Direkt zum Navigationsmenü.


KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Rechenschaftsbericht zur KONTAKTE-KOHTAKTbI-Mitgliederversammlung am 9. Dezember 2015.

Liebe Mitglieder und Gäste,

dieses Jahr hatten wir einen ungewöhnlich großen Zuwachs: 57 Fördermitglieder und drei Ordentliche Mitglieder, Frédéric Bonneseur (Berlin), Prof. Dr. Henning Altmann und Edgar Zimmer (Bremen). Betrachtet man den Altersdurchschnitt der neuen Fördermitglieder, überwiegt die Zahl der Kriegskindergeneration.

Die meisten sind langjährige Förderinnen und Förderer des Bürger-Engagements für „vergessene“ NS-Opfer. 7 Mitglieder kündigten, vorwiegend aus gesundheitlichen Gründen. Ein Mitglied, Frau Rosemarie Adlerstein in Potsdam, ist gestorben. Wir zählen nun 312 Mitglieder, darunter 129 Ordentliche Mitglieder.

2015 wird in den Annalen des Vereins verzeichnet als ein Erfolg zivilgesellschaftlichen Engagements in der Auseinandersetzung um Anerkennung ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener als NS-Opfer. Doch es sei zunächst chronologisch aufgezählt, was seit der Mitgliederversammlung vom 9. Dezember 2014 geschah.

Nach der Mitgliederversammlung wurden Weihnachts- und Neujahrsgrüße an 450 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene verschickt, mit denen vorwiegend unser Mitarbeiter Dmitri Stratievski häufig korrespondiert. Aufwändig war die handschriftliche Form der Adressierung. Die gute Reaktion der Postempfänger rechtfertigte den von Sibylle Suchan-Floß geleisteten sowie den finanziellen Aufwand. Wie immer waren der Dezember und Januar mit Dankschreiben an Spenderinnen und Spender ausgefüllt.

Auflistung der öffentlichen Veranstaltungen des Vereins:

Januar / Februar:

März / April:

Mai / Juni:

September / Oktober:

November / Dezember:

Im Berichtszeitraum wurden zwei Rundbriefe zum Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer, wie immer ehrenamtlich gestaltet vom Wiesbadener Grafiker Frank Heckert, an 4000 Adressen per Post verschickt. Ein November-Rundbrief zur Partnerschaft für leukämiekranke Kinder wurde 1500 Adressatinnen und Adressaten zugeschickt. Wegen voller Arbeitstage ist leider noch nicht der Reader des Bremer KOHTAKTbI-Freundeskreises fertig geworden. Wir bitten um Entschuldigung.

Eine besondere Veranstaltung leistete Sibylle Suchan-Floß am 15. Oktober: Sie unterrichtete die etwa 20 Mitglieder zählende Arbeitsgruppe im Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV), bisher zuständig für die Auszahlung der sog. „Ghettorenten“, über Besonderheiten der NS-Opfergruppe, der sie nun die sogenannten „Anerkennungsbeträge“ zuwenden soll, den ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen.

Eberhard Radczuweit hatte im Juni einen von Dmitri Stratievski ins Russische übertragenen Infobrief über die Auszahlungsmodalitäten der BADV verfasst. Aus mehreren Exeltabellen mit Adressen ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener, die von uns im Laufe von 12 Jahren begünstigt worden waren, wurden Jahrgänge ab 1915 berücksichtigt wegen der Möglichkeit, dass diese Menschen noch am Leben sind. Sibylle Suchan-Floß adressierte handschriftlich auf Kyrillisch 4900 Anschriften auf Briefkuverts. Die Sendung wurde ab Juni verschickt, die Antworten dauern bis heute an. Häufig antworten Kinder und Enkel von Verstorbenen. Der größte Teil unserer Briefe blieb unbeantwortet, die Empfänger leben möglicherweise nicht mehr bzw. sind in uns unbekannte Altersheime oder zu ihren Kindern gezogen. Nur regionale Sozialämter könnten einer Behörde Auskunft geben, deren Dienstleistung das BMF erbitten müsste. So konnten dem BADV lediglich 800 noch Lebende genannt werden.

