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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Boris Schajlowitsch Zybulskij.

Ukraine
Odessa.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Vertreter des gemeinnützigen Fonds „Kontakty“,

in großer Dankbarkeit wendet sich an Sie der [ehemalige] Ghetto-Gefangene Zybulskij Boris Schajlowitsch.

Ich wurde am 24.02.1942 im Ghetto der Stadt Rybniza in Moldawien geboren. Meine Mutter war, schwanger mit mir, aus dem Dorf Gerschowka in das Rybnizaer Ghetto deportiert worden. Auf dem Weg dorthin ermordeten die Polizai meinen Großvater, meine Mutter kam mit ihrer fünfjährigen Tochter und meiner Großmutter ins Ghetto. Vier Monate später wurde ich geboren. Meine Mutter konnte mich nicht lange stillen, hatte bald nichts zu essen für mich, und so beschloss sie, das Ghetto zu verlassen, um Milch aufzutreiben. Auf dem Weg wurde sie von einem rumänischen Polizisten erschossen. Meine Großmutter blieb mit mir, sechs Monate alt, und meiner fünfjährigen Schwester alleine zurück. Ich erinnere mich natürlich an nichts, ich weiß alles nur aus den Erzählungen meiner Großmutter. Dann kehrte mein Vater von der Front zurück, voller Blessuren, mietete einen Kellerraum, der immer voller Wasser stand, wenn es geregnet hatte.

So lebten wir, wie viele unserer Landsleute, die durch ein Wunder überlebt hatten, dank einem Rabbiner, der die Rumänen überredet hatte, uns an diesem einen Tag nicht umzubringen [?], und am nächsten befreite uns die Rote Armee.

Ich danke Ihnen, dass Sie sich um uns, die durch ein Wunder überlebten, sorgen.

Zybulskij Boris

[Unterschrift].

03.08.2016.

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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