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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Dora Janowna Podemskaja.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Vielen Dank für Ihren Brief vom 23.12.2011, aus dem ich von Ihrer wichtigen Arbeit im Kampf gegen den Faschismus erfahren habe und dass Sie sich für die Anerkennung der Schuld einsetzen für das, was uns während der Kriegsjahre von Seiten der deutschen Nazis zugefügt wurde. Ich möchte Ihnen auch sehr danken für die bescheidenen Spenden, die Sie uns geschickt haben als symbolisches Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls mit den Menschen, die während des Krieges in Todesangst gelebt haben. […]

Ich habe während des Krieges 28 Familienangehörige verloren, das ist sehr viel, der Schmerz lastet sehr schwer auf mir und ich möchte verzeihen. Ich möchte davon berichten, was ich als junges siebzehnjähriges Mädchen in diesem schrecklichsten Abschnitt meines Lebens habe durchleben müssen. Im Zuge der Evakuierung landete ich 1941 in Wosnesensk im Gebiet Nikolajew, ich hatte dort keine Verwandten oder Bekannten und ich sprach weder Russisch noch Ukrainisch, ich konnte nur Polnisch und Jiddisch. Bis heute denke ich mit Grauen an diese Zeit zurück. Nach einer Weile wurde ich dort wie alle von den Nazis festgenommen. Sie führten uns zur Erschießung aus der Stadt heraus, wo vorher bereits eine Grube für die Leichen ausgehoben worden war. Ich stand am Rand dieser Grube und betete zum Allmächtigen; dann stolperte ich und fiel ein oder zwei Sekunden vor den Gewehrsalven in die Grube. Durch ein Wunder des Vaters im Himmel lag ich also lebend in der Grube, zwischen Hunderten von Toten. Später rettete mir Kasimir Podemskij das Leben, dessen Namen ich bis heute trage.

1943 habe ich mich freiwillig an die Front gemeldet, wo ich zweimal verwundet wurde, weshalb ich Kriegsinvalidin ersten Grades bin. Ich habe im Krieg in sieben verschiedenen Ländern in den Schützengräben gesessen. Ich habe 22 Staatsorden und Medaillen bekommen und bin vom Präsidenten persönlich ausgezeichnet und „Für heldenhaften Mut zum Oberstleutnant befördert“ worden. In meiner Stadt haben Journalisten einen Film über mich gedreht, der jedes Jahr am Vortag des 9. Mai gezeigt wird.

Mittlerweile habe ich zu meiner Kriegsinvalidität auch Altersgebrechen, weshalb ich die Wohnung nicht mehr ohne Rollstuhl verlassen kann (ich habe mir die Schulter und das Hüftgelenk gebrochen). […]

Mit den besten Grüßen,

Dora.

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