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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Beschutraja, Ljubow Borisowna.

Ukraine
Tscherkassy.

Ich grüße Sie, unsere hochverehrten Boris Michajlowitsch und Wasilij Wasiljewitsch.

Haben Sie vielen Dank für die Hilfe.

Ich will nun über mein Leben im Krieg berichten.

Die Deutschen fielen im August 1941 in Tscherkassy ein. Die erste Zeit waren wir zu Hause. Dann brachte eine Nachbarin zur Anzeige, dass mein Vater Jude sei. Ein Polizai kam und drohte uns, schrie, wo versteckst du deinen Mann, steckte meiner Mutter eine Pistole in der Mund, ich hatte furchtbare Angst und weinte. Mutter gab ihm 2000 Tausend [2 Tausend?] und er ging. Meine Mutter und ich liefen sofort ans andere Ende der Stadt und zu einer Kollegin meiner Mutter. Bei ihr blieben wir nicht lange, sie hatte Angst, uns bei sich zu behalten. Also gingen wir, wie meine Mutter erzählt hat, in den Keller eines zerstörten Hauses, es war dort feucht und kalt. Nach draußen gehen konnte ich nicht, ich hatte Angst. Meine Mutter ging weg, um etwas zu essen aufzutreiben, und den Eingang verdeckte sie mit Ästen und Müll. Manchmal ging sie zu unserem Haus, dort versteckte sich ihre Schwester Jewdokija. So überlebten wir irgendwie zwei Jahre. Aber im September 1943 entdeckten uns die Deutschen, sie schlugen meine Mutter, weil sie mich nicht hergeben wollte. Und dann wurden wir nach Smela getrieben. Als der Zug anhielt, konnten wir fliehen, und meine Tante überredete fremde Leute uns zu verstecken. Aus Smela gingen wir in das Dorf Budki, dann nach Nikolajewka und Rotmistrowka.

In Rotmistrowka lebten wir im Speisekeller bei einer alten Frau und ihrer Tochter. Abends ließen sie uns ins Haus zum Aufwärmen, gaben uns etwas zu essen – was sie selbst aßen, das gaben sie auch uns, wie waren ihnen sehr dankbar. Dort lebten wir, bis Tscherkassy befreit wurde und ich mit meiner Mutter und Tante nach Hause gehen konnte. Unser Haus hatte keine Türen und Fenster mehr. Wir begannen, es nach und nach zu reparieren. Meine Mutter und meine Tante gingen zum Arbeiten zur Brücke, ich wurde zu Hause eingeschlossen. Als das Haus wieder etwas hergerichtet war, ging Mutter zum städtischen Industriekombinat als Schuhnäherin (mein Vater war ein sehr guter Schuhnäher, und meine Mutter hatte von ihm gelernt), und meine Tante fing als Arbeiterin beim Umladen von Heu an. Ich blieb bis zur Schule zu Hause. Mein Vater war seit den ersten Tagen an der Front gewesen, aus dem Krieg kehrte er nie zurück. Später erreichte uns eine Mitteilung über den Tod meines Vaters. So war die Kindheit der Kriegskinder.

Ich bin schon lange krank – so macht es sich bemerkbar, dass ich meine Kindheit in Feuchtigkeit und Kälte verbrachte. Alles, was ich beschrieben habe, weiß ich aus den Erzählungen meiner Mutter.

Nochmals vielen Dank für die Hilfe.

Bleiben Sie gesund,

auf Wiedersehen .

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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