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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ljudmila Iosifowna Moschkowitsch.

Ukraine
Odessa.

An den Berliner Verein „Kontakte“.

Von Ljudmila Iosifowna Moschkowitsch, geb. 1938, Überlebende des Ghettos Berschad.

Ich war noch zu klein, als der Große Vaterländische Krieg begann, aber da mir meine Großmutter und meine Tante so viel davon erzählt haben, kommt es mir so vor, als könnte ich mich an alles noch erinnern.

Meine Mutter konnte über diese Zeit nicht sprechen. Zu groß war der Schmerz, zu viel hatte ihre Familie verloren und zu viel durchlitten, als dass sie darüber hätte sprechen können.

Wir mussten ins Ghetto: meine Großmutter, meine Tante und meine Mutter mit drei Kindern – ich und meine beiden Brüder. Der eine war zwei Jahre älter als ich, der andere zwei Jahre jünger. Beide Söhne hat meine Mutter dort im Ghetto verloren. Meine Tante versteckte sich immer im Keller, wenn Durchsuchungen waren, denn sie hätte nach Deutschland verschleppt werden können. Meine Mutter musste dort zum Arbeitseinsatz. Sie musste Wäsche waschen, Brot backen und in der Butterfabrik arbeiten, was sehr hart war. Sie nahm mich überall hin mit. Das Schlimmste war immer, wenn alle aus den Häusern getrieben wurden, und dann warfen sie die Menschen lebend in vorher ausgehobene Gruben, und alle anderen mussten Steine auf sie werfen. Das war so schrecklich, dass ich bis heute davon träume.

Mein kleiner Bruder starb im Schlaf neben mir. Wir schliefen unter freiem Himmel, es schneite auf uns herab und er ist wohl im Schlaf erfroren; und ich rannte zu meiner Mutter und fragte: Passiert das jetzt auch mit mir?

Mein Vater war als Freiwilliger an die Front gegangen und ist im ersten Kriegsjahr gefallen. Meine Mutter ist mit 43 Jahren gestorben. Da war aus unserer Familie nur noch ich übrig. Ich habe eine Ausbildung gemacht, habe eine Familie gegründet, habe einen Sohn und einen Enkel.

Vor sieben Jahren hatte ich einen Unfall. Seitdem kann ich mich nur schwer fortbewegen, gehe an Krücken. Ihre Unterstützung hilft mir sehr. Ich danke Ihnen sehr, dass Sie mir helfen, und nicht nur mir, sondern vielen anderen Menschen auch.

Ich möchte allen Menschen auf diesem Planeten, unseren Kindern und Enkeln, wünschen, dass sie niemals so etwas erleben müssen wie unsere Generation.

Ich danke Ihrem Verein, dass Sie alles dafür tun, damit die junge Generation die Vergangenheit nicht vergisst.

L. Moschkowitsch.

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