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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Ljudmila Isaakowna Shatikowa (Aus dem Russischen von Jennie Seitz).

Ukraine
Cherson.

Ich, Shatikowa Ljudmila Isaakowna, möchte hiermit meine Dankbarkeit gegenüber […] „Kontakte“ zum Ausdruck bringen – für die materielle wie für die moralische Unterstützung.

Ich bin eine von den Überlebenden der Schoah, geboren wurde ich im Jahre 1940. Mein Vater war Jude, meine Mutter nicht. Als der Krieg begann, ging mein Vater an die Front, und wir konnten uns nicht mehr in Sicherheit bringen. Als die Deutschen Cherson okkupierten, befanden wir uns in der Stadt. Die Verwandten meines Vaters (Mutter, Schwester, die Frau und die zwei kleinen Kinder seines Bruders – Marta, geb. 1936 und Ella, geb. 1941) wurden sofort mitgenommen und bald vernichtet. Uns (meine Mutter, meinen Bruder, geb. 1934, und mich) nahmen sie nicht sofort mit, weil meine Mutter Ukrainerin war und ihren eigenen Familiennamen trug. Aber dann fingen sie an, alle Juden mitzunehmen, mütterlicherseits und väterlicherseits, bis zur 4. Generation. Und unsere Mutter begann, uns zu verstecken. Wir gingen von einer Siedlung zur nächsten, von den einen Verwandten meiner Mutter zu den nächsten. Wir lebten in Kellern. Nicht alle Deutschen waren solche Bestien. Als die deutschen Truppen auf dem Rückzug waren (und alles Mögliche mit sich schleppten) kamen zwei Soldaten zu uns in den Keller. Ich versteckte mich dort mit meiner Mutter. Ich saß hinter einem Sack. Einer der Soldaten zog an diesem Sack, ich krallte mich mit meinen Händchen daran fest und fing an zu weinen. Er richtete sein Gewehr auf mich. Aber der zweite Soldat schob es zur Seite, sagte „Kinder, Kinder“ [dt.] (er erinnerte sich wohl an seine eigenen) und sie gingen weg, ohne uns etwas zu tun. So wurde ich gerettet. Mein Vater starb an der Front. Mein Bruder und ich wuchsen ohne väterliche Zuneigung, ohne das gütige Lächeln der Großmutter auf. Der Großteil der Verwandtschaft ist gestorben (die einen an der Front, die anderen durch die Hand der Nazis). Ich bete jeden Tag zu Gott, dass sich dieser Albtraum niemals wiederholt, dass mein Sohn, meine Enkel und die (zukünftigen) Enkel nie die Schrecken des Krieges und Menschenhass kennenlernen. Ich bete zu Gott, dass er allen Völkern Frieden und Wohlergehen zu Teil kommen ließe..

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