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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Sofija Iosifowna Malinskaja.

Ich, Sofija Iosifowna Malinskaja, wurde 1925 in Dowshki im Bezirk Slawuta, Gebiet Chmelnizkij, geboren.

Im Juli 1941 wurde der Ort Dowshki, in dem ich zusammen mit meinen Eltern, meinen Schwestern und meinem Bruder lebte, von den Nazis besetzt. Damit begannen „schwarze Tage“ vor allem für die jüdischen Bewohner. Die Nazis trieben alle in ein Haus. Wir mussten in der Landwirtschaft arbeiten und das Polizeirevier putzen. Wir durften nicht zu unseren Nachbarn gehen und diese nicht zu uns.

Am 26. Juli kam eine Gruppe Nazis in unseren Ort gefahren und alle mussten sich versammeln. An diesem Tag wurde mein Onkel Benzja Zudikowitsch Kogan erschossen. Meinen Vater wollten sie auch mitnehmen, aber dann sagten sie, dass er von alleine verrecken würde, und meinem Bruder sagten sie, er sei „jung“ [*] Sie haben lange gelitten und doch nicht überlebt. Wir alle mussten Hunger, Kälte, Demütigungen, Schläge erfahren und schließlich das schreckliche Ende, die Massenvernichtung der Juden im Ghetto Slawuta Ende Juli 1942. An diesem Tag wurden meine Eltern, mein Bruder, meine Schwester und unsere gesamte Großfamilie erschossen.

Während der Besatzung trieben sie uns aus Dowshki nach Annopol, wo wir alle in einer Straße wohnten und zu verschiedenen Arbeiten eingesetzt wurden (Straßen ausbessern, Gräben ausheben, Reinigungsarbeiten in der Schnapsfabrik). Dort waren wir bis März 1942. Anfang März wurden wir ins Ghetto in Slawuta überführt. Der Weg dorthin war lang, das Wetter war schlecht und wir erreichten Slawuta erst am Abend. Die Alten und Kranken wurden sofort erschossen. Auch meine Großmutter Malka Kogan wurde an diesem Tag erschossen. In Slawuta setzten sie uns zur Reinigung der Straßen und Landstraßen ein. Dann trieben sie uns nach Beresdow. Dort blieben wir nicht lange, denn sie trieben uns weiter nach Petschiwody, wo wir im Steinbruch arbeiten mussten. Die Männer klopften Steine, die Frauen schleppten die Steine nach oben. Die Lebensbedingungen waren sehr schlecht: Wir schliefen auf vergammeltem Stroh, es gab nur Wasser und gefrorene Kartoffeln.

Im Sommer 1942 trieben sie uns zurück ins Ghetto in Slawuta. Auf dem Weg wurden alle, die nicht mehr laufen konnten, erschossen. So wurden sieben Menschen beim Wald von Shukow ermordet. Und Ende Juli erschossen die Nazis praktisch alle, die sich im Ghetto befanden. Meine Schwester und ich konnten fliehen. Bis zur Befreiung des Gebietes irrten wir von Ort zu Ort und versteckten uns. Meine Schwester lebt leider nicht mehr. Von unserer ganzen großen Familie bin nur noch ich am Leben.

S. I. Malinskaja.

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[*] Kursiv im Original Deutsch [Anm. d. Übs.]

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