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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

23. Neuer Freitagsbrief.

Nadeshda Romanowna Leonowa
Belarus Gebiet Witebsk.

22.10.2017

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei Ihrer Organisation und allen Sponsoren bedanken, die mir die Hilfe geleistet habe, auf die ich gerade angewiesen bin.

Ich bin 83 Jahre alt, allein, habe in meinem Leben viel erlebt, bin heute oft krank, die Gesundheit ist schwach, leide an Bluthochdruck und allen möglichen anderen Beschwerden. Eine Kindheit hatte ich natürlich nicht, aber daran möchte ich mich nicht erinnern, im Moment freue ich mich, dass auf der Welt Frieden herrscht, nur schade, dass nicht alle das begreifen. Man möchte sagen, Leute, freut euch und bewahrt den Frieden, das ist doch das Wichtigste auf der Welt, solange Frieden herrscht, gibt es Gesundheit und Glück.

Ich bekomme Rente, zum Leben reicht es, angesichts dessen, dass wir uns nach dem Krieg vom Gräsern und Beeren ernährt haben, die wir im Wald sammelten.

Ich erinnere mich an eine Episode aus meinem Leben.

Anfang 1942 [sic!] wurde unser Land besetzt. Unter den deutschen Soldaten waren auch gute Menschen. Mein Bruder war elf, wir lebten in einem Dorf und es war alles friedlich, aber dann begann plötzlich der Krieg, Bomben fielen, überall Explosionen, und mein Bruder bekam so einen Schrecken, dass er augenkrank wurde. Wenn er morgens aufwachte, konnte er seine Augen nicht öffnen. Apotheken gab es nicht, also spülte meine Mutter ihm die kranken Augen morgens mit Wasser aus, und da sah es eines Tages ein deutscher Soldat und bedeutete ihr, dass er helfen wolle. Und dann brachte er in einer Streichholzschachtel Salbe, behandelte selbst damit das Auge meines Bruders, gab sie dann meiner Mutter und zeigte ihr, wie oft am Tag man sie benutzen sollte. Nach einer Woche waren die Augen wieder genesen, und meine Mutter sagte immer zu meinem Bruder, ein deutscher Soldat habe ihn geheilt, wenn der nicht gewesen wäre, wäre er jetzt blind. Sie bedauerte, dass sie seinen Namen nicht kannte, so dass sie für ihn beten konnte. Es waren also auch gute Menschen unter den Soldaten, solche, die man sein ganzes Leben lang nicht vergisst.

Das Schlimme waren die Straftrupps. Unser Dorf wurde vollkommen niedergebrannt, wir mussten in Erdhütten leben. Aber ich denke lieber nicht daran.

Ich danke noch einmal allen Spendern, den Mitgliedern und Mitarbeitern der Organisation für das Gute, dass Sie für die Menschen tun. Mögen sie glücklich und gesund sein.

Dem Vorstandsvorsitzenden Gottfried Eberle wünsche ich ein langes Leben.

In tiefster Hochachtung

Leonowa Nadeshda Romanowna

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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