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hatte einen von den Antragstellern auf Leistungsbezug auszufüllenden Fragebogen entworfen. Beispielsweise sollte mit Ja oder Nein angekreuzt werden, ob man sich an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt hätte. Aus Verantwortungsbewusstsein für diese Überlebenden eines Kriegsverbrechens wurden rund 800 Mitbürger/innen per Email gebeten, ihre Proteste den 20 Mitgliedern des Haushaltsausschusses im Bundestag zu senden, deren E-Mailadressen wir veröffentlichten. Die Reaktion war so eindringlich, dass der zuständige Staatssekretär im BMF einer Korrektur des Fragebogens zustimmte. Wir haben noch weitere kritische Anmerkungen gegenüber dem Finanzministerium und der BADV-Arbeitsgruppe, deren Darstellung jedoch nicht Gegenstand des Rechenschaftsberichtes ist. Wie in den vergangenen 12 Jahren hatten wir uns im Berichtszeitraum sowohl mit Massensendungen an Bundestagsabgeordnete als auch in Einzelgesprächen mit Politikern für die Anerkennung dieser „vergessenen NS-Opfer“ engagiert. Hier bedanken wir uns ausdrücklich für den Zuspruch einzelner Bundestagsabgeordneter, an erster Stelle bei Stefan Schwartze, SPD-Sprecher im Petitionsausschuss, bei unserem Mitglied Cornelia Behm in ihrer Zeit als Abgeordnete von Bündnis 90/Grüne im Petitionsausschuss und bei Gernot Erler!

Wie das Jahr zuvor unterstützten wir 2015 die vom Beiratsmitglied Dr. Peter Jahn gegründete Veranstaltungsreihe der Initiative Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik: 26.5.: Dr. Christoph Diekmann (Fritz-Bauer-Institut): NS-Lebensraumideologie und deutsche Besatzungspolitik in Polen und der Sowjetunion; 8.7.: Prof. Dr. Wolfgang Wippermann: Historische Grundlagen der nationalsozialistischen "Lebensraum"-Politik, 17.9.15: Prof. Dr. Johannes Hürter (Institut für Zeitgeschichte München): Krieg ist Krieg? Deutsche Besatzungsherrschaft in Frankreich und der Sowjetunion 1940–1944; 14.10.15: Prof. Dr. Milan Ristovic (Universität Belgrad): Zwischen Bündnispflege und Massenvernichtung. Deutsche Besatzungspolitik in Jugoslawien.

Eine jährlich im November wiederkehrende Veranstaltung ist die von uns maßgeblich finanzierte Konferenz der multizentrischen ALL-MB-Studiengruppe in Moskau. Die am 27. und 28.11.2015 stattfindende Konferenz von mehr als 100 Teilnehmenden aus über 50 kinderonkologischen Zentren wurde von dem deutschen Teilnehmer Prof. Dr. Günter Henze per E-Mail folgendermaßen kurz bewertet:

„Die Tagung war grundsätzlich gut. Sie war gut besucht und aus nahezu allen teilnehmenden Kliniken – auch aus Usbekistan und Kirgistan – waren Kolleginnen und Kollegen anwesend. Es wurden die Zwischenergebnisse der Studien gezeigt. Auch Probleme, sofern es sie gab, wurden diskutiert. Die Gruppe arbeitet gut und harmonisch, und die Ergebnisse sind weiter hervorragend“. Rund ein Drittel der Gesamtkosten der Konferenz incl. Reisekosten wurden aus unseren Spendenmitteln finanziert. Weiterhin sind wir maßgeblicher Förderer dieser Ärztekooperative und ihrer Moskauer MB-Zentrale. Im Berichtszeitraum wurden 790 leukämiekranke Kinder nach dem neuen Protokoll ALL-MB 2015 behandelt, deren Überlebenswahrscheinlichkeit bei 85 % liegt.

KONTAKTE-KOHTAKTbI verdiente seinen Namen nicht ohne deutsch-russischsprachige Kommunikation. Wir bedanken uns bei allen ehrenamtlichen Übersetzerinnen, bei Frau Iryna Berndt, Frau Tatyana Baar, Frau Marina Olenëva. Wir danken Frau Jennie Seitz, deren Arbeit auch allen Leserinnen und Lesern der „Freitagsbriefe“ vertraut ist. Wir danken den Förderinnen und Förderern unserer humanitären Projekte!

Berlin-Schöneberg, den 9. Dezember 2015

Dr. Gottfried Eberle
Vorsitzender.

Zum Seitenanfang


Zurück zum Seitenanfang.