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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Rechenschaftsbericht zur KONTAKTE-KOHTAKTbI-Mitgliederversammlung am 3. Dezember 2013.

Liebe Mitglieder und Gäste,

in diesem Jahr verzeichnen wir 6 neue Mitglieder, darunter Frau Dr. Gerdien Jonker ein Mitglied mit Berliner Adresse. Zwei Mitglieder sind ausgetreten, ein Fördermitglied, Frau Schütze-Metz, ist verstorben.

Hier gebe ich eine kurze chronologische Aufzählung unserer Aktivitäten seit der MV am 4. Dezember 2012:

Rund 600 Neujahrsgrüße verschickten wir nach der Mitgliederversammlung an ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, mit denen wir in ständiger Korrespondenz stehen. Die Karten und das Porto kosten viel Geld und die in kyrillischer Handschrift verfassten Adressen auf den Kuverts Zeit und Nerven unserer Kollegin Sibylle Suchan-Floß. Aber wir wissen, wie diese Post die alten Leute und ihre Familien freut.

Januar

Im Januar 2013 war aus Taschkent / Usbekistan Frau Dr. Sapura Ibragimova unser Gast. Damit begann unsere Förderung der zentralen pädiatrisch-hämatologischen Einrichtung in Usbekistan bei der Therapie leukämiekranker Kinder nach dem „Moskau-Berlin-Protokoll“. Sapura konnte 14 Tage lang an der Kinderklinik der Charité die Arbeit im onkologisch-hämatologischen Bereich beobachten, um Schlussfolgerungen für ein längerfristiges Qualifizierungsprogramm ihrer Kollegen sowie Pflegepersonal zu ziehen. Unser Mitglied Elfie Westermann beherbergte sie in ihrer Wohnung.

Am 23. Januar veranstaltete der Bremer KOHTAKTbI-Freundeskreis im Rahmen einer Reihe zum Gedenktag 27. Januar im Bremer „FORUM KIRCHE“ einen gut besuchten Informationsabend zum Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer.

Der Januar-Jour-fixe, Thema: „Schwestern der Revolution – Künstlerinnen der russischen Avantgarde“, ein Abend mit Bildern und Musik, Einführung: Ingrid Schmidt. Motoko Liebau-Nishida/Klavier und Bernd Teichgräber/Cello.

Das Januar-Montagskino: „Gorkis Kindheit“ von 1938.

Februar

Am 27. Februar kamen Radczuweit und Frau Suchan-Floß im Bundestag mit SPD-Abgeordneten zusammen wegen der Unterstützung unserer Petition. Unser Mitglied Frau Cornelia Behm, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Petitionsausschusses – wo unsere Petition immer noch nicht abschließend bearbeitet wurde – motivierte ihre Fraktion zu einem interfraktionellen Antrag, der den letzten noch Lebenden unter den ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen einen Anerkennungsbetrag ermöglichen sollte. Schon zuvor war Eberhard Radczuweit neben Herrn Saathoff vom Vorstand der Stiftung EVZ von Abgeordneten beider Oppositionsparteien zu einem Expertengespräch eingeladen worden zur Vorbereitung des interfraktionellen Antrags an den Bundestag.

Der Februar-Jour-fixe, Thema: Jüdisches Leben in der Sowjetunion nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Vortrag des Historikers Wladimir Oks.

Das Februar-Montagskino: „Que Viva Mexico“ von Sergej Eisenstein

März

Im März recherchierte Herr Stratievski in Vorbereitung der Moskauer Ausstellung 7 Tage lang in Moskauer Archiven. Diese in Russland erste umfassende Ausstellung über sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam wird im April 2014 im Zentralen Museum der Zeitgeschichte Russlands eröffnet. Der Ausstellungstitel lautet: „Gefangenschaft und Heimkehr. Sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland 1941-1945“. Radczuweit besichtigte mit Herrn Stratievski die angebotenen Museumsräume, Herr Stratievski verhandelte mit der Administration des Museums und dem Direktor der Stiftung „Geschichtsgedächtnis“ als Projektpartner und Förderer. Radczuweit verband die Moskaureise mit Zusammenkünften im Bereich der Kinderleukämiehilfe.

