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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Jewgenija Faber.

Ukraine
Odessa.

Als der Krieg begann, lebten wir zusammen mit meiner Großmutter und meiner Tante in Balta (Oblast Odessa). Als die Deutschen in Balta einmarschierten, wurde unser Leben die Hölle. Hunger, Kälte und Angst – all das bekamen wir zu spüren. Wir ernährten uns von Kartoffelschalen und überhaupt allem, was wir finden konnten. Als Nahrung konnte man das kaum bezeichnen.

Die Deutschen schikanierten uns. Wir durften das Haus nicht verlassen. Wer rausging, wurde geschlagen. Sie zwangen uns, angenähte sechseckige Sterne zu tragen.

Meine Großmutter hatte eine Gehbehinderung. Manchmal ging sie von Haus zu Haus und bat um Hilfe. Die Menschen teilten, was sie hatten, aber oft kam Großmutter ausgepeitscht von den Deutschen zurück.

Geheizt haben wir mit Möbeln, tauschten auf dem Markt Gold und Kleidung gegen Essen.

Dann begannen die Menschen an Typhus zu erkranken. Auch ich wurde krank. Ich wurde in eine Baracke gelegt, in der Tote lagen und solche, die offenbar bald sterben sollten. Die Deutschen fürchteten den Typhus und betraten die Baracke deshalb nicht. Niemand scherte sich darum, ob ich überleben würde. Aber als Polizai in die Baracke kamen, um die Leichen zu verbrennen, bemerkte einer von ihnen, dass ich noch am Leben war. Er beugte sich zu mir herunter und sagte: „Mädchen, wenn du leben willst, dann kriech hier raus und versteck dich.“ Ich kroch bis zu unserem Haus, wo mich meine Großmutter sah. Sie versteckten und pflegten mich, so gut es ging, und ich überlebte.

Das ist bloß eine Episode aus einer riesigen Liste von menschlichen Leiden, die wir erleben mussten.

Faber Shenja.

Ich möchte mich bei Ihnen für die Hilfe, die Aufmerksamkeit und Güte bedanken, für die Wärme, die uns der Vorsitzende der Vereinigung der Ghetto- Überlebenden von Odessa Schwarzman R. M. und die Sekretärin Tatjana Iwanowna entgegenbringen.

Wir alten Menschen, die diesen grausamen Krieg überlebt haben, schätzen diese Hilfe sehr.

Für die finanzielle Hilfe bedanke ich mich bei dem deutschen Verein „Kontakty“, der uns Ghetto-Insassen regelmäßig liebevoll und fürsorglich unterstützt.

Aus dem Russischen von Jennie Seitz.

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