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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Iosif Sergejewitsch Wasilenko.

Ukraine
Kiew.

Liebe Freunde!

Ich sende Ihnen ein Foto und die Erinnerungen von Wasilenko Iosif Sergejewitsch. Er wurde in einer jüdischen Familie geboren, alle seine Verwandten sind von den Nazis erschossen worden. Durch ein Wunder blieb er am Leben und überlebte in einer Partisaneneinheit. Nach dem Krieg, als er heiratete, nahm er den Namen seiner Frau an, damit seine Söhne keine Probleme im Studium und im künftigen Arbeitsleben bekommen würden. Er und seine Frau danken KOHTAKTbI von Herzen für Ihre Hilfe.

W. Michajlowskij

Ich, Wasilenko Iosif Sergejewitsch, wurde geboren am 9.05.1927 in der Ortschaft Turja im Gebiet Starosamborsk, Oblast Lwow, ehemals Polen. 1939 kam die Sowjetmacht zu uns, aber das dauerte nicht lange, am 22. Juni 1941 begann der Große Vaterländische Krieg und ein paar Tage später kamen die Deutschen und fingen an, ihr schwarzes Werk zu tun. In unserer Familie gab es außer mir noch drei Brüder und eine kleine Schwester, ich war der Älteste. Eines Tages kam die Polizai zusammen mit einem Deutschen um uns zu holen, sie brachten uns zu einer Sammelstelle. Während der Eskortierung nutzte ich einen günstigen Moment und rannte in einen der Hinterhöfe, dann weiter in Richtung des nahegelegenen Waldes. Ich schaffte es hinein. Es waren Schüsse zu hören, aber ich rannte immer weiter. Als ich sicher war, dass ich nicht verfolgt wurde, schöpfte ich etwas Atem und lief weiter ins Waldesinnere. So lief ich bis zum Einbruch der Nacht. Dann brach ich ein paar Zweige ab und legte mich schlafen. Als ich aufwachte, ging ich wieder weiter. Im Wald gab es viele Beeren, mit denen ich meinen Hunger stillte. So kam ich bis zum Bahnhof, wo ich in einen Vorortzug stieg und nach Lwow fuhr. Dann stieg ich in einen anderen Zug und fuhr Richtung Rowno. Ich fuhr bis Sdolbunow, stieg aus und ging wieder zu Fuß. In einer der Siedlungen fragte ich bei einem Herren nach Arbeit, ich sagte, zu Hause hätte ich eine große Familie und nichts zu essen. Nach einer kurzen Unterredung ließ er mich bei sich arbeiten. Mit landwirtschaftlichen Arbeiten kannte ich mich aus. Einmal, es war schon Herbst 1942, als ich die Kühe hütete, tauchten am Waldrand drei bewaffnete Männer auf. Sie riefen mich zu sich und fragten, ob Deutsche oder Polizai in der Nähe seien, und ich erzählte ihnen alles. Dann erfuhr ich, dass sie Partisanen waren. Ich bat sie, mich mitzunehmen, erzählte ihnen alles von mir, warum ich hier war, sie berieten sich und nahmen mich mit. Es stellte sich heraus, dass sie Kundschafter der Partisaneneinheit unter Oberst Medwedew, Dmitrij Michajlowitsch waren, die gerade in dieser Region aktiv geworden war. Ich blieb bis März 1944 in der Einheit, befreit wurde das Gebiet durch die Roten Armee. Es gab keinen Ort, wo ich hingehen konnte. Ich ging zum Militärkommissariat der Stadt Dubno und bat darum, mich in die Armee aufzunehmen. Nach ein paar Fragen schickte man mich zum 139. Schützenregiment, wo ich als junger Soldat ausgebildet wurde. Dann leistete ich einen Eid und kam an die 3. belarussische Front. Ich kam bis Ostpreußen. Dann wurde unsere Einheit in den Fernen Osten versetzt, auf die Insel Sachalin, wo ich bis zum Ende des Krieges gegen die Japaner kämpfte. Ich wurde verwundet. Ich beschloss, in die Heimat zurückzukehren. Als ich ankam, stand an der Stelle, an der unser Haus gestanden hatte ein anderes Haus. Unser Haus war von den Deutschen verbrannt worden. Ich erfuhr, dass meine Eltern und meine ganze Familie im Ghetto Turja, Oblast Lwow, gestorben waren. Eine ehemalige Klassenkameradin erzählte mir, dass die heil gebliebenen Banderaleute [*] vorhätten, mich zu liquidieren. Ich beschloss, kein Risiko einzugehen, und fuhr nach Kiew, wo meine einzige lebende Verwandte wohnte. Ich musste mir Arbeit suchen, dafür brauchte ich eine Anmeldebescheinigung. Schließlich fand ich eine Arbeit, bei der man einem Wohnheim zugewiesen wurde. In der Kaderabteilung machte man Probleme, weil ich zu lange ohne Meldeschein gewesen war. Ich ging zum Polizeioberst des Kiewer Bezirks Podolsk. Ich wartete, bis ich drankam, und ging hinein. Damals konnte man sich für höchstens sechs Monate anmelden. Ich begann, ihm meinen bisherigen Weg darzulegen, er holte ein Blatt Papier hervor und sagte mir, ich solle alles aufschreiben. Als er es gelesen hatte, legte er meinem Gesuch einen Vermerk bei: So-und-so, aus dem Kriegsdienst der Sowjetischen Armee entlassen, ist auf unbegrenzte Zeit in Kiew anzumelden. Ich fand Arbeit beim Konzern „Kiewspezstroj“, wo ich auch bis zu meiner Pensionierung gearbeitet habe.

Heute lebe ich zusammen mit meiner Frau, einem Kater und einer Katze. Ich bin Invalide des Großen Vaterländischen Krieges, Gruppe 1. Meine Frau ist Arbeitsinvalide der Gruppe 2.

[Unterschrift].

****.

[*] „Banderaleute“ – gemeint sind Mitglieder der UPA (Ukrainische Aufständische Armee) unter Leitung von Stepan Bandera, der heute den ukrainischen Nationalisten als Volksheld gilt. Bandera war Antisemit, dem Massenmord an Juden vorgeworfen wird..

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