Vom 17. bis 23. März waren Herr Stratievski und Radczuweit auf Einladung unseres Projektpartners, der belorussischen NGO „Verständigung“ und des Witebsker Friedensfonds in Belarus. Beide waren Teilnehmer einer Historikerkonferenz zum 70. Jahrestag von Chatyn. Radczuweit hielt bei der Konferenz eine Laudatio auf den Architekten der Gedenkstätte, Leonid Lewin. Beide unternahmen eine vom Friedensfonds organisierte Reise ins Gebiet Werchnedwinsk nahe der lettischen Grenze. Dieses Gebiet hatte die meisten Opfer im Zusammenhang mit dem deutschen Vernichtungskrieg zu beklagen. (Radczuweit hielt vor einem Obelisken, der an der Stelle eines verbrannten Ortes steht, zum Jahrestag des Massakers eine Ansprache vor den Bewohnern des Ortes.)

Der März-Jour-fixe, Thema: „Als Gruß zu lesen“- Russische Lyrik, es lasen Elena Blankenhorn (russisch) und Helmut Ruppel (deutsch), Gottfried Eberle begleitete am Klavier.

Montagskino im März: „Kleine Vera“, ein Perestrojkafilm von 1988.

April

Vom 21. bis 26. April reiste Eberhard Radczuweit auf Einladung des armenischen Vereins der rehabilitieren Gefangenen des II. Weltkrieges nach Armenien. Seine Meetings mit den letzten noch lebenden Mitgliedern dieser Partnerorganisation unseres Vereins schienen den Gastgebern wichtig zu sein. Radczuweit beteiligte sich am Gedenkmarsch der Armenier zum 98. Jahrestag des Genozids, gab am Gedenkhügel Zizernekabard mehrere Interviews und sprach bei einer Pressekonferenz zu den armenischen Medien. Auf Einladung der Historischen Fakultät der Jerewaner Staatsuniversität referierte er zum Thema „Nationale Erinnerungskultur in einer globalisierten Welt“. Der zweite Reisegrund galt dem Besuch des Hämatologischen Zentrums des Jerewaner Universitätsklinikums, das die Teilnahme am Moskau-Berlin-Protokoll beschlossen hat. Ihre ersten ALL-Patienten waren schon in der von uns geförderten MB-Studienzentrale registriert worden. Die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die dem Gast aus Berlin zuteil wurde, war offensichtlich der hohen Erwartung auf Hilfe durch KONTAKTE-KOHTAKTbI geschuldet.

Der April-Jour-fixe, Thema: „Ich hatte einst ein schönes Vaterland…“ – Ein Abend über Heinrich Heine, die Russen und über uns. Mit Peter Lind, Gottfried Eberle und Werner Beusterien.

Montagskino im April: „Die Dame und der Rowdy“ mit Wladimir Majakowski, ein Stummfilm von 1918.

Mai

Bei der Vorbereitung der Reise des Berliner Bürgermeisters Wowereit in die usbekische Hauptstadt anlässlich des 20. Jahrestages der Städtepartnerschaft Berlin-Taschkent gelang es, die Aufmerksamkeit Wowereits auf unsere Taschkenter Partnerstation zu lenken. So kam es zum denkwürdigen Besuch des Bürgermeisters, des Protokollchefs der Senatskanzlei, des zuständigen Referenten und der Taschkenter Administration in der Kinderkrebs-Station. Alexander Karachunskiy war mitgeflogen, um Bürgermeister Wowereit unser Projekt „Moskau-Berlin-Protokoll“ mit der neuen mittelasiatischen Verbindung nahe zu bringen. Anfang Mai wurde der 33. Rundbrief zur Partnerschaft für leukämiekranke Kinder an 1.800 Adressen verschickt. Ende Mai folgte ein Rundbrief zum Bürgerengagement für vergessene NS-Opfer an 3.800 Adressen. Produktion und Verschickung sind mit ziemlich hohem Aufwand verbunden und wir danken auch hierfür den ehrenamtlich Mitwirkenden.

Am 4. Mai zeichnete uns der armenische Botschafter mit einer Medaille des armenischen Verteidigungsministers aus zur Hilfe für Veteranen, die in deutscher Kriegsgefangenschaft gelitten haben.

Am 8. Mai legten wir wieder ein Gebinde vor dem Ehrenmal Tiergarten nieder mit der Aufschrift: „den sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945“. Danach besetzten wir unseren Infostand beim Fest des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst und veranstalteten im Museum wieder die traditionelle Lesung aus den Freitagsbriefen.

