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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Neuer Freitagsbrief Nr. 7.

Gennadij Grigorjewitsch Pusako (geb. 1927)
Sofja Wladimirowna Pusako (geb. 1928)
Belarus
Bezirk Werchnedwinsk
06.01.2014.

Guten Tag,

es schreibt Ihnen Pusako, Gennadij Grigorjewitsch (geb. 1927) und Pusako, Sofja Wladimirowna (geb. 1928). Wir leben heute im Bezirk Werchnedwinsk, Gebiet Witebsk.

Als der Große Vaterländische Krieg ausbrach, waren wir 14 und 13 Jahre alt. Damals lebte ich (Gennadij) im Dorf Wysozkoe und Sofja im Dorf Polykowschtschina. Die erste Erinnerung an die Ankunft der Deutschen ist folgende: Einige Dutzend deutscher Soldaten kamen auf Fahrrädern angefahren. An diesem Tag brachten sie niemanden um, es handelte sich um eine Erkundung. Sie waren hungrig und griffen sich Hühner, nahmen Milch und Eier, und wir fingen an, uns fertig zu machen, verließen unsere Häuser und flohen in den Wald, dort verbrachten wir etwa 4 Jahre. Ich war gemeinsam mit meinen Brüdern eine Zeit lang Teil der Partisaneneinheit „KIM“. Dann zog die Einheit hinter die Frontlinie, und ich kehrte zu meinen Eltern in den Wald zurück. Nahrung besorgten wir in Dörfern, die Bewohner vergruben Getreide in der Erde, als sie ihre Dörfer verließen. Wir suchten diese Erdgruben, buddelten das Getreide aus, dämpften und aßen es. Wir waren ständig hungrig, schliefen direkt auf der Erde auf Tannenzweigen, im Winter genauso. Wir waren etwa 30 Leute, alles Alte, Frauen und Kinder. Unsere Hauptbeschäftigung bestand darin zu spähen, ob die Deutschen kamen. Deutsche Soldaten kamen etwa 2–3 Mal im Monat mit Strafaktionen, fanden uns jedoch nicht. Verbindung zur Außenwelt hatten wir keine, uns erreichten keine Nachrichten. Ich lebte mit meinen Eltern und meinen Brüdern Pjotr, Fjodor, Sergej und meiner Schwester Alja. Unser Bruder Wolodja kämpfte an der Front, im Landheer, wurde mehrmals verwundet, aber blieb am Leben und ging durch den ganzen Krieg. So lebten wir bis zum Juli 1944. Bis zu dem Zeitpunkt, als Soldaten der Roten Armee kamen und sagten, wir könnten den Wald verlassen, weil sie die Deutschen bereits weit fortgejagt hätten.

Ich möchte Ihnen von einem Ereignis in dieser Zeit berichten. Es trug sich am frühen Abend zu. Wir hörten Leute rufen, die Deutschen kämen, und rannten auseinander. Im Wald hatten die Einwohner eines jeden Dorfes ihre eigene Stelle. An dieser Stelle versteckten sich die Bewohner bei Gefahr. Die Stelle war überhaupt nicht eingerichtet, einfach Wald, in dem sich die Menschen unter Bäumen versteckt hielten. Auf dem Weg der Deutschen lag als erstes das Versteck der Dorfbewohner von Jarmolino, sie wurden als erste entdeckt und allesamt erschossen. Während sie das taten, dämmerte es, und die Deutschen gingen aus Angst vor der Dunkelheit weg, denn in der Nacht waren die Partisanen aktiv. Dieser Ablauf der Ereignisse half uns zu überleben.

Ich schreibe Ihnen, um meine Erinnerungen an die Strafaktionen gegen Zivilisten, die auf dem Territorium der Republik Belorus durchgeführt wurden, mit den jüngeren Generationen der Deutschen zu teilen, denn die Erinnerungen an jene Tage wiegen schwer, wir wurden unserer Kindheit beraubt und lebten unser ganzes Leben mit der Unmöglichkeit, die schrecklichen Tage des Krieges jemals zu vergessen.

Hochachtungsvoll,

Pusako G. G. und Pusako S. W.

In Dankbarkeit für die finanzielle Hilfe.

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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