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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Chana Iosifowna Donskaja.

Ukraine
Winniza.

Ich war 3 Jahre alt, als der Krieg ausbrach. In unserer Familie waren wir drei Kinder. Unser Vater wurde sofort zum Kriegsdienst eingezogen und wurde seitdem nie mehr wiedergesehen. Geboren und aufgewachsen sind wir in Winniza, beim Beginn des Krieges sind wir nach Murafa gegangen, wo wir uns auch im Ghetto wiederfanden. Der Aufenthalt im Ghetto war überaus tragisch, besonders für meine Mutter, die uns unter ständigem Einsatz ihres Lebens vor dem Zorn der Aufseher beschützte. Sie konnte leider nicht alle retten. Mein älterer 14jähriger Bruder wurde vor den Augen meiner Mutter erschossen, als er zu einer verbotenen Uhrzeit auf die Straße ging. Sie ließen meine Mutter nicht einmal Abschied von ihm nehmen.

Tapfer ertrug meine Mutter diese Tragödie, denn sie hatte ja noch meine Schwester (9 Jahre) und mich.

Wegen des Fehlens warmer Kleidung hatte ich Erfrierungen an Händen und Füßen, und dieser Zustand verfolgt mich bis heute. Kälte und Hunger, Leiden und Erniedrigungen sowie die ständige Gefahr – das alles begleitete unseren Aufenthalt im Ghetto.

Meine Mutter hat zeit ihres Lebens den Verlust ihres Sohnes nicht verarbeiten können, sie war ständig krank, und als meine Schwester 1996 nach einer Krankheit dahinschied, verstarb auch sie bald darauf, nicht fähig den Schmerz zu ertragen.

Ich bin jetzt 75 Jahre alt, ich habe einen Sohn, der mit seiner Familie in Israel lebt.

Die im Ghetto verbrachte Zeit geht an niemandem spurlos vorbei. Die Gesundheit ist angeschlagen, ich bin Invalide der Gruppe 2, habe viele Begleiterkrankungen, aber dank der Unterstützung, die wir durch solche Organisationen wie Ihre erfahren, haben wir die Möglichkeit, uns behandeln zu lassen und können ohne materielle Schwierigkeiten leben. Und dass ich jetzt noch lebe, das habe ich nur meiner lieben und guten Mutter zu verdanken, die mir bis heute fehlt.

Beinahe 70 Jahre trennen uns vom Ende des Krieges. Aus unserer Erinnerung werden niemals die Verbrechen und Gräueltaten der faschistischen Besetzer verschwinden, die Millionen von unschuldigen Menschen vernichtet haben.

Nach all dem Erlebten kann man sich schwer vorstellen, dass ausgerechnet deutsche Organisationen uns Hilfe leisten würden, und wir sind einfach beeindruckt von Ihrem Verständnis und der Aufmerksamkeit.

Hochachtungsvoll,

[Unterschrift].

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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