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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

David G. Bejder.

Ukraine
Odessa.

Liebe Freunde vom deutschen Wohltätigkeitsverein „KONTAKTE-КОНТАКТЫ“ und sehr verehrter Vereinsvorsitzender Herr Eberhard Radczuweit!

Ich möchte Ihnen und allen Mitgliedern Ihrer wohltätigen Organisation von ganzem Herzen für Ihr gutes Herz und die Anteilnahme gegenüber uns, den Ghettoüberlebenden, danken.

Ihr Volk ist das einzige auf der Welt, das, obwohl die heutige Generation nichts mehr mit dem Holocaust zu tun hat, über Jahrzehnte hinweg Gott und uns, die unschuldigen Nazi-Opfer, um Verzeihung bittet.

Ich, David Gersipowitsch Bejder, wurde 1931 in Tschetschelnik im Gebiet Winniza in der Ukraine geboren – dieses Gebiet war in Transnistrien, das zu Rumänien, Hitlers Verbündetem, gehörte. Meine Familie war im Ghetto, das mit Stacheldraht umzäunt war und von Wachtürmen aus bewacht wurde. Meine Eltern, meine ältere Schwester und meine älteren Brüder wurden jeden Morgen in einer Kolonne zum Arbeitseinsatz geführt, während wir Kinder hinter Stacheldraht zurückblieben.

Zweimal sollten wir, alle Bewohner des Ghettos, erschossen werden. Beim ersten Mal führten sie uns alle aus dem Ghetto zu einer Grube, wo wir erschossen werden sollten. Zuerst sonderten sie die Kinder und Alten aus, die mussten auf die eine Seite, während die Kräftigeren und Jüngeren auf die andere Seite mussten. Die Mütter weinten und wollten ihre Kinder nicht loslassen, riefen, dass sie mit ihren Kindern zusammen sterben wollten. Während man noch mit dem „Aussortieren“ beschäftigt war, traf irgendein deutscher Offizier dort ein, der die Anführer der Erschießungsaktion anbrüllte und die ganze Menge zurück nach Hause gehen ließ. Damit hat er uns das Leben gerettet. Das war Gottes Wunsch. Wir beteten für ihn, denn er war von Gott gesandt.

Beim zweiten Mal kamen Gestapo-Leute ins Ghetto und wir sollten zum Erschießen geführt werden. Wir aber boten den Rumänen alles an, was wir noch an Besitz hatten, Gold, Goldzähne, Ringe, Eheringe, Ohrringe, Münzen (was wir versteckt hatten) und baten sie, uns am Leben zu lassen. Die Rumänen nannten uns eine Summe und sagten, wir sollten die hübschesten jungen Mädchen für die Gestapo aussuchen, die sollten sich für sie waschen und hübsch machen. Meine Eltern baten die anderen unter Tränen, ihre Mädchen sollten dieses Opfer bringen, um alle Ghettoinsassen zu retten. Und so zogen sie los, mit allem Besitz, den sie hatten, um uns zu retten. So stand uns (den Überlebenden) der Herr bei und erlebten den Tag der Befreiung von den Faschisten. Viele waren ermordet worden, vor allem die Jungen und die Männer, sie wurden gehängt, einfach aus dem Grund, weil sie Juden waren. In erster Linie wurden die Männer getötet.

Die Rumänien, die ins Transnistrien das Sagen hatten, haben schwerste Verbrechen begangen, von denen eines beispiellos in der Geschichte der Menschheit ist. Sie trieben 25 000 Menschen jeden Alters in ein ehemaliges Munitionslager, dann übergossen sie das Gebäude mit Benzin und zündeten es an und ließen die Menschen bei lebendigem Leib verbrennen. Es gab viele grausame Verbrechen dieser Art. Aber die Rumänen, deren Volk auf keine jahrhundertelange Zivilisation und Kultur zurückblicken kann, kommen gar nicht auf die Idee, ihre Taten zu bereuen und dafür um Vergebung zu bitten, nicht bei Gott und erst recht nicht bei uns, den Holocaust-Überlebenden. Von einer Entschädigung oder auch nur der kleinsten finanziellen Unterstützung für die Kranken kann natürlich keine Rede sein.

Deshalb können nur Sie, die Deutschen, ein zivilisiertes Volk mit einer langen kulturellen Tradition, bis heute Reue zeigen, um Vergebung bitten und Ihr letztes Geld geben, um den Bedürftigen zu helfen. Obwohl Sie mit den Verbrechen von damals gar nichts zu tun haben. Ich danke Ihnen allen sehr für Ihre Güte, Ihren Anstand und edle Gesinnung. Möge Gott Sie schützen!

Ihre Unterstützung für mich kam gerade zur rechten Zeit. Ich hatte einen Herzinfarkt und einen weiteren Infarkt im Juli 2009. Medikamente sind hier sehr teuer und Ihre Unterstützung in Höhe von 500 Griwna kommt genau richtig. Wir haben davon gleich Medikamente gekauft.

Vielen herzlichen Dank.

Bejder.

11.11.09.

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