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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Neuer Freitagsbrief Nr. 10.

Worobjow, Leonid Stepanowitsch
Weißrussland
Werchnedwinskij rn
Siedlung Bigosowo
Januar 2014.

Sehr geehrte Mitglieder des Vereins „Kontakty“!

Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr und danke Ihnen dafür, dass sie meiner harten Kindheit im Krieg gedacht und mir eine kleine Unterstützung zukommen lassen haben.

Ich möchte von der Zeit erzählen, über die die heutige Jugend nichts weiß.

Im Februar 1943 gab es die erste Strafexpedition. Meine Mutter, meine kleine Schwester und alle Dorfbewohner wurden verbrannt, und ich war in den Wald geflohen und bin am Leben geblieben. Ich war damals 13 Jahre alt. Die zweite Strafaktion gab es einige Wochen später. Sie haben in den Wäldern nach Menschen gesucht. Ich bin bei einem Fluss aufgewacht und sah eine ermordete Frau und ein kleines Kind, das nach Essen fragte. Aber ich hatte selbst Hunger, und ich nahm das kleine Kind nicht mit, ich war ja selbst erst 13.

Im Wald traf ich auf zwei Jungen, etwa 14–15 Jahre alt. Sie wärmten am Feuer meine gefrorenen Füße, rissen ein Hemd entzwei, verbanden sie. Zu dritt versteckten wir uns vor den Nazis im Wald. Wir stießen auf eine faschistische Strafbrigade. Aber wir versteckten uns unter einer Tanne und bewegten uns die ganze Nacht lang nicht, so lange bis die Deutschen weg waren.

Das Leben war sehr hart für uns – kein Essen, keine warme Kleidung. Man wünscht seinem ärgsten Feind nicht das, was ich, ein Kind des Krieges, durchmachen musste.

Wenn Sie Genaueres erfahren möchten – kommen Sie her, sie werden ein ganzes Buch über die Kinder des Krieges schreiben können.

Mit den allerbesten Wünschen,

Worobjow Leonid Stepanowitsch.

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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