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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Adolf Naumowitsch Fratkin.

Ukraine
Odessa.

Aus den Erinnerungen meiner Mutter und meiner Schwester.

Im Oktober 1941 begannen in Odessa die Judenverfolgungen. Unser Hauswart brachte zur Anzeige, dass im Hof jüdische Kinder wohnten. Mein Bruder, meine Schwester und ich wurden auf die Wache in Slobodka weggebracht, dort gab es einen Sammelpunkt für Juden. Meine Mutter fuhr uns hinterher, um uns zu holen. In Slobodka sagte der Obmann der rumänischen Wachen zu ihr, sie könne uns noch bis zum Abend freikaufen, am Morgen würden alle weggebracht. Meine Mutter besaß noch die Golduhr meines Vaters, sie suchte alles Gold zusammen, das wir hatten, und fuhr damit auf die Wache. Abends waren wir wieder daheim bei unserer Mutter. Sie ging lange mit uns von einer Adresse zur nächsten, aber niemand wollte uns aufnehmen. Denn es gab einen Erlass: Wer Juden Schutz bietet, wird mit dem Tod bestraft.

Durch ein Wunder begegnete sie auf dem Markt Tante Ira Schumko. Mein Vater hatte ihr einmal das Leben gerettet. Tante Ira sagte: „Bring die Kinder zu mir.“ Sie fuhr sofort mit uns in den Odessaer Bezirk Tschubajewka, und dort lebten wir dann in dem kleinen Haus von Tante Ira und ihrer Familie, alle in einem Zimmer. Raus durften wir nur nachts, und auch das erst nach einem Jahr. Unsere Mutter schickte uns manchmal Essen und Kleidung, wenn sie etwas auftreiben konnte. Zu essen hatten wir so gut wie nichts, litten wegen der Mangelernährung alle an Rachitis, lebten in ständiger Angst. Bei Tante Ira lebten wir von November 1941 bis April 1944, bis zur Befreiung Odessas.

3.08.2016 [Unterschrift].

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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