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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Nina Iwanowna Sharina.

Ich, Nina Iwanowna Sharina, danke Ihnen für die Spende […]. Ich brauche dieses Geld dringend, da ich schon seit fünf Jahren krank bin. Seit ich einen Schlaganfall hatte, kann ich nicht mehr laufen und bin ans Bett gefesselt.

Nun möchte ich Ihnen von meinem Leben in der fernen Vergangenheit berichten.

1941, als der Krieg begann, war ich acht Jahre alt. Ich lebte mit meinem Vater, meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder auf dem Land, im Dorf Rossoscha im Bezirk Jarmolnizy, Gebiet Chmelnizkij (Ukraine). Als die Deutschen in unser Dorf kamen, da rieten sie meinen Eltern, einen anderen Glauben anzunehmen, damit sie im Dorf bleiben könnten. Einige Monate später aber stürmten einige Deutsche zusammen mit Polizai unser Haus, jagten uns hinaus und trieben uns zusammen mit anderen jüdischen Familien ins Ghetto in Jarmolnizy. Dort brachten sie uns in eine Baracke, wo wir mehrere Tage ohne Essen oder Wasser ausharren mussten. Die Deutschen holten meine Eltern zum Verhör, schlugen sie. Ich kann mich erinnern, wie sie meinen Vater einmal schlimm verprügelten, und wie meine Mutter und ich geweint haben.

Als einmal alle Ghettoinsassen in den Hof geführt wurden, da sagte meine Mutter zu mir: "Lauf weg, Töchterchen, lauf zum Feld". Ich lief weg. Einige Tage und Nächte irrte ich umher, ohne zu wissen, wohin ich gehen sollte. Es war Winter, es war kalt und ich hatte großen Hunger. Ich lief über die Felder, der Schnee ging mir bis übers Knie. Ich lief Tag und Nacht, hatte Angst, zu erfrieren. Irgendwann kam ich endlich in eine Siedlung. Es war das Dorf Polnyj Oleksinez. Dort begegnete ich einer Frau, die mich zum Haus der Familie Bignjak brachte. Sie hatten viele Kinder. Zuerst versteckten sie mich in der Besenkammer und wollten mich nicht aus dem Haus lassen, damit mich niemand bemerkte. Wenn die Deutschen ins Haus kamen, schickten Tante Ksenja und Onkel Makar Bignjak mich zu den Nachbarn, sie hatten Angst, die Deutschen könnten bemerken, das ich ein jüdisches Mädchen war.

Bei dieser Familie erfuhr ich dann, dass alle Juden aus dem Ghetto erschossen worden waren. Ich wohnte bis zum Ende des Krieges bei ihnen. Dann kam ich ins Waisenheim.

Das wäre also meine Geschichte.

Mit den besten Grüßen,

Nina Iwanowna Sharina.

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