Der Mai-Jour-fixe, Titel: „Sehe ich nicht aus wie ein beleidigter Clown? Das bin ich auch“ Tucholsky mit Peter Lind, Gottfried Eberle und dem Sänger Jean-Theo Jost.

Kino im Mai: „Joe Polowsky – ein amerikanischer Träumer“ (Friedensfilmpreis der Berlinale 1987) und Diskussion mit dem Regisseur Wolfgang Pfeiffer.

Juni

Am 18. Juni luden wir gemeinsam mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Veranstaltung in den Stiftungsräumen ein, die unter dem Titel stand: „Danke, dass Sie uns nicht vergessen!“, einer häufigen Aussage alter Menschen in Nachfolgestaaten der UdSSR uns gegenüber. Es referierten Dr. Hilde Schramm, Herr Stratievski und Radczuweit. Günter Saathoff vom Stiftungsvorstand würdigte unsere Arbeit und thematisierte in kritischer Haltung die Ablehnung der Regierungsparteien gegenüber ehemaligen sowjetischen Kriegs­gefangenen. Den gut besuchten Abend begleiteten jiddische Lieder von Gofenberg & Chor.

Den Jour fixe im Juni veranstalteten wir gemeinsam mit Chiroq, dem Deutsch-Usbekischen Verein für Wissenschaft und Bildung, Thema: „Frauen in Usbekistan“, Referentin: Dr. Melanie Krebs, Humboldt-Uni.

Der Juni-Film: „OKRAINA“, UdSSR/Deutschland 1933, Original mit dt. Untertiteln.

Juli

Vom 14. bis 25. Juli recherchierte Herr Stratievski wieder in Moskauer Staatsarchiven zur Vorbereitung der Ausstellung.

August

Im August, während der Ferienzeit, kamen auf unsere Einladung hin Sapura Ibragimova und die Krankenschwester Masuda Mirzajewa aus Taschkent für zwei / bzw. drei Monate nach Berlin. Wir konnten ihnen ein Apartment der Reuter-Stiftung besorgen, die Kinderklinik der Charité bot Beiden gute Bedingungen zum Studium der Arbeitsorganisation in der pädiatrischen Intensivmedizin. Wir organisierten ihnen abendliche Deutschkurse an einer Sprachschule. Die Berliner Senatskanzlei finanzierte alles mit 5.000 €, so dass wir nur einen Fehlbedarf von 1.000 € aus Eigenmitteln zuschießen mussten.

September

Im September reiste Radczuweit auf Einladung der FIR –Fédération Internationale des Resistance – nach Brüssel, wo er bei einer feierlichen Veranstaltung im Belgischen Parlamentshaus einen Preis entgegennahm, mit dem KONTAKTE-KOHTAKTbI für das Engagement zugunsten von NS-Opfern ausgezeichnet wurde.

Zum Jour fixe im September luden wir eine Dokumentar-Theatergruppe ein, Titel: „Nicht ich bin der Mörder – sondern er“, Regie: Heinz Böke. Es wurde der Gerichtsprozess gegen einen armenischen Studenten nachgespielt, der 1921 in Berlin den Hauptverantwortlichen des Genozids am armenischen Volk erschoss.

Kino im September: „Das andere Ufer“, georgischer Film von 2009 über einen Nationalitäten­konflikt, Original in den Sprachen Georgisch/Abchasisch/Russisch mit deutschen Untertiteln.

Oktober

Im Oktober wurden in gleicher Anzahl wie im Mai Rundbriefe produziert zur Partnerschaft für leukämiekranke Kinder und zum Bürgerengagement für vergessene NS-Opfer. Die österreichische Victor–Freiherr-von-Fuchs-Stiftung verlieh uns zur „Erleichterung unserer ehrenvollen Arbeit“, wie es hieß, den diesjährigen Stiftungspreis in Höhe von 5.000 €.

Den Oktober-Jour-fixe gestalteten wir gemeinsam mit der Vereinigung aserbaidschanischer Studierender und Wissenschaftler. Vortrag des stellv. Vorsitzenden Dr. Gurban Alakbarov über Geschichte und Gegenwart Aserbaidschans. In der Diskussion mit dem Publikum kam der Konflikt mit Armenien zur Sprache. Es wurde vorgeschlagen, dass KOHTAKTbI Begegnungen von in Berlin lebenden Armeniern und Aserbaidschanern moderieren sollte.

Der Abend kam zustande durch Vermittlung von Herrn Stratievski.

