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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Alla Wasiljewna Rejsina.

Alla Wasiljewna Rejsina
Ukraine
Kirowograd.

[…] Ich danke Ihnen sehr für die finanzielle Unterstützung.

Ich, A. Rejsina, wurde in Kirowograd geboren. Wir lebten in der Timirjasew-Straße. Mein Vater war an der Front, meine Mutter wollte die Stadt nicht verlassen, da sie schwanger war und befürchtete, dass sie auf der Fahrt niederkommen könnte. Mutter war erst 24 Jahre alt und stand kurz vor der Niederkunft.

Am 18. September fuhr ein schwarzes Auto vor unserem Haus vor und nahm Mutter mit. Ich hatte das Glück, dass ich gerade im Nachbarhof mit der Tochter der Nachbarn spielte. Mutter hatte an diesem Tag Wäsche gewaschen und unsere alte Vermieterin hatte ihr dabei geholfen. Als ich nach Hause zurückkam, sagte sie mir, dass sie Mutter mitgenommen hätten. Sie nahm mich bei der Hand, als wäre ich ihre Enkelin, und sagte, wir müssten gehen und nachsehen, wo Mutter sei. Wir gingen zur Synagoge, warteten lange und sahen, wie viele Menschen dort schon waren. Immer wieder fuhren Autos vor und brachten immer neue Gruppen von Juden.

Die Vermieterin brachte mich zu meiner ukrainischen Tante – mein Vater war Ukrainer. Meine Tante hatte selbst zwei kleine Kinder und pflegte ihre kranke Mutter. Sie wusste, dass jeder, der Juden bei sich aufnahm, erschossen wurde. Die Tante versteckte mich in der Besenkammer. Das letzte halbe Jahr harrte ich im Keller aus, da in eines der beiden Zimmer, die meine Tante bewohnte, Deutsche einquartiert worden waren. Ich weiß noch, dass wir in ständiger Angst lebten, dass die Deutschen mich entdecken könnten. Dass die Tante mich bei sich versteckte, wusste niemand. Aber es gab einen gemeinsamen Hof. Es gab einige Leute, die wie meine Tante solche wie mich vor der Vernichtung retteten und damit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten.

Meine Mutter wurde am 19.9.1941 im Gefängnis erschossen.

Rejsina.

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