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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Maria Sergejewna Krupijewskaja.

Liebe Freunde!

[…] Ich kann mir vorstellen, wie schwer es für Sie ist, trotz der Finanzkrise Spenden für uns, die Ghettoüberlebenden, zu sammeln; zudem macht sich in vielen Ländern, unter anderem auch in der Ukraine, der Faschismus wieder bemerkbar – der Virus Antisemitismus ist noch nicht besiegt.

Ich habe Ihnen vor längerer Zeit schon mal von mir und meiner Familie geschrieben. Ich wurde am 25.12.1941 in Tschernowitz geboren, das bis 1940 zu Rumänien gehörte und dann wie einige andere rumänische Städte von den Sowjets annektiert wurde. Wissen Sie noch, wie Deutschland die Sudeten annektiert hat? Bereits am 25. Juni waren die Deutschen in Tschernowitz, und am 8. Juni nahmen sie hundert Juden mit – mein Vater war unter ihnen – und erschossen sie. Bevor die Menschen zum Erschießen geführt wurden, durften sie ihren Familienangehörigen ihre Uhren und Eheringe geben – beide habe ich heute. Meine Mutter war mit mir im dritten Monat schwanger. Am 16. Oktober 1941 trieb man alle Juden ins Ghetto, wo ich dann geboren wurde. Vier Monate später wurde das Ghetto aufgelöst und alle Juden wurden nach Transnistrien deportiert. Meine Mutter und ich, ihre Eltern und ihre Schwester konnten sich mit der Hilfe einer Frau retten. Sie war Inhaberin eines Modeateliers, Rumänin; meine Mutter hatte bei ihr als Schneiderin gearbeitet.

Die ganzen drei Jahre der Besatzung hielten wir uns auf dem Dachboden versteckt, aber meine Mutter und ihre Schwester arbeiteten mit Erlaubnis des Bürgermeisters, des Rumänen Popowitsch, im Materiallager, wo sie für die Deutschen Wäsche und Bettwäsche flickten. Es gab nur wenige Deutsche in Tschernowitz, da die Verwaltung hauptsächlich in rumänischer Hand war. Der Bürgermeister hat vielen jüdischen Handwerkern das Leben gerettet, man hat ihm in Israel, in Yad Vashem, als Gerechtem unter den Völkern ein Denkmal gesetzt.

Die Deutschen machten aber immer wieder Hausdurchsuchungen, nahmen die alten Juden mit und brachten sie in andere Ghettos. So sind meine Verwandten umgekommen.

Nun hat die deutsche Regierung die Überlebenden für dieses Leid „entschädigt“, aber alle, die weniger als zwölf Monate im Ghetto waren, können keine Rente bekommen. Wir versuchen natürlich, Deutschland zu verstehen, aber es ist sehr schwer zu verzeihen. Ich habe ein Foto von meiner Mutter mit dem Davidstern am Kleid und Passierschein, der es ihr erlaubte, trotz Stern durch die Stadt zur Arbeit zu gehen.

Ich danke Ihnen nochmals sehr für Ihre Unterstützung, für mich ist das sehr viel Geld, denn ich habe nur eine Rente von 1208 Griwna. Gott gebe Ihnen Gesundheit für die gerechte Sache!

Mit den besten Grüßen,

Maria.

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