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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Jurij Dmitrijewitsch Koletschiz.

Ukraine
Belaja Zerkow.

Sehr geehrter Herr Eberhard Radczuweit, sehr geehrte Herren vom Verein „Kontakte“!

Seit Kriegsende sind viele Jahrzehnte vergangen und heute wissen leider nicht mehr alle, welches Leid der Faschismus über Millionen von Menschen gebracht hat. Die Juden wurden umgebracht, nur weil sie als Juden geboren wurden.

Heute ist Vieles in Vergessenheit geraten. Aber wir, die Überlebenden, können niemals vergessen, was damals passiert ist, und wir danken Ihnen, dass Sie sich in Ihrem Land dafür einsetzen, dass die Gräueltaten der Faschisten nicht vergessen werden. [….] Die Deutschen von heute müssen erfahren, was unsere Generation damals durchgemacht hat. Wir, die damals so grausam gelitten haben, sind Ihnen deshalb sehr dankbar, dass Sie sich der Aufklärungsarbeit verschrieben haben.

Jurij Dmitrijewitsch Koletschiz

23.02.2012

Während des Großen Vaterländischen Krieges konnte meine Familie – mein Vater, meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich – nicht mehr evakuiert werden, da mein Vater bei der Feuerwehr war und bis zum letzten Tag gearbeitet hat.

Die Fahrzeuge der Feuerwache gerieten in einen Bombenangriff und mussten in die Stadt zurückkehren. Während der deutschen Besatzung wurde meine ganze Familie festgenommen und wir kamen hinter Stacheldraht. Meine Eltern wurden als Juden erschossen. Vor ihrem Tod konnten meine Eltern uns Kindern noch helfen, der Erschießung zu entgehen, sie halfen uns über den Zaun, so dass wir fliehen konnten.

Wie wir Kinder während der deutschen Besatzung – zweieinhalb Jahre – gelebt haben, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Wenn wir uns auf der Straße hätten blicken lassen, wären wir sofort von Polizai oder Gendarmen erschossen worden. Wir froren und hungerten, wären fast verhungert. In Belaja Zerkow gab es kein Ghetto, hier wurden alle sofort erschossen. Verschiedene Leute halfen uns Kindern, so gut sie konnten und so konnten wir überleben. Die Menschen, die uns geholfen haben, setzten damit ihr Leben aufs Spiel und wir sind ihnen ewig dankbar. Bei manchen kam es zu Hausdurchsuchungen, aber auch unter Schlägen haben sie uns nicht an die Deutschen verraten. So haben wir die Jahre der Besatzung von 1941–1944 überlebt.

Nach dem Krieg habe ich in der Armee gedient, die Schule abgeschlossen und eine Ausbildung gemacht. Ich habe gearbeitet, bis ich 80 Jahre alt war, jetzt bin ich Rentner. Bis auf die Zeit in der Armee habe ich immer in Belaja Zerkow gelebt und lebe dort bis heute.

Mein Bruder Wladimir Dmitrijewitsch Koletschiz ist auch Rentner und lebt heute in Strutin im Bezirk Solotschew, Gebiet Lwow.

Ju. D. Kletschiz

23.02.2012

Vom ukrainischen Sicherheitsdienst haben wir ein Dokument bekommen (Nr. 24/1312 vom 12.10.1998), dass die Erschießung unserer Eltern als Personen jüdischer Nationalität belegt.

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