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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Jewgenija Grigorjewna Kusnezowa.

Meine Erinnerungen.

Am 13.8.1941 wurde Cherson von den Deutschen besetzt. Mitte August mussten alle Juden sich an der Sammelstelle fürs Ghetto melden. Im gleichen Monat (am Monatsende) verriet mich mein Mitschüler Leonid Karpinow an die Deutschen und ich wurde von deutschen Soldaten zum Ghetto gebracht, das war ein mit Stacheldraht abgezäuntes Gebiet in der Nähe des Hauptmarktes an der Swerolow-Straße. Dort lebten viele jüdische Familien, die man aus der ganzen Stadt und der Umgebung hierher gebracht hatte. Ich fand dort auch die Familie meines Vaters Georgij Brodeskij, der schon 1937 den Repressalien zum Opfer gefallen war. Als wir zum Erschießen geführt wurden, stieß meine Großmutter mich in ein zerstörtes Haus und rief: „Lauf! Versteck dich, du musst überleben!“ Ich war sehr dünn und konnte mich ohne Probleme in einem Zwischenraum in der Ruine verstecken. Ich hörte die Gewehrsalven, die Hilferufe der Juden und wie sie die Nazis verfluchten. Als es dunkel wurde, da kroch ich aus dem Versteck und versteckte mich in irgendeiner Baracke, wo die am Leben gebliebenen Familien lebten. Jeden Tag gab es solche Erschießungen, und ich blieb den ganzen Tag bis zur Nacht in meinem Versteck. Ende September wurden alle, die noch am Leben waren, zusammengetrieben, ich war auch darunter (sie durchkämmten das ganze Gelände, kein Stein blieb auf dem anderen) und wir mussten in einer Kolonne zum Gefängnis marschieren. Eine Nacht verbrachten wir alle unter freiem Himmel. Am nächsten Morgen nahmen sie mich und ein paar andere Jugendliche mit und wir mussten das Territorium säubern. Da wusste ich, dass wir als nächste an der Reihe waren.

Anfang März waren wir aber noch am Leben. Da sah ich, als wir gerade auf dem Gefängnisgelände arbeiteten, auf der anderen Seite des Zauns einen Freund meines Großvaters, S. S. Wodyloko. Er sagte meinem Großvater, dass ich im Gefängnis sei. Da es in meiner Geburtsurkunde keinen Eintrag zur jüdischen Nationalität gab, konnte mein Großvater mich retten. Bis zur Befreiung von Cherson versteckte er mich im Keller oder im Brunnen.

Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Unterstützung.

E. Kusnezowa.

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