Am 20. Juli beendeten unsere Partner von der georgisch-ukrainischen Vereinigung „Drushba”, Nugzar Andguladze und Larisa Pokolenko, ihre Reise in die georgischen Berge. Sie hatten 36 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene besucht, um ihnen Geld zu überbringen, das von KONTAKTE-KOHTAKTbI als Nothilfe überwiesen worden war. „Drushba” hatte die Liste der Bedürftigen im April übermittelt, aber wir hatten die Summe erst im Juli; in der Zwischenzeit waren vier der Bedürftigen gestorben.

Larisa und Nugzar berichten: „Leider müssen uns die meisten Veteranen im Bett begrüßen und können nicht aufstehen …. Unsere Begegnungen waren sehr emotional. Die Renten der alten Leute sind vernachlässigungswert. Viel von ihnen konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, auch ihre Kinder weinten … Immerhin betreuen sie ihre alten Eltern, aber viele von ihnen sind arbeitslos. Und plötzlich öffnen sich ihre Türen und Geld von KONTAKTE-KOHTAKTbI wird ihnen ausgehändigt. Ihr könnt Euch die Freude vorstellen. Besonders, wenn die moralische Seite der Sache dazukommt, und die Veteranen verstehen, dass die Kinder und Enkel von denen, die ihnen Böses getan haben, jetzt um Entschuldigung bitten.

 

Solidarität im 2. Quartal 2017

(Juli 2017) Partnerschaft für leukämiekranke Kinder in Russland und Belarus: 8600 €.
Das Geld wurde verwendet für die Moskauer Studienzentrale und für Reisekosten der MItglieder einer neu konstituierten „Steuerungsgruppe”, sowie für Reisekosten usbekischer Ärztinnen zu einem Studienaufenthalt in Moskau.

Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer: 9.939,65 € für Mitglieder des Vereins der rehalbilitierten Gefangenen des 2. Weltkriegs.
Die vergleichsweise geringe Summe liegt am starken Rückgang der Spenden im zweiten Quartal 2017.

Bundesverdienstkreuz an Eberhard Radczuweit

Foto: privat

(Mai 2017) Der Heidelberger Historiker Christian Streit, Autor des Standardwerks über sowjetische Kriegsgefangene, „Keine Kameraden”, fragte voriges Jahr E. Radczuweit nach dessen Einverständnis zum Vorschlag einer Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz. Er begründete das mit „hartnäckigen und doch sehr erfolgreichen Bemühungen, wenigstens einen Teil des fürchterlichen Nazischutts auf den Beziehungen zwischen dem deutschen Volk und den Völkern der ehemaligen Sowjetstaaten beiseitezuräumen …”
Am 9. Mai übergab die Schöneberger Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler das Bundesverdienstkreuz, was Mitglieder von KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V. am folgenden Abend ausgiebig feierten. Radczuweit sagte, er nähme das Bundesverdienstkreuz an stellvertretend für die vielen Förderinnen und Förderer des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer in Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Solidarität im 1. Quartal 2017

(April 2017) Partnerschaft für leukämiekranke Kinder in Russland und Belarus: 16 100 €.
Diese Spenden wurden verwendet für die Arbeit der Moskauer Zentrale der multizentrischen Studie „Moskau-Berlin-Protokoll”, nach der jährlich über 700 leukämiekranke Kinder in Russland, Belarus, Armenien und Usbekistan behandelt werden.

Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer: 115 072 €.
Begünstigt wurden

  • in Georgien am 11. Januar ehemalige sowjetische Kriegsgefangene mit 12 000 €, Verwendungszweck: Besorgung von Heizmitteln (Brennholz, Heizöl) und am 28. März 12 000 €, Verwendungszweck: medizinische Hilfe;
  • in der Ukraine am 28. Februar ehemalige sowjetische Kriegsgefangene mit 10 000 €, Verwendungszweck: medizinische Hilfe und Nothilfen, z.B. Reparatur der Heizung;
  • in Belarus am 23. März 60 000 € an 200 Überlebende der Massaker in Dörfern, die von der deutschen Besatzungsmacht niedergebrannt wurden;
  • in Armenien am 25. Januar 20 072 € an Mitglieder des Vereins der rehabilitierten Gefangenen des Zweiten Weltkrieges, Verwendungszweck: medizinische Hilfe und Heizmittel.