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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ljowa M.Schwarzman.

Ukraine
Odessa.

Mein Lebensbericht 1941–1944

Ich, Schwarzman L. M., wurde geboren am 22. Oktober 1935 im Dorf Penkowka, Oblast Winniza, Schargorodskij Rajon.

Als der Krieg begann, wurde mein Vater an die Front eingezogen. Die deutschen Vortruppen kamen am 20. Juli 1941 in unser Dorf. Ich erinnere mich, wie die deutschen Soldaten über den Hof den Hühnern hinterherjagten und schrien: „Hühner, Eier, Mleko!“

Im August 1941 wurde ein Ghetto eingerichtet, von Rumänen, denn wir befanden uns auf einem Gebiet, das „Transnistrien“ hieß und unter rumänischem Protektorat stand. Das Leben im Ghetto war sehr hart. Wir wussten nicht, ob wir morgen noch am Leben sein würden. Man ließ uns nicht raus. Man durfte das Ghetto nicht eigenständig verlassen, sonst wurde man erschossen. Alle mussten gelbe Sterne tragen. Bestraft wurde man für alles: zu Recht und zu Unrecht. Sterben konnte man für jedes Vergehen und auch ohne. Wir wurden zu allen möglichen Arbeiten hinaus gejagt. Mussten die Landstraße im Sommer von Staub und Schmutz befreien und im Winter von Schnee, arbeiteten auf dem Feld, pflanzten Bäume usw. Ich erinnere mich an einen Vorfall: Ein Militärtransport mit deutschen SS-Soldaten passierte unsere Station. Es war Winter. Die Gleise waren voller Schnee. Sie sollten freigemacht werden. Die Gefangenen wurden zusammengetrieben, aber man gab ihnen keine Spaten, sondern ließ sie den Schnee mit den bloßen Händen wegmachen. Nach dem Räumen wurden sie alle erschossen. Viele starben an Hunger oder erfroren. In dieser Angst lebten wir fast drei Jahre lang, bis die Sowjetarmee uns im März 1944 befreite. Wir blieben durch ein Wunder am Leben.

Nach dem Krieg schreckte ich nachts noch lange hoch; ich träumte, dass wir zur Erschießung geführt werden. Noch zwanzig Jahre später zuckte ich bei dem Dröhnen eines Flugzeugs zusammen. Ich könnte noch lange die Schrecken jener Zeit schildern, aber ich beschränke ich auf dies hier.

Ich danke dem deutschen Verein „Kontakty“ für die finanzielle Hilfe.

Mit herzlichsten Grüßen

Schwarzman Ljowa.

03.08.16 [Unterschrift].

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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