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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Lidia Naumowna Glusmanowa.

Sehr geehrter Herr Eberhard Radczuweit,

Ich, Lidia Naumowna Glusmanowa, Überlebende des Ghettos Drobizkij Jar in Charkow, danke Ihnen für die finanzielle Unterstützung. Während der Besatzung der Stadt Charkow durch die deutsche Wehrmacht lebte meine zehnköpfige Familie in Charkow. Am 14. Dezember 1941 erging die Anordnung des deutschen Kommandanten, alle jüdischen Einwohner der Stadt Charkow hätten sich am 16.12.1941 im Bezirk der Traktoren- und Maschinenfabrik einzufinden. Meine ganze Familie zog früh am Morgen los, aber wir erreichten den Bezirk erst um 18 Uhr. Wir wurden in Baracken untergebracht, die weder Fenster noch Türen hatten, und bekamen nichts zu essen und nichts zu trinken. Zu der Zeit waren es minus 30 Grad. Die Bedingungen, unter denen wir dort ausharren mussten, machten ein Leben unmöglich. Es ging nur ums Überleben. Wir waren dort vom 16.12.1941 bis zum 2.1.1942. Am 2. Januar 1942 begannen sie dann mit den Erschießungen. Ich war damals dreizehn Jahre alt. Meine Mutter Riwa Abramowna Glusmanowa und ich konnten fliehen. Unsere ganze restliche Familie, acht Personen, wurden in Drobezkij Jar erschossen. Es war für uns zu gefährlich, in Charkow zu bleiben. So begann unser Irrweg durch die Gebiete Charkow, Sumy und Poltawa.

Im Herbst 1942 nahm uns die Familie von Pantelemon Sacharowitsch Suk bei uns auf. Wir arbeiteten dort in der Landwirtschaft. Diese Familie half uns, unterzutauchen. Am 24.8.1943 marschierte die Rote Armee in den Ort Wjasowoje, in dem wir uns befanden, ein, und wir wurden befreit. Wir kehrten nach Charkow zurück und begannen uns langsam wieder ein Leben aufzubauen.

Heute bin ich 83 Jahre alt, ich bin verheiratet, habe Kinder, Enkel und Urenkel. Gott hat mir noch siebzig Lebensjahre geschenkt.

Ich möchte Ihnen alles Gute für das Neue Jahr 2012 wünschen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer ganzen Familie beste Gesundheit, Glück, Freude und Ausgeglichenheit, und dass niemals wieder solche Gräuel passieren, wie wir sie haben durchmachen müssen. Friede sei mit Ihnen.

Mit aufrichtiger Hochachtung,

L. N. Glusmanowa

23.12.2011.

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