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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Basja Abramowna Rojtberg.

Ukraine
Tschernigow.

[…]

Ich danke Ihnen und dem ganzen deutschen Verein „Kontakte“ für die Unterstützung, die Sie mir und anderen Überlebenden der schweren Besatzungszeit zukommen lassen. Viele Mitglieder unserer Vereinigung haben den Krieg im Versteck überlebt, mit Hilfe der Menschen in den Dörfern, aber es gab auch Leute, die Juden an die Faschisten verraten haben. Die Gerechten aber sind immer in unserer Erinnerung.

Meine Familie und ich waren im Ghetto in Osarenzy im Bezirk Mogilew-Podolsk, Gebiet Winniza. Vor dem Krieg lebten wir in Mogilew-Podolsk. Unser Haus stand am Ufer des Dnjestr, und als die Eisenbahnbrücke zerbombt wurde, wurde auch unser Haus von einer Bombe getroffen. Wir kletterten aus dem Fenster ins Freie und machten uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Osarenzy (10 km entfernt). Mein Vater trug mich auf dem Arm (Ich war drei Jahre alt). Vater meinte, dass es im Dorf, wo Vaters Bruder lebte, wegen der Bombenangriffe leichter sein würde. Ende Juli 1941 marschierten die Deutschen im Dorf ein. Die ersten zwei Samstage waren schrecklich. Sie trieben uns in die Synagoge und wollten sie anzünden, Vater hielt mich auf dem Arm, aber, wie mein Vater später sagte, Gott hat uns beschützt und im Dorf tauchte irgendein hoher Vorgesetzter auf, auf dessen Anordnung wir freigelassen wurden. Der Dorftrottel musste zeigen, wer aus dem Dorf kam und wer nicht, er kannte Vater, und so durfte unsere Familie gehen. Sie sonderten vierzig Männer von den anderen ab, beinahe wäre auch mein älterer Bruder dabei gewesen, aber meine Mutter konnte ihn auf wundersame Weise zurückholen. Diese Männer wurden getötet. Sie schnappten sich meinen Vater, meinen Onkel und noch einen alten Mann, sie mussten die Karren schieben, und jeder, der vorbeifuhr, schlug sie. Aber dann trafen sie ein weiteres Mal auf jenen Offizier (mein Vater sagte: Gott hat ihn geschickt), und er ordnete an, sie gehen zu lassen.

Dann folgten Kälte, Hunger, Typhus. Doktor Stukalenko rettete uns vom Typhus, er kam ins Ghetto, behandelte die Kranken, brachte Medikamente und Essen. Auch sein Sohn ist ein wahrer Gerechter unter den Völkern. Ich könnte noch vieles von damals erzählen, aber es fällt mir sehr schwer. Wahrscheinlich kennen Sie das Buch „Nur wir haben überlebt“ (Ein Erinnerungsband, herausgegeben von Boris Zabarko), dort sind die Erinnerungen von zwei Überlebenden unseres Ghettos abgedruckt: von meinem Bruders Samuil Rojtberg und von Boris Chandros. Das damals Erlebte hat Folgen bis zum heutigen Tag. Ich bin oft krank, aber ich halte mich wacker.

Am 12.03.1944 wurden wir befreit.

1998 hatte unsere Vereinigung 60 Mitglieder, heute sind es 25. In diesen Jahren sind 31 Mitglieder von uns gegangen, und von weiteren Vier wissen wir nicht, ob sie vielleicht auch schon nicht mehr unter uns sind.

Nochmals Ihnen allen herzlichen Dank für die Unterstützung, und für Ihre Lebenseinstellung.

Mit den besten Grüßen,

B. A. Rojtberg, Vorsitzende der Vereinigung der Ghetto- und KZ-Überlebenden in Tschernigow.

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