Der Oktoberfilm: „ODNA“ – ALLEIN, der große sowjetische Stummfilm von 1931 mit der Musik von Schostakowitsch.

November

Im November organisierte der für uns in Wiesbaden ehrenamtlich tätige Werbedesigner Frank Heckert eine Begegnung beim Rüsselsheimer Rotarier-Club: Radczuweit hielt dort einen einstündigen Vortrag über das „Moskau-Berlin-Protokoll“ – unsere Partnerschaft mit russischen Kinderonkologen. Diese Begegnung erbrachte bisher nicht die erhofften Spenden. Es gab im November in Moskau unter der Leitung unseres Mitglieds Prof. Alexander Isakowitsch Karachunskiy die Jahrestagung der multizentrischen ALL-MB-Studiengruppe, die wir maßgeblich mit rund 40.000 € aus Spendenmitteln finanzierten. Aus Berlin beteiligte sich unser Beiratsmitglied Prof. Günter Henze. Wir übernahmen die Reisekosten der Teilnehmenden aus allen russischen Regionen, aus Belarus, Armenien, Usbekistan und anderen mittelasiatischen Ländern.

Auf Initiative von Frau Maria Ulrich veranstalteten wir am 16. November mit dem DGB Berlin-Brandenburg einen Solidaritätsabend für Schoa-Überlebende in der Ukraine. Es lasen die Schauspielerin Kornelia Boje und der Schauspieler Michael Hanemann aus Briefen von Gettoüberlebenden an KOHTAKTbI, Gofenberg & Chor sangen jiddische Lieder und Dmitri Stratievski referierte über gegenwärtigen Antisemitismus in der Ukraine.

Der November-Jour-fixe: Swetlana Alexijewitsch, eine Begegnung mit Leben und Werk der belorussischen Schriftstellerin mit Ingrid Schmidt, Helmut Ruppel und Gottfried Eberle, Lesung aus Swetlanas Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“.

Der Novemberfilm: „Kalina Krasnaja – Der rote Holunder“ aus dem Jahr 1974 von W. Schukschin.

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Mit Dankbarkeit erwähne ich die Bemühungen unseres Mitglieds Cornelia Behm, für Bündnis 90/Die Grünen, und des Abgeordneten Stefan Schwartze für die Bundestagsfraktion der SPD, den letzten noch lebenden ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen symbolische Anerkennungsbeträge zu besorgen. Der interfraktionelle Antrag beider Parteien scheiterte vor den Sommerferien am Widerstand der drei Regierungsparteien. Frau Behm ist auch der Kontakt zu einem Journalisten des MDR zu verdanken, der für das Magazin „FAKT“ einen Beitrag über sowjetische Kriegsgefangene machte. Wir besorgten dem Journalisten Interviewpartner in Armenien. In dem Bericht wird kritisch die Weigerung der CDU/CSU thematisiert. Bereits Anfang Oktober sollte gesendet werden. Bis heute wurde der Bericht von der Chefredaktion zurückgehalten.

Der Bremer KOHTAKTbI-Freundeskreis wächst mit der Vorbereitung der für den Herbst 2014 im Bremer Haus der Wissenschaften geplanten Ausstellung über sowjetische Kriegsgefangene. Die Arbeitsgruppe recherchiert nach Arbeitseinsätzen und Lagerstandorten, ihre Ergebnisse werden die bisherige Ausstellung ergänzen.

Dmitri Stratievski und Sibylle Suchan-Floß beschäftigten sich im Zeitraum des Rechenschaftsberichts in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsdesigner Kurt Blank-Markard mit der Vorbereitung der Moskauer Ausstellung.

Auch 2013 wurde die Korrespondenz mit den „vergessenen“ NS-Opfern fortgesetzt. Die „Freitagsbriefe“ erschienen ausnahmslos jeden Freitag. Zunehmend müssen wir bei der Auswahl der Briefe auf ältere Aussagen zurückgreifen, denn mit wachsendem Alter der Zeitzeugen reduzieren sich deren Möglichkeiten. Landesweit nutzen viele Initiativen die Freitagsbriefe als Mittel der Geschichtsaufklärung, auch an Schulen. So werden wir dieses Projekt weiterführen, ebenso auch die Spendenaktion zum Bürger-Engagement für vergessene NS-Opfer, die zurzeit gute Erfolge aufweist.

Dr. Gottfried Eberle.

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