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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

24. Neuer Freitagsbrief.

Wladimir Jakowlewitsch Milentej
Belarus, Distrikt Scharkowschtschina.

23.11.2017

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihren Brief und die Tatsache, dass die Arbeit von Eberhard Radczuweit fortgeführt wird, die Überlebenden der während des Zweiten Weltkriegs verbrannten Dörfer zu unterstützen. In unserem Distrikt Scharkowschtschina im Gebiet Witebsk, wo jeder dritte Mensch während des Krieges umkam, haben schon 79 Personen, die nur durch Glück der Einäscherung der Dörfer mit ihren Bewohnern entkamen, von Ihrer Organisation Unterstützung erhalten.

Im Herbst 1942 und 1943 führten deutsche Soldaten und ihre Hilfstruppen aus Litauen, Lettland und der Ukraine Strafaktionen gegen Partisanen durch. Um die Partisanen der Hilfe der Bevölkerung zu berauben, wurden alle Dörfer in der Nähe der Wälder zusammen mit ihren Bewohnern verbrannt und es gab es welche, die in dieser Zeit irgendwohin flüchten konnten.

Ich schreibe Ihnen tatsächlich einen Brief, dabei habe ich nur durch Zufall überlebt. Als 1943 die Strafabteilung zu unserer Siedlung kam, schafften es die Partisanen, die Dorfbewohner zu warnen. Alle Bewohner unseres Dorfes Swila gingen in den Wald in die Sümpfe, mein Vater trug mich auf der Schulter, und als die Deutschen in unser Dorf kamen, schossen sie Granaten ins Moor, wo sich die Leute versteckten. Danach kam ein Flugzeug und schoss mit dem Maschinengewehr auf uns, mehrere Menschen starben. Eine Woche später beschloss eine große Familie, sieben Leute, zu ihrem Haus zurückzugehen, um Lebensmittel zu holen, es schien, dass niemand im Dorf wäre, aber als der erste von ihnen das Haus betreten hatte, kamen die Deutsche von hinten herein. Vom Wald aus beobachteten viele das Geschehen, und nachdem die Deutschen das Haus verlassen hatten, wurde es in Brand gesetzt, und so wurden sieben Menschen verbrannt, unter ihnen drei Kinder. Die übrigen Bewohner des Dorfes [die in den Supf geflohen waren d. Übers.] verteilten sich auf vom Wald weit entfernte Dörfer, bei ihren Verwandten, und unser Dorf wurde verbrannt.

Was hier während der Besatzung geschah, ist entsetzlich zu beschreiben, aber siehe: Belarus lebt.

Wie oft es Hitler einfiel, deutsche Truppen zu schicken, um unschuldige Menschen umzubringen. Wie viele wurden in KZs ermordet. Welch ein Maß an Leiden für die Völker der UdSSR während des Krieges.

Und jetzt, wenn wir zurückkehren zu unseren Tagen. Wie können wir die Völker unseres Planeten, der Erde, dazu bringen, Kriege zu stoppen? Hat die Geschichte die Menschheit noch nicht gelehrt, dass derjenige, der ein Haus mit der Waffe in der Hand betritt, durch Waffen umkommen wird?

Das erste Dorf in unserem Distrikt wurde mit seinen Bewohnern am 28. November 1942 verbrannt, Insgesamt wurden mehr als 500 Menschen in den Dörfern und Siedlungen beim Wald umgebracht und im ganzen Distrikt mehr als 2.000. Dieses Jahr werden wir am 28. November dieser Tragödie unserer Dörfer gedenken, damit die nachfolgenden Generationen sich dessen erinnern.

Heute müssen die Menschen und Organisationen unserer Länder freundschaftliche Beziehungen pflegen. Danke Ihnen und Ihrer Organisation für Ihre Arbeit in diese Richtung. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, der Familie Glück und Erfolg bei der Arbeit, und genauso allen Mitarbeitern Ihrer Organisation.

Hochachtungsvoll, das Mitglied des Rats der Belorussischen Friedensstiftung,

Milentej Wladimir Jakowlewitsch

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