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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

98. Freitagsbrief (30.05.2008).

Russland
Gebiet Moskau
Krasnogorsk
Aleksej Nikitowitsch Sisikow/Wiktor Aleksejewitsch.

(…) Es schreibt Ihnen Wiktor Aleksejewitsch Sisikow, der Sohn des ehemaligen KZ-Häftlings Aleksej Nikitowitsch Sisikow.

Aus vollem Herzen bedanke ich mich bei Ihrem Verein für die Aufmerksamkeit und materielle Hilfe, die Sie meinem Vater geschenkt haben.

Ich möchte kurz seine schwere Kriegsbiographie erzählen, die ich durch seine Erzählungen kenne. Er kämpfte bei Leningrad. Im Oktober 1941 kam er in Kriegsgefangenschaft. Das KZ[*] befand sich auf dem Territorium Finnlands. Mein Vater versuchte zweimal zu flüchten. Beide Versuche misslangen. Wächter mit Hunden erwischten den Vater. Er wurde halbtot geschlagen, hat aber überlebt.

Im Dezember 1944 wurde er aus dem KZ befreit. Im März 1946 kehrte er ins Heimatdorf Lesnitscheno, Bezirk Subzowskij im Gebiet Kalinin, zurück. Das Dorf wurde beim Rückzug der Deutschen niedergebrannt. Die Eltern meines Vaters wurden bei lebendigem Leib im Haus verbrannt. Damals war ich erst drei Jahre alt. Meine Mutter und ich waren gezwungen, in einem Erdloch zu hausen. Mein Vater war am Wiederaufbau des Dorfes beteiligt.

Beim 70. Hochzeitsjubiläum meiner Eltern wurde der Vater 91 Jahre alt. Aus diesem Anlass gab es viele Gratulationen von Verwandten und nah stehenden Menschen. Völlig unerwartet kam Ihre Gratulation samt materieller Hilfe. Das Ganze brachte den Vater zur großen Aufregung und führte kurzfristig zu einer Lähmung. Kurz danach starb er.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, die Sie meinem Vater geschenkt haben. Wenn Sie eine Möglichkeit hätten, uns zu besuchen, würden wir Sie gerne kennenlernen. In unserer Stadt gibt es ein Antifaschisten-Museum und einen deutschen Friedhof. Dort sind Ihre Kameraden bestattet.

Ich heiße Wiktor Aleksejewitsch Sisikow. Meine Ehefrau heißt Janina Iwanowna Timoschina

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[*] Die sowjetischen Kriegsgefangenen sahen keinen Unterschied zwischen dem Stalag oder Dulag der Wehrmacht und einem KZ. (d. Ü.)

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