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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Tamara Wasiljewna Tereschtschenko/Jelena Wasiljewna Witenko.

Ukraine
Kiew.

Guten Tag, sehr geehrte Mitglieder des Vereins „Kontakte“!

Gerne kommen wir Ihrem Wunsch nach, mehr von den Verbrechen der Nazis auf dem Gebiet der Ukraine während des Großen Vaterländischen Krieges zu erfahren.

Wir möchten Ihnen von unserer Familie schreiben. Unsere Mutter, Jelisaweta Michajlowna Tridman, stammte aus einer kinderreichen jüdischen Familie. Unser Vater, Wasilij Fomitsch Astrusenko, zog gleich in den ersten Kriegstagen an die Front. Zu Beginn des Krieges lebten wir in der Stadt Boguslaw (eigentlich ist das mehr ein Ort) bei den Eltern unseres Vaters. Unsere Mutter war mit dem vierten Kind schwanger. Sie blieb mit uns drei Töchtern (Emma, elf Jahre, Sweta, sechs Jahre, und ich, Tamara, anderthalb Jahre) in Boguslaw bei Großvater Foma und Großmutter Anja (den Eltern unseres Vaters).

Anfang Juli 1941 besetzte die deutsche Armee unseren Ort. Die Nazis ordneten die totale Liquidierung aller Juden an, und alle unsere Verwandten mütterlicherseits wurden im Wald bei Boguslaw erschossen. Dreizehn Personen sind umgekommen, unter ihnen auch Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren.

Dank unseres Großvaters Foma konnten wir ihrem Schicksal entgehen. Er hob in seinem Garten ein Loch aus, am steinigen Ufer des Flusses Ros, in einem Fliederbusch. Das Loch war sehr klein, feucht und voller Steine. Man konnte dort nur knien oder liegen, auf feuchtem Stroh.

Vom Beginn der Besatzung bis zur Befreiung von Boguslaw – das waren zwei Jahre und sechs Monate – mussten wir uns versteckt halten, um nicht erschossen zu werden. Es war eine einfach unmenschliche Zeit, voller Hunger, Kälte, Krankheiten und Angst.

In diesem Loch kam am 1.1.1942 die vierte Tochter, Lena, auf die Welt. Wenn sie weinte, bedeckten wir sie mit einem Kissen, damit oben niemand Kinderweinen von unter der Erde hörte. Mutter setzte das Leben des Neugeborenen aufs Spiel, um uns drei Kindern das Leben zu retten.

Großvater brachte uns Wasser und Essen, aber er kam selten und nur nachts, da er Angst hatte, jemand könnte ihm nachgehen.

Unsere Mutter hatte es sehr schwer. Wir Kinder hatten immer Hunger, hatten entzündete Augen oder waren erkältet, und Läuse waren in dem feuchten Loch unsere ständigen Begleiter.

Aber unser Überlebenswille war stärker als alles Leid.

Dank unseres Großvaters, der Verwandten unseres Vaters und der Nachbarn – sie sind Gerechte unter den Völkern – haben wir überlebt.

Aber der Krieg hat uns die Gesundheit ruiniert, die Kindheit genommen und unserer Mutter das Leben. Der ständige Hunger hat uns auch nach dem Krieg noch viele Jahre lang verfolgt.

Unsere Schwester Swetlana könnte Ihnen mehr von dieser Zeit erzählen, aber sie ist schon 77 Jahre alt und diese Erinnerungen sind für sie sehr schwer.

Liebe Freunde! Heute haben wir Familien, leben mit unseren Kindern und Enkeln zusammen, die uns viel Freude bereiten und sich im Alter um uns kümmern.

Wir wünschen allen Kindern, ganz gleich welcher Nationalität, eine glückliche Zukunft. Mögen Sie und Ihre Kinder niemals solche Gräuel miterleben wie wir damals.

Sie müssen alles dafür tun, dass sich solche Gräuel niemals wiederholen.

Viel Glück für Sie und Ihre Familien!

Mit den besten Grüßen,

Tamara Wasiljewna Tereschtschenko
Jelena Wasiljewna Witenko.

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